Review: Der gleiche Himmel (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Der gleiche Himmel" (© Polyband)

Das Blu-ray-Cover von “Der gleiche Himmel” (© Polyband)

Inhalt: Im Ost-Berlin des Jahres 1974 hat sich der junge Agent Lars Weber (Tom Schilling, „WHO AM I – Kein System ist sicher“) gerade für eine verantwortungsvolle Aufgabe im Romeo-Programm empfohlen, wo er Frauen verführen und ihnen wichtige Informationen entlocken soll. Er wird mit falscher Identität von seinem Führungs-Offizier Ralf Müller (Ben Becker) in den Westen geschleust, um dort der älteren Geheimdienst-Mitarbeiterin Lauren Faber (Sofia Helin) näher zu kommen. Als etwas schief geht, soll er auch die NSA-Analystin Sabine Cutter (Friederike Brecht, „Hannah Arendt“) ins Blickfeld nehmen. Währenddessen kämpft Gregor (Jörg Schüttauf) – der Vater von Lars – auf der anderen Seite der Mauer, die sozialistische Werte aufrecht zu erhalten. Gregors Bruder Conrad (Godehard Giese, „A Cure Fore Wellness“), ein engagierter Lehrer, sieht seine ohnehin schon kriselnde Ehe mit Gita (Anja Kling, „Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft“) zerbrechen, als diese ihre jüngste Tochter Klara (Stephanie Amarell) ins Schwimmteam steckt, wo schweres Doping zum Alltag gehört. Der bekennend homosexuelle Axel (Hannes Wegener, „Grand Budapest Hotel“), ein Arbeitskollege von Conrad, plant genau zu dieser Zeit seine Flucht in den Westen.

Kritik: Die englische Autorin Paula Milne schrieb das Skript zu dieser britisch-deutschen Co-Produktion, die unlängst ihr Debüt im ZDF gefeiert hat. Für die Regie wurde mit Oliver Hirschbiegel („Elser“) ein echtes Schwergewicht des deutschen Kinos verpflichtet. Thematisch werden natürlich schnell Erinnerungen an den Überraschungs-Hit „Deutschland 83“ wach, der international Anerkennung bekam. Auch hier wird anhand von Einzelschicksalen die Zeit des kalten Krieges auf beiden Seiten der Mauer beleuchtet. Obwohl erzählerisch und optisch nicht viel riskiert wird, entwickelt sich schnell gute Unterhaltung, die sich gleich mit mehreren Themen und Problemen der Zeit auseinander setzt. Von Spionage, über Doping bis zur Republik-Flucht werden hier kaum erwartbare Storylines ausgelassen. Gerade das (reale) Romeo-Programm, das man mit der Überschrift „Flirten fürs Vaterland“ bezeichnen könnte, ist schon durchaus interessant und kratzt dabei an der Grenze zum Schrägen. So entwickelt sich wendungsreiches Fernsehen, das sich bis zum Finale kaum eine Verschnaufpause gönnt.

Lars wird von Ralf auf den Einsatz eingestimmt (© Bernd Schuller)

Lars wird von Ralf auf den Einsatz eingestimmt (© Bernd Schuller)

In den letzten Momenten wird es dann ärgerlich für den Zuschauer. Es ist aktuell noch keine Fortsetzung geplant, dürfte aber von den Machern sicherlich im Blick sein. Ansonsten wäre ein derart offenes Ende nicht zu erklären. Hier besteht nicht einmal das Gefühl, einige Handlungspunkte beendet zu haben, aber noch Raum für mehr zu lassen (wie es beim Staffelfinale einer Serie typisch wäre). Viel mehr endet das Geschehen abrupt. Bis dahin können sich die Zuschauer aber über eine ganze Reihe an starken Darstellerleistungen freuen. Gerade Tom Schilling beweist wieder einmal, weshalb er einer der besten Schauspieler Deutschlands ist. Charmant, mysteriös und dabei sympathisch macht er den Spion Lars Weber ganz klar zur zentralen Figur des Geschehens. Neben ihm prägt sich vor allem ein wunderbar trockener Ben Becker ein, der sich durchgängig rauchend, futternd und nörgelnd durch die Mission arbeitet. Auch die Schwedin Sofia Helin kann als sozial zurückgezogener Workaholic gefallen. Bei der ansonsten überzeugenden Friederike Brecht fällt in den englische Szenen der – für eine Halb-Amerikanerin – zu harte deutsche Akzent etwas auf, was aber Jammern auf höchstem Niveau ist. Ob Godehard Giese, Hannes Wegener, die junge Stephanie Amarell, Jörg Schüttauf, Claudia Michelsen oder die weitere Besetzung: Hier fällt niemand ab.

„Der gleiche Himmel“ ist ein Dreiteiler, der eigentlich sehr viel richtig macht, sich aber durch das Finale viel vom guten Eindruck zerstört. Dennoch bleibt geschichtlich gut eingeordnetes Unterhaltungs-Fernsehen, das nicht nur wegen der durchweg starken Besetzung zu gefallen weiß. Vielleicht bekommen die Macher ja noch die Chance, ihre Fehler vom Abschluss der Geschichte zu korrigieren.

Lars nähert sich Lauren an (© Bernd Schuller)

Lars nähert sich Lauren an (© Bernd Schuller)

Die Box ist ab dem 31.03.2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

3,5 von 5 Punkten

 

Bild: Die TV-Produktion sieht sehr ordentlich aus. Schärfe und Detaildarstellung sind durchgängig gelungen. Nur selten sind kleine Unschärfen zu erkennen gewesen. Es wird eine saubere, klare Farbpalette geboten. Kontraste und Schwarzwert zeigen nur selten kleine Schwächen. Vereinzelt ist ein minimales Rauschen zu erkennen. Ansonsten ist die Optik ausgesprochen ruhig und angenehm.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche DTS-HD MA 5.1-Ton kann auch auf recht hohem Niveau überzeugen. Wenig überraschend sind die Dialoge das wichtigste Element der Reihe. Diese werden durchgängig gut priorisiert über den Frontbereich wiedergegeben. Der starke Score verteilt sich dynamisch auf die Boxen. Hintergrundgeräusche wie der Straßenverkehr und das geschäftige Murmeln in Bars und Cafés punktet auch mit einer realistisch räumlichen Wiedergabe. Auch wenn die ganz großen Effekte hier nicht vorhanden sind, gibt es hier eine starke Präsentation.

4 von 5 Punkten

Extras: Ein Making of (9 Minuten), ein Featurette zur Musik der Serie (5 Minuten), Interviews mit Cast und Autorin (17 Minuten) sowie einige Trailer ergänzen die Box.

2,5 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: Polyband, YouTube

Der gleiche Himmel

Originaltitel:The Same Sky
Regisseur:Oliver Hirschbiegel
Darsteller:Tom Schilling, Sofia Helin, Friederike Becht, Ben Becker
Genre:Drama-/Thriller-Serie
Produktionsland/-jahr:Deutschland/UK, 2017
Verleih:Polyband
Länge:3 x 90 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 04.04.2017
Review: Der gleiche Himmel (Blu-ray)

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