Review: Chilling Adventures Of Sabrina Staffel 1 (Netflix)

Das Artwork zur ersten Staffel "Chilling Adventures Of Sabrina" (© Netflix)

Das Artwork zur ersten Staffel “Chilling Adventures Of Sabrina” (© Netflix)

Inhalt: Eigentlich wirkt Sabrina (Kiernan Shipka), die in wenigen Tagen 16 wird, wie ein typischer Teenager. Das Waisenkind lebt seit einigen Jahren mit ihren Tanten Zelda (Miranda Otto, „Schatten der Wahrheit“) und Hilda (Lucy Davis, „Wonder Woman“) und ihrem Cousin Ambrose (Chance Perdomo) in einem großen Haus in einer Kleinstadt. Sie ist seit längerem mit dem netten Harvey (Ross Lynch, „My Friend Dahmer“) zusammen, den sie über alles liebt. Mit Roz (Jaz Sinclair) und Susie (Lachlan Watson) hat sie zwar nur zwei enge Freunde, ist aber allgemein ziemlich beliebt. Niemand außerhalb ihrer Familie ahnt, dass sie eigentlich halb Mensch, halb Hexe ist. Zu ihrem Geburtstag soll sie ihr bisheriges Leben aufgeben und sich von Vater Blackwood (Richard Coyle, „Grabbers“), dem Anführer des regionalen Hexenzirkels, mit der dunklen Taufe einführen lassen. Doch Sabrina hat Bedenken, welcher Teil ihrer Identität ihr wichtiger ist. Der dunkle Lord – Herr und Gebieter aller Hexen – hat aber schon feste Pläne mit dem besonders talentierten Halbblut. Er schickt eine Kreatur in Gestalt von Sabrinas Klassenlehrerin Mary Wardell (Michelle Gomez), die das Mädchen auf den finsteren Weg führen soll.

Kritik: Zwischen 1996 und 2003 lernte Melissa Joan Hart als Teenager-Hexe Sabrina Spellman in „Sabrina – total verhext“, mit ihren Kräften umzugehen. Die leichtverdauliche, familienfreundliche Comedy-Serie war zwar nie bahnbrechende Unterhaltung, blieb aber sympathisch genug, um beachtliche 163 Folgen zu bestehen. Nach dem zwischen 2006 und 2007 ausgestrahlten türkischen Remake „Acemi cadi“ übernahm „Riverdale“-Showrunner Roberto Aguirre-Sacasa für Netflix nun die Aufgabe, den Stoff aus einem neuen Blickwinkel zu erzählen. Als Mischung von Coming Of Age-Geschichte und Fantasy-Grusel schlägt diese zehnteilige Neuauflage deutlich dunklere Töne an. So wird in einigen Folgen eine Richtung gewählt, die so gar nicht mehr auf ein junges Publikum abzielt.

Vater Blackwood besucht die Spellmans (© Netflix)

Vater Blackwood besucht die Spellmans (© Netflix)

Zu Beginn hat die Serie noch ein paar Probleme, den eigenen Ton und das richtige Tempo zu finden. Obwohl die Atmosphäre stimmig ist, haben Figuren und Inhalte zu Beginn noch zu wenig Substanz, um das lange 60-Minuten-Format komplett zu füllen. Dennoch deutet das Geschehen schon in der Frühphase in starken Sequenzen sein erstaunlich großes Potenzial an. Nach der chaotischen und fehlgeleiteten fünften Episode „Dreams In A Witch House“ bekommt die Serie dann die Kurve. Rabiat, brutal und mit ziemlich ernsten Themen ausgestattet, aber auch charmant und mit einem eigenen Humor ist „Chilling Adventures Of Sabrina“ über große Teile dieser zweiten Staffel-Hälfte das, was sich die inzwischen erwachsenen Fans des Materials wohl erhofft haben dürften. Gerade in der siebten Episode „Witch Thanksgiving“, die sich ziemlich clever mit religiösem Fanatismus auseinandersetzt, zeigen sich alle Beteiligten in Bestform. Die beiden finalen Episoden der Staffel liefern konstant ordentliche Unterhaltung, schaffen es aber nicht ganz, auf ein paar Genre-Klischees zu verzichten.

Ex-Kinderstar Kiernan Shipka zeigt hier, dass sie auch eine ordentliche Erwachsenenkarriere vor sich haben könnte. Als glaubhafter Teenager auf Identitätssuche, die manchmal ein paar wirklich böse Sachen macht, funktioniert sie gut als radikaler Neuentwurf der Titelheldin. Ex-Disney-Star Ross Lynch kann hier als immer freundlicher, aber von einem problematischen Familienleben gequälter Harvey Kinkle einen überzeugenden Mann an der Seite der Protagonistin geben. Miranda Otto als kluge, strenge Zelda und Lucy Davis als immer nette, etwas naive Hilda funktionieren als Tanten-Duo wunderbar. Chance Perdomo gibt als unter Hausarrest stehender Cousin den charismatischen Ratgeber in der Not.

Sabrina und Harvey sind glücklich zusammen(© Netflix)

Sabrina und Harvey sind glücklich zusammen(© Netflix)

Mit Richard Coyle, der den arroganten Father Blackwood spielt, Michelle Gomez, die ihre „Doctor Who“-Rolle Missy hier deutlich wieder aufleben lässt, und Bronson Pinchot („Beverly Hills Cop“), der hier den (natürlich) etwas schrägen Schul-Direktor gibt, sorgen noch ein paar Charakterköpfe für mehr Atmosphäre im Geschehen. Ein interessanter und mutiger Zug war die unaufdringlich erzählte Geschichte von Susie, die sich über ihre Geschlechter-Identität unsicher ist. Darsteller Lachlan Watson führt selbst ein non-binäres Leben und liefert einen einfühlsamen Auftritt.

Selbst wenn diese erste Staffel von „Chilling Adventures Of Sabrina“ – gerade in den ersten fünf Episoden – noch ein paar Kinderkrankheiten offenbart, könnte Netflix hier einen neuen Hit an der Hand haben. Mit einer starken Welt, einer eigenen Atmosphäre und der Fähigkeit, manchmal über den Tellerrand hinaus zu blicken, dürfte die Serie noch einige Geschichten zu erzählen haben. Wenn es gelingt, gelegentliche Probleme mit dem Erzähltempo und die zu häufige Anwendung von Klischees in den Griff zu bekommen, steht hier einem langlebigen Programm – für das bereits eine zweite Staffel geplant ist – nichts im Weg.

3,5 von 5 Punkten

Die erste Staffel der Serie ist ab dem 26.10.2018 im Programm von Netflix zu sehen.


Quelle: Netflix Deutschland, YouTube

Chilling Adventures Of Sabrina Staffel 1

Originaltitel:Chilling Adventures Of Sabrina Season1
Showrunner:Roberto Aguirre-Sacasa
Darsteller:Kiernan Shipka, Ross Lynch, Lucy Davis, Miranda Otto
Genre:Serie, Fantasy, Horror
Produktionsland/-jahr:USA, 2018
Verleih:Netflix
Länge:10 x 60 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Netflix

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 25.10.2018
Review: Chilling Adventures Of Sabrina Staffel 1 (Netflix)

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