Review: My Friend Dahmer

Das Plakat zu "My Friend Dahmer" (© Altitude Film Sales)

Das Plakat zu “My Friend Dahmer” (© Altitude Film Sales)

Inhalt: Der Teenager Jeffrey Dahmer (Ross Lynch) ist im letzten Jahr auf der Highschool. Abgesehen vom Schulorchester hat der Sonderling kaum Aktivitäten, bei denen er nicht alleine ist. Da sein Vater (Dallas Roberts, „The Factory“) Chemiker ist und ihn mit den entsprechenden Präparaten versorgt, verbringt Jeffrey viel Zeit damit, Tierkadaver zu untersuchen. Seine mental instabile Mutter Joyce (Anne Heche, „Zu guter Letzt“) sorgt dafür, dass die Stimmung in der Familie nicht immer optimal ist. Nach gutem Zureden seines Vaters probiert Jeffrey, wirkliche Freunde zu finden. So versucht sich der unbeholfene Junge als Klassenclown. Das begeistert seine Mitschüler Derf (Alex Wolff, „Boston“), Neil (Tommy Nelson, „Moonrise Kingdom“) und Mike (Harrison Holzer, „Sex Tape“) derart, dass sie von nun an regelmäßig mit Jeffrey abhängen und ihn zu immer neuen Albernheiten anstiften. Die drei sind zwar auch irritiert von seinem großen Interesse an den Innereien von Kleintieren, ahnen aber noch nicht, wie groß Dahmers Probleme wirklich sind.

Kritik: Jeffrey Dahmer ist ein Name, der den Leuten einen Schauer über den Rücken jagen sollte. 1991 gestand er nach seiner Verhaftung, 17 Männer aus der Homosexuellen-Szene in Milwaukee ermordet zu haben. Auch Kannibalismus und Nekrophilie gehörten zu den Taten Dahmers, der trotz psychischer Störungen zu lebenslanger Haft verurteilt und 1994 von einem Mit-Häftling getötet wurde. Derf Backderf kannte Dahmer aus der Zeit, bevor er zum berüchtigten Ungeheuer wurde. In einer preisgekrönten Graphic Novel erzählte er die Außenseiter-Geschichte seines Schulfreunds, der so gerne dazugehören wollte. Indie-Filmemacher Marc Meyers hat das Werk für die Leinwand adaptiert. Herausgekommen ist ein angenehm sachliches Coming of Age-Drama, bei dem die späteren Taten des Protagonisten für genug Grusel sorgen.

Im Film gelingt es schnell, Jeffrey Dahmer als Sonderling zu etablieren, der so gerne beliebt wäre, sich aber so ungeschickt anstellt, dass er den meisten Mitschüler mit Recht etwas suspekt ist. Obwohl Meyers fast komplett auf Blut verzichtet, funktioniert dieses „Killer-Biopic“ anstandslos. Der Film hat es gar nicht nötig, mit überstyltem Horror in der Kindheit nach Motivsuche zu gehen. Wenn der Titelheld tote Tiere in den Chemikalien seines Vaters auflöst, da er „Knochen so interessant findet“ und ziemlich unbedarft andere Kinder an seinem Hobby teilhaben lassen möchte, spricht die Szenerie für sich. Wenn sich Dahmer zum Affen macht, um Anschluss zu finden – und tatsächlich so in der Clique von Derf landet – bietet „My Friend Dahmer“ ein gewisses Maß an Komik. Während einer Klassenfahrt schlägt der Film sogar erstaunlich leichte Töne an.

Bitte recht freundlich! (© Altitude Film Sales)

Bitte recht freundlich! (© Altitude Film Sales)

Dabei erschließt sich aber durch den immer stärker werdenden Alkoholismus, das ständige Beobachten des attraktiven Arztes und leidenschaftlichen Joggers Dr. Matthews (Vincent Kartheiser, „A Kind Of Murder“) und immer dunkler werdenden Fantasien, wie die Skrupel und der Realitätsbezug für Dahmer immer weiter in den Hintergrund gerückt sind. Es ist häufiger zu sehen, dass Schauspieler aus dem Kinder- und Teenie-Bereich zum ziemlich extremen Rollen greifen, um mit ihrem Image aufzuräumen. Das lässt sich definitiv auch über den langjährigen Disney-Star Ross Lynch sagen. Mit krummer Haltung und abwesendem Blick spielt er einen Jeffrey Dahmer, der merkwürdig und gruselig, irgendwo bemitleidenswert, aber immer menschlich wirkt. Auch weil die Figur nicht dämonisiert wird, ist der Film so bemerkenswert.

Anne Heche spielt eine Mutter, die viel zu sehr mit den eigenen Problemen beschäftigt ist, um sich überhaupt wirklich um ihre Kinder kümmern zu können. Dallas Roberts gibt den engagierten, aber überforderten Vater, der seinem Jeffrey eigentlich nur ein schönes Leben mit vielen Freunden wünscht. Alex Wolff ist als Autor der Graphic Novel zu sehen. Seine Figur ist im Prinzip gutmütig, aber dennoch trägt er auch einen Teil dazu bei, dass Dahmer irgendwann die Nerven verliert. Durchweg sorgen mindestens ordentliche Leistungen dafür, dass der Film so gut funktioniert.

Selbstverständlich ist „My Friend Dahmer“ ein eigenartiger Film. Einen der am meisten berüchtigten Serienmörder des 20. Jahrhunderts in seinen Jugendjahren zu zeigen, ohne dabei wirklich über die Strenge zu schlagen, ist eine gelungene und deswegen nicht weniger verstörende Abwechslung im Genre-Einerlei. Es ist zu hoffen, dass der Film bald auch hier einen Verleih findet und so einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wird.

4 von 5 Punkten

Der Film gehört zum Programm des Fantasy Filmfest 2017.


Quelle: Fantasy Filmfest, Vimeo

My Friend Dahmer

Originaltitel:My Friend Dahmer
Regie:Marc Meyers
Darsteller:Ross Lynch, Anne Heche, Alex Wolff
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:tba
Länge:107 Minuten
FSK:tba

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Altitude Film Sales

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 07.10.2017
Review: My Friend Dahmer

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