Review: WHO AM I – Kein System ist sicher (Kino)

Das Plakat von "Who Am I" (Quelle: Sony Pictures Germany)

Das Plakat von „Who Am I“ (Quelle: Sony Pictures Germany)

Inhalt: Schon seit frühester Schulzeit ist Benjamin (Tom Schilling, „Ludwig II.“) nahezu unsichtbar und wird von niemandem wirklich wahrgenommen. So hat der blasse Einzelgänger all seine Jugend am PC verbracht, die verschiedensten Programmiersprachen gelernt und sich zu einem passablen Hacker entwickelt. In dieser anonymen Welt fühlt er sich wohl und lebt seine Interessen voll aus. Als er dann nach Jahren seinen heimlichen Schwarm Marie (Hannah Herzsprung, „Hell – Die Sonne wird euch verbrennen“) wieder trifft, möchte er sie mit geklauten Ergebnissen vom Uni-Server beeindrucken. Doch Benjamin wird erwischt und muss daraufhin Sozial-Stunden ableisten. Dort trifft er auf Max (Elyas M’Barek, „Türkisch Für Anfänger – Der Film“), der ebenfalls Hacker, aber ansonsten vollkommen anders ist. Schnell freundet er sich mit dem selbstbewussten und wortgewandten Computer-Experten an. Gemeinsam mit den Kollegen von Max, dem aufgedrehten Stephan (Wotan Wilke Möhring, „Das Leben ist nichts für Feiglinge“) und dem stets misstrauischen Paul (Antoine Monot Jr., „Das Experiment“), gründen die beiden die Organisation CLAY. Schnell ernten sie für originelle politische Aktionen die Unterstützung einer großen YouTube-Gemeinde. Jedoch ist vor allem Max unzufrieden, da er sich viel mehr den Respekt von Hacker-Kollegen wie dem gefürchteten MRX wünscht. Mit einer gewagten Aktionen gegen den BND überschreitet CLAY eine Linie, die sogar einem Menschen das Leben kostet. Nun sind sie plötzlich auf der Fahndungsliste von Europol und werden von einem Team rund um die Cyber-Terror-Expertin Hanne Lindberg (Trine Dyrholm, „3096 Tage“) gejagt.

 

Kritik: Mit „Das letzte Schweigen“ gelang dem Schweizer Regisseur Baran bo Obdar im Jahr 2010 ein Achtungserfolg. Es dauerte aber vier Jahre, ehe er mit dieser Groß-Produktion seine nächste Regie-Arbeit folgen ließ. Mit diesem Hacker-Thriller hat er noch einmal unbewusst genau den Zahn der Zeit getroffen, wie der aktuelle Bilder-Klau bei zahlreichen Prominenten belegt. Herausgekommen ist ein stilistisch für deutsche Verhältnisse ungewöhnlicher, fast schon schriller Hochglanz-Film, der 105 Minuten kurzweilige und spannende Unterhaltung liefert. Auf viele Arten erinnert der Thriller eher an einen amerikanischen Film, was in diesem Zusammenhang nichts Schlechtes zu bedeuten hat. Allerdings verliert „WHO AM I“ deutlich, wenn man das Drehbuch hinterfragt. Vieles wirkt inhaltlich extrem konstruiert und vor allem im Schlussdrittel, wo eine Wendung an die nächste folgt, zitiert sich der Film quer durchs Genre.

Populärer Cast steigert die Qualität noch einmal deutlich

Die Mitglieder von CLAY beobachten das Ergebnis einer ihrer Aktionen (Quelle: Sony Pictures Germany)

Die Mitglieder von CLAY beobachten das Ergebnis einer ihrer Aktionen (Quelle: Sony Pictures Germany)

Einer der großen Pluspunkte ist nicht einmal unerwartet die vielseitige Besetzung. In der Hauptrolle mimt der immer noch jugendlich aussehende Tom Schilling den schüchternen Sonderling Benjamin. Dabei verleiht er der Figur die gewisse Note, die im Verlauf der Handlung auch dringend benötigt wird. An seiner Seite steht vor allem Elyas M’Barek im Rampenlicht, der hier mit einer originellen und unheimlich charismatischen Darstellung erneut sein Star-Potenzial unter Beweis stellt. Wie aufgezogen agiert Wotan Wilke Möhring als voll-tätowierter, rabiater Spaßvogel Stephan. In manchen Szenen (wie einer sehr amüsanten Hausparty) darf er hier dem Affen richtig Zucker geben und hat erkennbar Spaß am Geschehen. Antoine Monot Jr. komplettiert als wunderbar paranoider Paul die Hacker-Runde. Daneben zeigt Hannah Herzsprung, dass sie nicht einmal viel Spielzeit benötigt, um eine runde und interessante Figur zu erschaffen. Die wandelbare dänische Schauspielerin Trine Dyrholm komplettiert hier als unterkühlte Ermittlerin mit einer ebenfalls guten Leistung den wichtigen Teil des Casts.

So bietet „WHO AM I – Kein System ist sicher“ am Ende spannende Unterhaltung, die gut aussieht und mit sehr ordentlichen Schauspielern zu überzeugen weiß. Dennoch kommt der Film am Ende nicht über gehobenes Mittelmaß heraus, da die löchrige Story viele gute Ansätze der gewollt cleveren Erzählung in den Hintergrund treten lässt, wenn man etwas genauer hinsieht.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: Sony Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

WHO AM I - Kein System ist sicher

Originaltitel:WHO AM I - Kein System ist sicher
Regie:Baran bo Odar
Darsteller:Tom Schilling, Elyas M'Barek, Wotan Wilke Möhring
Genre:Thriller
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2014
Verleih:Sony Pictures
Länge:105 Minuten
FSK:ab 16 Jahren
Kinostart:25.09.2014
Homepage:Der Internet-Auftritt von "WHO AM I"

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 24.09.2014
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