Review: The Affair – Season 2

Das Teaser-Plakat von "The Affair Season 2" (© Showtime/Amazon)

Das Teaser-Plakat von „The Affair Season 2“ (© Showtime/Amazon)

Inhalt: Nachdem ihre Affäre öffentlich geworden ist, sind die Ehen von Noah (Dominic West„The Wire“) und Alison (Ruth Wilson, „Luther“) vorbei. Gemeinsam ziehen sie in eine abgelegene Waldhütte, in der Noah in Ruhe an dem Roman arbeitet, der ihm zum großen Erfolg verhelfen soll. Währenddessen tobt sein Scheidungskrieg mit Helen (Maura Tierney), unter dem auch die vier gemeinsamen Kinder zu leiden haben. Eine überraschende Nachricht sorgt dafür, dass die Beziehung von Alison und Noah schnell ernster wird. Cole (Joshua Jackson, „Fringe – Grenzfälle des FBI“) tut sich unterdessen schwer, nach der Trennung wieder auf den Füßen zu landen, was auch durch die finanziellen Schwierigkeiten seiner Familie extrem problematisch ist. Erst als er Luisa (Catalina Sandino Moreno) trifft, findet er langsam wieder Halt.

Ein paar Jahre später: Noah ist inzwischen ein angesehener Autor aber auch Hauptverdächtiger für den Mord an Scotty Lockhart (Colin Donnell). Der Anwalt Gottlief (Richard Schiff, „Fire with Fire – Rache folgt eigenen Regeln“) soll verhindern, dass er ins Gefängnis muss.

Kritik: Im vergangenen Jahr war „The Affair“ die große Überraschung bei den Golden Globes, als die Serie von Hagai Levi und Sarah Treem keinesfalls unverdient die Awards als „Beste Drama-Serie“ und für die „Beste Hauptdarstellerin“ Ruth Wilson abräumte. Mit beeindruckenden Darsteller-Leistungen und der ungewöhnlichen Erzählstruktur, die jeweils aus der Sicht von Noah und Alison und auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen stattfand, hatte sich die Produktion schnell in die Herzen der Zuschauer gespielt. Auch das bewusst langsame Tempo wurde zu einem unverwechselbaren Teil des Showtime-Neulings. Es war fraglich, ob eine Affäre und ein Mordfall genug sind, um dieses Setting dauerhaft lebendig zu halten. In diesem zweiten Jahr, das um zwei Episoden auf zwölf verlängert wurde, gelingt es tatsächlich, eine noch direktere und komplexere Geschichte zu erzählen.

Wie gefestigt ist die Beziehung von Alison und Noah? (© Showtime/Amazon)

Wie gefestigt ist die Beziehung von Alison und Noah? (© Showtime/Amazon)

Um die Auswirkungen der Ereignisse noch besser zu verfolgen, bekommen in dieser Staffel auch Helen und Cole Kapitel, die die Geschichte aus ihrem Blickwinkel weiter erzählen. So erhält die Serie automatisch noch mehr Dynamik. Außerdem deckt diese Season gleich mehrere Jahre ab, in denen sich alle Figuren entwickeln können. Thematisch sind die Macher auch noch breiter aufgestellt. Für die frisch verliebten Protagonisten kehrt schnell der Alltag ein, zu dem auch Streitigkeiten und Vertrauensprobleme gehören. Noah muss mit seinem plötzlichen Erfolg zurecht kommen. Dazu kommen unter anderem die neuen Geschichten um die „Betrogenen“ und die über alles schwebendem Frage, wer Scotty Lockhart ermordet hat. Dabei entfernen sich die Macher nie von den Stärken des Eröffnungsjahres und gehen auf jede Thematik angemessen, aber auch packend und durchaus unterhaltsam ein.

Helen und Alison treffen aufeinande (© Showtime/Amazon)

Helen und Alison treffen aufeinande (© Showtime/Amazon)

Das schauspielerische Niveau ist natürlich weiterhin in der Spitze der Serienwelt. Nachdem Ruth Wilson im ersten Jahr noch die absolut herausragende Erscheinung war, nimmt sie sich hier ein wenig mehr zurück, punktet aber weiterhin mit der Verletzlichkeit und Natürlichkeit, die sie Alison gibt. Dominic West entwickelt seine bärenstarke Leistung sogar noch einmal weiter, was auch damit zu tun hat, dass seine Figur dramaturgisch den meisten Spielraum bekommt. Es sind aber gerade die ruhigeren Momente, in denen er seine Qualitäten voll ausspielt. Ein fast 30-minütiger (!) Dialog, in dem das Publikum wesentlich mehr über Noah erfährt, gehört dank seines Spiels zum besten, was diese Staffel zu bieten hat. Maura Tierney bekommt deutlich mehr zu tun. Hin- und hergerissen zwischen Wut, Enttäuschung, verbliebener Liebe zu Noah, den Manipulationen ihrer Mutter (Kathleen Chanfant) und der Notwendigkeit, für ihre Kinder in die Zukunft zu blicken, ist Helen an einem schweren Platz in ihrem Leben. Wie emotional treffend jeder Moment von Tierney verkörpert wird, ist großes Kino. Auch Joshua Jackson zeigt erneut, dass er ein überraschend guter Schauspieler ist, der eine durchaus anspruchsvolle Figur wie Cole problemlos ausfüllen kann. Dazu spielt sich Colin Donnell gerade im späteren Verlauf der Staffel immer mehr in den Mittelpunkt und Catalina Sandino Moreno entpuppt sich als echte Bereicherung für den tollen Cast.

Die große Kunst von „The Affair“ ist es, dass Hagai Levi und Sarah Treem die mit Ruhe erzählten Probleme ihrer Figuren nie zu einer drögen Charakterstudie verkommen lassen. Viel mehr nehmen sie das Publikum mit auf eine spannende, emotionale, tragische, harte Reise, die durch die je nach Perspektive leicht veränderten Details nur noch mehr gewinnt. Gerade in dem überragenden Staffelfinale, wo einige Erzählfäden des Konstrukts zusammenlaufen, zeigt sich, wie gut „The Affair“ geschrieben ist. Konnte die erstaunliche erste Staffel noch als Glückstreffer abgetan werden, hat sich die Serie spätestens jetzt als eine der besten auf dem Markt etabliert.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: The Affair, Showtime, YouTube

The Affair - Staffel 2

Originaltitel:The Affair - Season 2
Showrunner:Hagai Levi, Sarah Treem
Darsteller:Dominic West, Ruth Wilson, Maura Tierney
Genre:Drama-Serie
Produktionsland/-jahr:USA, 2015
Verleih:Showtime/Amazon Prime
Länge:12 Episoden zu je 60 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 06.04.2017
Review: The Affair – Season 2

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