Review: Deutschland 83 (DVD)

Das DVD-Cover von "Deutschland 83" (© Universum Film)

Das DVD-Cover von “Deutschland 83” (© Universum Film)

Inhalt: Im Jahr 1983 kocht der Kalte Krieg immer mehr hoch. Beide Seiten sind kurz davor, den Gegenüber zu attackieren. Zu dieser Zeit lebt der junge Soldat Martin (Jonas Nay) mit seiner Mutter Ingrid (Carina N. Rauch) und Freundin Annett (Sonja Gerhardt, „Dessau Dancers“) in Ost-Berlin. Martins Tante Lenora (Maria Schrader, „In Darkness – Eine wahre Geschichte“), die für die Botschaft der DDR in Bonn arbeitet, sorgt dafür, dass er für einen Sonder-Auftrag vorgeschlagen wird: Er soll die Identität des Bundeswehr-Offiziers Moritz Stamm annehmen und für den hoch angesehenen Nato-General Edel (Ulrich Noethen, „Hannah Arendt“) arbeiten. Dabei soll er geheime militärische Pläne des Westens besorgen. Obwohl Martin sich wehrt, muss er diesen Job annehmen. Zwischen Friedens-Demos, privaten Problemen und enormem Erfolgsdruck rückt der junge Mann immer mehr ins Zentrum des schwelenden Konflikts der Weltmächte.

Kritik: Die Serie, die auf der Berlinale 2015 vorgestellt wurde, sorgte im frühen Sommer für Aufsehen, als sie als erste deutsche Serie vor ihrer TV-Premiere in die USA verkauft werden konnte. Internationale Kritiken überschlugen sich vor Lob für den Spionage-Thriller von Anna und Jörg Winger. Doch die Free TV-Erstausstrahlung bei RTL, die auch an der Produktion beteiligt waren, ging deutlich daneben. Die Macher der Serie gingen sogar aufs Publikum zu und machten Umfragen, um die erschreckend schwachen Quoten zu ergründen.

Nach Ansicht der acht Episoden kann es in etwa so erklärt werden: Wenn die Imbissbude von nebenan auf einmal Filetsteak auf der Karte hat, ist ein großer Teil der Kundschaft schlicht und ergreifend irritiert. Qualitativ ist „Deutschland 83“ in vielen Belangen ein Quantensprung. Eine große Stärke ist die intensive Atmosphäre, die den Zeitgeist dieser Epoche wunderbar einfängt. Künstlerisch und modisch eigen, die Angst vor dem Ausbruch des Krieges nahezu greifbar, dabei aber in einer Aufbruchstimmung, die auf lange Sicht die Wiedervereinigung eingeleitet hat, war hier eine entscheidende Phase im Nachkriegs-Deutschland.

Noch genießt Martin die gemeinsame Zeit mit Annett (© Universum Film)

Noch genießt Martin die gemeinsame Zeit mit Annett (© Universum Film)

Dankenswerter Weise wird nicht der Fehler gemacht, die Serie als Geschichtsstunde oder Vergangenheitsbewältigung aufzubauen. Bei dem fiktiven Thriller wird die Stimmung der damaligen Zeit nur als Grundlage für gute Unterhaltung genommen. Ohne viel Verschnitt lernen wir schnell die tragenden Charaktere kennen. Kurz darauf findet sich Hauptfigur Martin schon recht ungewollt unter falscher Identität im Westen des Landes wieder. Das hohe Erzähltempo kann über die gesamte Dauer aufrecht erhalten werden, weswegen auch die Spannungskurve fast nie abfällt.

Um das alles zu gewährleisten, gibt es gleich eine ganze Reihe an Randgeschichten, die aber nicht nur Füllmaterial sind, sondern der Atmosphäre größtenteils noch weiteren Tiefgang geben. So lernen wir über General Edels Sohn Alex (Ludwig Trepte) die Friedensbewegung kennen, während sich Edels Tochter Yvonne (Lisa Tomaschewsky) in einer Bhagwan-Kommune einquartiert. Auf der anderen Seite der Mauer legt sich Martins Kumpel Thomas (Vladimir Burlakov) mit dem Regime an, das von Annett wiederum leidenschaftlich unterstützt wird. Auch wenn die Erzählung nicht ohne Klischees auskommt und man vereinzelt dramaturgisch übers Ziel hinausschießt, wird so doch ein inhaltlich breites, stets interessantes Feld abgedeckt.

Bei General Edel soll Martin wichtige Informationen für den Geheimdienst erbeuten (© Universum Film)

Bei General Edel soll Martin wichtige Informationen für den Geheimdienst erbeuten (© Universum Film)

Ein weiteres klares Plus ist das sehr hohe schauspielerische Niveau, das in „Deutschland 83“ zu bewundern ist. Jonas Nay ist das Zentrum der Serie und schafft es durchaus souverän, das Geschehen zu tragen. Seine jungen Kollegen wie Ludwig Trepte, Lisa Tomaschewsky und Sonja Gerhardt liefern ausnahmslos starke Leistungen. Dazu kommen einige feste Größen des deutschen Films. Ulrich Noethen ist als gradlinig-konservativer Bundeswehr-General eine ähnliche Erscheinung wie Sylvester Groth („Codename U.N.C.L.E.“) als recht skrupelloses hohes Tier im ostdeutschen Geheimdienst. Auch weitere Darsteller wie Maria Schrader, Alexander Beyer und Florian Bartholomäi reihen sich nahtlos ein.

Natürlich fehlt „Deutschland 83“ ein gutes Stück zur Perfektion. Dennoch ist die Serie mit das beste, was bislang an deutschen Serien-Produktionen geboten wurde. Wenn eine Geschichte so gut Spannung, Entertainment und Substanz verknüpft, wie es hier der Fall ist, besteht Hoffnung für deutsches Qualitäts-Fernsehen. Aus diesem Grund ist es umso ärgerlicher, dass das Publikum im Free TV kein Zeichen gesetzt hat, damit in Zukunft mehr vergleichbares gezeigt wird. Es wäre wünschenswert, dass die Macher schon aufgrund der internationalen Rückmeldung die Möglichkeit bekommen, die geplante Fortsetzung „Deutschland 86“ in die Tat umzusetzen.

Martin und Alex sollen bei einer Demonstration für Ruhe sorgen (© Universum Film)

Martin und Alex sollen bei einer Demonstration für Ruhe sorgen (© Universum Film)

Die Box ist seit dem 11.12.2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

4 von 5 Punkten

 

Bild: Auch optisch ist die Serie klar in den 80er-Jahren beheimatet, was durch viele gelb-bräunliche Töne passend zum Ausdruck gebracht wird. Schärfe und Detaildarstellung sind zumeist auf gutem Niveau. Es gibt nur ein paar sehr weich gezeichnete Bilder. Die Farben werden zum großen Teil kräftig und natürlich dargestellt. Auch der Schwarzwert ist für eine DVD ziemlich ordentlich ausgefallen. Die Kontraste sind nicht makellos eingestellt, aber solide. Bis auf einige verrauschte Bilder ist der Transfer sehr sauber und frei von erwähnenswerten Fehlern.

3,5 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche Dolby Digital 5.1-Ton ist ebenfalls vollkommen zufriedenstellend. Die Dialoge kommen immer gut verständlich und klar priorisiert aus dem Center. Beispielsweise bei den Demonstrations-Szenen ist die Hintergrund-Atmosphäre solide räumlich abgemischt. Auch der starke Soundtrack wird gut auf die Boxen verteilt. Dazu kommen ein paar Effekte und nette Bässe. Natürlich ist die Serie kein primäres Sound-Erlebnis, macht aber das Mögliche aus dem Ausgangsmaterial.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Zehn kleine, aber interessante Featurettes (45 Minuten) geben Hintergrund-Infos rund um die Entstehung der Serie. Ein nettes, recht ausführliches Gag-Reel (17 Minuten) liefert die dazu passende Unterhaltung.

3,5 von 5 Punkten

Gesamt: 4 von 5 Punkten


Quelle: RTL, YouTube

Deutschland 83

Originaltitel:Deutschland 83
Showrunner:Anna Winger, Jörg Winger
Darsteller:Jonas Nay, Maria Schrader, Ulrich Noethen, Sonja Gerhardt, Ludwig Trepte, Sylvester Groth, Lisa Tomaschewsky
Genre:Thriller-Serie
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2015
Verleih:Universum Film
Länge:10 x 45 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

 

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 27.12.2015
Review: Deutschland 83 (DVD)

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