Review: Das Zeiträtsel (Kino)

Das Hauptplakat von "Das Zeiträtsel" (© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany)

Das Hauptplakat von „Das Zeiträtsel“ (© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany)

Inhalt: Vor mittlerweile vier Jahren ist der Vater von Meg (Storm Reid, „12 Years A Slave“) und Charles Wallace (Deric McCabe), Wissenschaftler Alex Murry (Chris Pine, „Hell Or High Water“), verschwunden. Auch wenn sich ihre Mutter (Gugu Mbatha-Raw, „Doctor Who“) rührend um die Kind kümmert, hoffen die beiden, ihren Vater – der vor seinem Verschwinden die Möglichkeiten des Zeitreisens erforscht hat – wiederzufinden. Eines Tages tauchen die Wesen Mrs. Who (Mindy Kaling, „Die highligen drei Könige“), Mrs. Whatsit (Reese Witherspoon, „Der große Trip – Wild“) und Mrs. Which (Oprah Winfrey) im Garten der Familie auf. Sie nehmen Meg, ihren Schulfreund Calvin (Levi Miller, „Pan“) und Charles Wallace auf eine Reise durch Raum und Zeit, um die Familie wieder zusammenzuführen und den Vater nach Hause zu bringen.

 

Kritik: Schon 1962 veröffentlichte Madeleine L’Engle ihren Roman „Die Zeitfalte“, der es schnell zum Klassiker bringen sollte. Trotz jahrelangem Bemühen von Disney weigerte sich L’Engle standhaft, die Filmrechte an ihrem wohl bekanntesten Werk zu verkaufen. Erst in den frühen 2000ern entschied sie sich doch, eine Verfilmung zu erlauben. Im Jahr 2003 erschien dann ein niedrig budgetierter TV-Film, den die Autorin wohl nicht mochte. Ob die 2007 verstorbene L’Engle die aufwändige Neuauflage positiv bewertet hätte, muss leider auch bezweifelt werden. Mit der vielfach preisgekrönten Ava DuVernay wurde eigentlich eine Filmemacherin gefunden, die komplexe Produktionen umsetzen kann.

 

Mrs. Whatsit unterhält sich mit den Murry-Kindern (© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany)

Mrs. Whatsit unterhält sich mit den Murry-Kindern (© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany)

Visuell kann hier wenig beanstandet werden. Die Effekte sind äußerst gelungen und geben dem Geschehen kombiniert mit der guten Kameraarbeit von Tobias A. Schliessler einen unkonventionellen, aber sehr runden Look. Auf den meisten anderen Ebenen wird es deutlich problematischer. Das Buch ist schon relativ kompliziert aufgebaut und erfordert Aufmerksamkeit, um sich alle Aspekte des Inhalts zu erschließen. Gerade für Nichtkenner der Vorlage ist es nahezu unmöglich, dem Geschehen des Filmes zu folgen. Nachdem zu Beginn erst einmal verstörend plump etwas Exposition über den Köpfen des Publikums abgeladen wird, geht die Reise bald los. Sprunghaft und gespickt mit unverständlichem Vokabular werden die Protagonisten durch die verschiedensten Orte geführt. Wer hier die nicht unberechtigte Frage stellt, weshalb sie diese Plätze in Raum und Zeit aufsuchen, wird ziemlich sicher keine befriedigende Antwort erhalten.

Die stellenweise sehr skurrilen Fantasy-Elemente funktionieren nicht, da das Publikum auch hier nicht weiß, weshalb sich (beispielsweise) Mrs. Whatsit in eine Kreatur verwandelt, die am ehesten als fliegende Artischocke beschrieben werden kann. Schauspielerisch bleibt „Das Zeiträtsel“ auf ebenfalls eher unterdurchschnittlichem Niveau. Die junge Hauptdarstellerin Storm Reid muss hier ausdrücklich von der Kritik ausgenommen werden. Sie liefert einen komplett brauchbaren Auftritt und holt nahezu das Optimum aus ihrem Material. So funktioniert sie als junge Heldin für das Zielpublikum. Ihre Weggefährten fallen da deutlich ab. Levi Miller, der zuletzt in der Horrorkomödie „Better Watch Out“ einen sehr unterhaltsamen Part geliefert hat, zeigt hier einen durchgängig fast emotionslosen Zeilenvortrag. Darüber hinaus verwendet er konstant einen einzigen Gesichtsausdruck, der in die Kategorie „milde verwirrt“ eingeordnet werden kann.

Was ist mit Mr. Murry geschehen?(© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany)

Was ist mit Mr. Murry geschehen?(© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany)

Der von Deric McCabe gespielte Streber-Charakter Charles Wallace (was für ein Name!) wirkt komplett deplatziert und macht den Anschein, als ob er sich vom Set von „Fuller House“ oder „Young Sheldon“ verlaufen hätte. Gerade in der Spätphase, in der die Figur sehr viel Dialog spendiert bekommt, ist der Jungdarsteller deutlich überfordert. Die drei „guten Feen“ machen die Situation auch nicht viel besser. Oprah Winfrey als weise Mrs. Which zu besetzen, ist ein No-Brainer gewesen, selbst wenn ihr alberner Augenbrauen-Schmuck etwas stört.

Die von Reese Witherspoon auf putzig getrimmte Mrs. Whatsit kann nur als nervtötend beschrieben werden. Sie wird aber noch einmal von Mrs. Who negativ übertroffen, wofür Mindy Kaling allerdings kein Vorwurf gemacht werden kann. Ihre Figur spricht ausschließlich (!) in Zitaten, die darüber hinaus meistens das Niveau von Glückskeks-Weisheiten haben. Chris Pine und Gugu Mbatha-Raw zeigen als Eltern sympathische und vollkommen solide Auftritte. Michael Pena („The Vatican Tapes“) und Zach Galfianakis („Tulpenfieber“) sind in Nebenrollen zu sehen, die beide unfreiwillig verstörend ausfallen.

Nachdem Disney in den vergangenen Jahren auf erstaunlich konstantem Level brauchbare bis gute Filme geliefert hat, ist hier ein klassischer Fehlgriff produziert worden. Trotz sehr gelungener Optik und einer guten Hauptdarstellerin bleibt „Das Zeiträtsel“ ein durchweg ziemlich konfuser Film, in dem zahlreiche eigenartige und teilweise schlicht falsche Entscheidungen getroffen werden. Auf diese Art wird aus der High-Budget-Adaption des bekannten Fantasy-Romans ein ziemlich anstrengendes und enttäuschendes Kino-Erlebnis.

2 von 5 Punkten


Quelle: Disney Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

Das Zeiträtsel

Originaltitel:A Wrinkle In Time
Regie:Ava DuVernay
Darsteller:Storm Reis, Oprah Winfrey, Reese Witherspoon, Chris Pine
Genre:Fantasy, Abenteuer
Produktionsland/-jahr:USA, 2018
Verleih:Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
Länge:109 Minuten
FSK:ab 6 Jahren
Kinostart:05.04.2018

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Disney

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Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 31.03.2018
Review: Das Zeiträtsel (Kino)

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