Review: Der Himmel über Berlin (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Der Himmel über Berlin" (© StudioCanal)

Das Blu-ray-Cover von “Der Himmel über Berlin” (© StudioCanal)

Inhalt: Die Engel Damiel (Bruno Ganz, „The Party“) und Cassiel (Otto Sander) wachen über das geteilte Berlin des Jahres 1987. Da sie weder gesehen, noch gehört werden, bleibt ihnen nicht viel übrig, als nur zuzuhören und zu beobachten Eines Tage verliebt sich Damiel in die schöne Akrobatin Marion (Solveig Dommartin). Von nun an hat er genug von seinem einsamen, unsterblichen Dasein. Er möchte fühlen, schmecken, berühren. Tatsächlich gibt er seinen Status als Engel auf und versucht, sich in einer ganz neuen Welt zurechtzufinden. Unerwartete Unterstützung bekommt er von dem Schauspieler Peter (Peter Falk).

 

Kritik: Im Jahr 1987 veröffentlichte der Düsseldorfer Filmemacher Wim Wenders sein Fantasy-Drama „Der Himmel über Berlin“, das ihm unter anderem den Regie-Preis in Cannes eingebracht hat. Über die Jahre hat sich der meditative Schwarz-Weiß-Film den Ruf eines Klassikers erarbeitet und bekam schon 1998 mit „Stadt der Engel“ ein glatt gebügeltes Hollywood-Remake spendiert. Nun war es an der Zeit, das Original in die Gegenwart zu befördern, was zu einer überzeugenden 4K-Konvertierung führte. Doch ist der Film tatsächlich eines der besten deutschen Werke des 20. Jahrhunderts? Oder handelt es sich doch eher um inhaltsleer-prätentiöse Kunstergüsse, wie Kritiker des Films meinen? Wie so häufig, ist die Wahrheit irgendwo in der Mitte anzusiedeln.

Cassiel versucht zu helfen (© StudioCanal)

Cassiel versucht zu helfen (© StudioCanal)

 

Die Kameraarbeit von Henri Alekan ist atemberaubend und wird durch die technische Überarbeitung noch einmal verschönert. So sind die Bilder reine Poesie, haben aber auch Ecken und Kanten und fangen Herz und Seele eines geteilten Berlin ein. Inhaltlich wird hier sehr viel improvisiert, was immer zu spüren ist und zu äußerst schwankenden Ergebnissen führt. In seinen besten Sequenzen ist der Film berührend und perfekt durchkomponiert.

Es gibt aber auch viele Phasen, in denen bedeutungsschwangere Worte aneinandergeheftet werden, ohne wirklich etwas damit auszusagen. Darüber hinaus ergötzt sich Wenders derart an seiner eigenen Arbeit, dass seine Erzählung ausufert. Gerade eine Szene wie der – nicht unwichtige – Zirkusbesuch von Damiel, wirkt nach dem zehnten Schnitt zwischen ihm und Marion anstrengend und repetitiv. Der Auftritt von Peter Falk ist beständig und auf hohem Niveau, wirkt aber im Kontrast zum Ton der Geschichte eher gewollt und deplatziert. Selbst wenn die Leistung von Falk überzeugt, fühlt sich sein Part zu sehr wie ein reines Gimmick an.

Bruno Ganz und Otto Sander sind hauptsächlich damit beschäftigt, die getragenen Dialoge herunterzubeten und durch eine Geschichte ohne roten Faden zu führen. Sie und „Love Interest“ Solveig Dommartin nach klassischen Maßstäben zu beurteilen, ist nahezu unmöglich. So bewegt sich der Zuschauer durch eine Ansammlung von Szenen, die sich deutlich länger als die ohnehin schon langen 130 Minuten anfühlt. Dabei können die herausragenden Bilder und einige faszinierende Momente nur bedingt darüber hinwegtäuschen, dass es dem Film an Substanz fehlt. Für die zweifelsohne zahlreichen Fans des Werkes ist dieses technische Update unbedingt empfehlenswert. Für die anderen Zuschauer dürfte es trotz der sichtlichen Qualitäten und der unkonventionellen Einfälle von „Der Himmel über Berlin“ nach über 30 Jahren immer noch fraglich sein, weshalb dieses qualitativ wechselhafte Filmexperiment einen solchen Ruf genießt.

Marion hat Damiel den Kopf verdreht (© StudioCanal)

Marion hat Damiel den Kopf verdreht (© StudioCanal)

Der Film ist in überarbeiteter Fassung ab dem 17.05.2018 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

3 von 5 Punkten

 

Bild: Die neue Abtastung ist absolut gelungen. Trotz eines weiterhin recht körnigen Looks sind Schärfe und Detaildarstellung konstant ziemlich hoch. Während der bunten Episoden des Films wird eine kräftige, schon fast zu satte Farbpalette geboten. Kontraste und Schwarzwert sind überzeugend eingestellt worden. Insgesamt ist das Bild ziemlich sauber und ruhig.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsch-englische DTS-HD MA 5.1-Ton nimmt den Zuschauer auch akustisch auf einen wahren Trip mit. Die Dialogwiedergabe ist makellos. Hintergrundgeräusche und der verträumte Score beziehen die äußeren Boxen gut mit ein. Bei den Konzertsequenzen (vor allem in der Schlussphase beim Auftritt von Nick Cave) wird ein regelrechter Klangteppich geboten. Selbst wenn spektakuläre Effekte ausbleiben, bewegt sich dieser Transfer nahe an der Höchstwertung.

4,5 von 5 Punkten

Extras: Audiokommentare von Wim Wenders und Peter Falk, ein Interview mit Wim Wenders anlässlich der 4K-Restaurierung von „Der Himmel über Berlin“ (39 Minuten), Masterclass von Wim Wenders: „Ein Werk in Bewegung – Die Restaurierungsarbeiten der Wim Wenders Stiftung am Beispiel von „Der Himmel über Berlin“ (31 Minuten), Wim Wenders – befragt von Roger Willemsen (28 Minuten), Helikopterflug über Berlin: Luftaufnahmen während der Dreharbeiten zu „Der Himmel über Berlin“ (10 Minuten), „Berlin, der Himmel über Wim Wenders“ aus ARTE Stadt Land Kunst (14 Minuten), einige geschnittene Szenen (31 Minuten) und ein paar Trailer komplettieren die Blu-ray.

4,5 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: StudioCanal, Leinwandreporter TV, YouTube

Der Himmel über Berlin

Originaltitel:Der Himmel über Berlin
Regie:Wim Wenders
Darsteller:Bruno Ganz, Solveig Dommartin, Otto Sander, Peter Falk
Genre:Drama, Fantasy
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 1987
Verleih:StudioCanal
Länge:130 Minuten
FSK:ab 6 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von StudioCanal

 

Verfasst von Thomas.
Zuletzt geändert am 18.05.2018
Review: Der Himmel über Berlin (Blu-ray)

1 comment on “Review: Der Himmel über Berlin (Blu-ray)”

  1. Lope Antworten

    Das Bild ist ein noch größerer Sprung als ich gedacht hätte!

    LEIDER muss ich Übersteuerungen vor allem bei den von den Engeln aufgenommenen Gedanken und der Radiosprecher bestätigen.
    Der Sound ist wirklich fehlerhaft.
    Z.B. am Anfang der gehende Mann und die hahrradfahrende Frau, die Durchsage im Flugzeug, die Radiosender etc.
    Das war nicht nur bei der alten BD viel verständlicher, es klingt bei der neuen BD auch einfach fehlerhaft (Kompressionsartefakte, Übersteuerungen…)

Leave A Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wir setzen Google Analytics, einen Webanalysedienst der Google Inc. („Google“) ein. Google verwendet Cookies. Wir setzen Google Analytics nur mit aktivierter IP-Anonymisierung ein.  Mehr Informationen zur Verwendung von Google Analytics finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Diese pseudonymisiert erhobenen Daten helfen uns, ein besser auf das Leser-Interesse abgestimmtes Programm anzubieten. Hier klicken um dich auszutragen.
Consent Management Platform von Real Cookie Banner