Review: Wonder Woman (Kino)

Das Hauptplakat von "Wonder Woman" (© Warner Bros Pictures Germany)

Das Hauptplakat von „Wonder Woman“ (© Warner Bros Pictures Germany)

Inhalt: Unter der Herrschaft von Königin Hippolyta (Connie Nielsen, „3 Days to Kill“) leben die Amazonen, ein Volk übermenschlicher Kriegerinnen, auf der Insel Themyscira und trainieren durchgängig, um für einen möglichen Kampf gegen Kriegsgott Ares in der Zukunft gerüstet zu sein. Diana (Gal Gadot, „Triple 9“), die Tochter der Königin, wurde schon früh in allen Techniken ausgebildet. Ein großes Geheimnis um ihre Existenz wurde ihr aber bislang nicht verraten. Ihr Leben entwickelt sich auf einmal in eine andere Richtung, als sie dem Piloten Steve Trevor (Chris Pine, „Hell Or High Water“) das Leben rettet, der vor ihrer Insel gestrandet war. Der berichtet von den grausamen Ereignissen des ersten Weltkriegs, von dessen Existenz niemand in Themyscira bislang etwas wusste. Diana sieht die Chance gekommen, ihre Fähigkeiten zum ersten Mal einzusetzen und Ares zu suchen, weswegen sie gemeinsam mit Steve die Insel verlässt. Doch zunächst müssen sie sich gegen den skrupellosen deutschen Heerführer Ludendorff (Danny Huston, „The Liberator“) zur Wehr setzen, der mit einer chemischen Waffe einen Massenmord plant.

Kritik: Es ist wohl einer der tragikomischen Running Gags der vergangenen Kinojahre. Während die temporeichen, leichtverdaulichen Marvel-Verfilmungen in Reihe zu Hits werden, entwickeln sich die Adaptionen der DC Comics zumeist zu Enttäuschungen. Zu düster, zu lang und mit teilweise atemberaubenden Fehlgriffen dürften sich viele Kinogänger mittlerweile die Frage gestellt haben, ob dieses Universum überhaupt noch einen wirklich guten Film bereit hält. Nachdem Gal Gadot als Diana Prince in „Batman v Superman: Dawn of Justice“ eingeführt wurde und sich als ein Lichtblick des Filmes zeigte, sollte sie nun in ihrem ersten Solo-Abenteuer das DC Universum in ein neues Zeitalter führen. Die vielfach prämierte „Monster“-Regisseurin Patty Jenkins wurde mit der Aufgabe betraut, hinter der Kamera für Struktur und Unterhaltung zu sorgen. Auch wenn der Film immer noch seine Probleme hat, macht er einen großen Schritt in die richtige Richtung. Ein wichtiger Bestandteil dafür war es, sich selbst nicht mehr so ernst zu nehmen, was bei der albernen Pseudomythologie und der äußerst dekorativen Montur der Titelheldin übel geendet hätte.

Diana und Steve werden schnell ein eingespieltes Duo (© Warner Bros Pictures Germany)

Diana und Steve werden schnell ein eingespieltes Duo (© Warner Bros Pictures Germany)

Tatsächlich liefert der Film überdrehten Blödsinn, knackige Action und ordentliche Dialoge mit reichlich Charme. Auf diese Art führt Jenkins durch die Welt der Amazone, die sich dem Kampf gegen das Böse verschrieben hat. Trotz der (mal wieder) beachtlichen Spieldauer von 140 Minuten punktet der Film mit einem durchgängig vorhandenen Unterhaltungswert. Das Konzept geht bis in den letzten Akt auf. Wie bei so vielen ähnlichen Werken scheitert „Wonder Woman“ hier daran, zur richtigen Zeit den Absprung zu finden. So gibt es einen schier endlosen, finalen Kampf, bei dem sich die Titelheldin und ihr Gegenüber vor mäßig gelungener CGI-Kulisse das Leben schwer machen. Da auch sonst wirklich kreative Einfälle fehlen und die Schluss-Pointe schon ziemlich vor Pathos strotzt, fällt diese Phase so eindeutig ab.

 

Diana lernt Ludendorff kennen (© Warner Bros Pictures Germany)

Diana lernt Ludendorff kennen (© Warner Bros Pictures Germany)

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Models auch schauspielern können. Auch deswegen ist der Auftritt von Gal Gadot als Wonder Woman derartig erfrischend. Zum einen ist natürlich garantiert, dass sie das knappe Outfit gut ausfüllt. Sie hat aber genug Ausstrahlung, um hier nicht auf die reine Optik reduziert zu werden. So hat sie Präsenz, gutes komödiantisches Timing und kann auch in den Action-Sequenzen gefallen. Gerade die Paarung von ihr und Chris Pine funktioniert hervorragend. Sie als etwas naive und weltfremde Halbgöttin und er als selbstbewusster, wortgewandter Spion ergänzen sich nahezu ideal. Auch ansonsten fährt der Film eine ausgesprochen prominente Besetzung auf. Robin Wright („Everest“) als Tante von Diana und Ikone der Kriegsführung zeigt sich extrem agil. Connie Nielsen hat schon die Aura, um als Amazonen-Königin zu funktionieren. Mit Ewen Bremner („T2 – Trainspotting“) als engem Kumpel von Steve und David Thewlis („Macbeth“) als dessen Chef sind noch zwei Ikonen des britischen Kinos im Film zu sehen. Es ist auf den ersten Blick schon ein wenig merkwürdig, den so gar nicht deutschen Danny Huston mit dem Part des skrupellosen deutschen Generals Ludendorff zu betrauen. Dafür punktet er mit Charisma und diabolischem Grinsen, was ihn zu einem gelungenen Comic-Fiesling macht.

Für sich betrachtet ist „Wonder Woman“ ordentliches Popcorn-Kino, dem am Ende ein wenig die Luft ausgeht. Wenn man aber die letzten Filme der DC Welt betrachtet, ist der hier so angenehm dosierte Einsatz von Zutaten wie Charme und Witz mehr als wohltuend. Dazu hat Gal Gadot die Qualität, einen so großen Film auf ihren Schultern zu tragen. Obwohl noch Spielraum nach oben bleibt, darf die Amazone aus Themyscira sicher wiederkommen.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: Warner Bros Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

Wonder Woman

Originaltitel:Wonder Woman
Regie:Patty Jenkins
Darsteller:Gal Gadot, Chris Pine, Robin Wright, David Thewlis, Connie Nielsen, Ewen Bremner, David Thewlis, Danny Huston
Genre:Action, Fantasy
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:Warner Bros Pictures
Länge: 140 MinutenFSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 15.06.2017
Facebook-Seite: Wonder Woman

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 04.06.2017
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