Review: Ludwig II. (Kino)

Das "Ludwig II." Kinoplakat (Quelle: Warner Bros.)

Das “Ludwig II.” Kinoplakat (Quelle: Warner Bros.)

Inhalt: Nach dem überraschenden Tod seines Vaters Max II. (Axel Milberg, „Hannah Arendt“) besteigt der gerade 18 Jahre alte Ludwig (Sabin Tambrea) voller Idealismus den bayrischen Thron. Er träumt von einer besseren Welt, in der seine geliebte Musik im Vordergrund steht. Mit Hilfe seines engen Vertrauten Johann Lutz (Justus von Dohnányi, „Ruhm“) macht er den legendären, von ihm geliebten, aber umstrittenen Komponisten Richard Wagner (Edgar Selge, „Das Experiment“) ausfindig und lässt ihn nach München bringen. Mit viel Elan gibt er sich an seine Aufgaben. Als er dann aber gezwungen ist, gegen die Preußen in den Krieg zu ziehen und den bei vielen Ministern verhassten Wagner des Landes zu verweisen, bekommt Ludwig die ersten Probleme.

Auch die Hochzeit mit seiner Cousine Sophie (Paula Beer, „Poll“) scheitert, da er nur Freundschaft für sie empfindet. Er scheint bereit, seinen Thron an seinen kleinen Bruder Otto (Tom Schilling, „Der Baader Meinhof Komplex“) abzutreten, bis dieser einen psychischen Kollaps erleidet. Nach dem Zusammenschluss zu Gesamtdeutschland und dem Verlust der bayrischen Souveränität zieht sich Ludwig (Älter gespielt von Sebastian Schipper, „Lola rennt“) mit wenigen Untergebenen zurück und beginnt, Staatsgelder für Lustschlösser wie Neuschwanstein zu investieren. Als dann Johann Lutz den Geisteszustand des Monarchen überprüfen lässt, beginnt der Niedergang bis zum rätselhaften Ende am Starnberger See.

Kritik: Nach über acht Jahren Vorarbeit setzten Peter Sehr und Marie Noelle gemeinsam mit Bavaria Pictures diese Neuauflage vom Leben des „Märchen-Königs“ Ludwig II. um. In Zusammenarbeit mit dem Historiker Dr. Gerhard Immler, dem Gralshüter der Wittelsbacher Familie, bereiteten sich die Macher gewissenhaft und faktisch genau vor, was dem Film auch zu jeder Zeit anzumerken ist. Das hohe theoretische Fachwissen der Macher führt aber auch leider dazu, dass der Zuschauer mit Informationen und Begebenheiten überschwemmt wird. So wirkt der Film beim Anschauen deutlich länger als 130 Minuten. Für die Kamera engagierte man den Oscar-nominierten Christian Berger, der wie Ausstatter Christoph Kanter an „Das weiße Band“ mitgearbeitet hatte. Vor allem den beiden ist es zu verdanken, dass der Film zu einem optischen Hochgenuss geworden ist.

Die Nebendarsteller übertrumpfen den Titelhelden

Ludwig und Richard Wagner im Gespräch (Quelle: Warner Bros.)

Ludwig und Richard Wagner im Gespräch (Quelle: Warner Bros.)

Sabin Tambrea und Sebastian Schipper teilten sich die Rolle des Königs Ludwig. Sowohl Kinoneuling Tambrea als auch Schipper spielen ihren Part sehr ordentlich. Das gewisse Etwas, was die geschichtliche Figur Ludwig so legendär gemacht hatte, geht aber beiden leider etwas ab. Justus von Dohnányi als Ludwigs enger Vertrauter Lutz spielt seine Figur mit einer charmanten Doppelbödigkeit, die den Zuschauer problemlos den Wandel vom loyalen Biedermann zum ambitionierten Minister nachvollziehen lässt. Tom Schilling hat in der Rolle von Prinz Otto seine Glanzmomente, wo dieser den Verstand verliert. Da darf er sich gänzlich schauspielerisch entfalten, was ihm ohne Probleme gelingt. Paula Beer spielt die liebenswert-süße Sophie glaubwürdig, sodass Ludwigs Dilemma bezüglich der Verlobung absolut nachvollziehbar wird.

Sissi und Sophie im Theater (Quelle: Warner Bros.)

Sissi und Sophie im Theater (Quelle: Warner Bros.)

Sophies Schwester Elisabeth „Sissi“ mit Hannah Herzsprung („Hell“) zu besetzen, war eine der besten Entscheidungen, die die Macher des Films treffen konnten. Trotz relativ geringer Spielzeit nutzt die vielschichtige Herzsprung jede Nuance, um die Bedeutsamkeit ihrer Figur makellos zu vermitteln. Auch Edgar Selge als Richard Wagner und Friedrich Mücke („Russendisko“) als Ludwigs sehr enger Freund Richard Hornig spielen ihre tragenden Rollen überzeugend. Katharina Thalbach („Du hast es versprochen“) als Ludwigs Mutter, Axel Milberg als Ludwigs Vater, Uwe Ochsenknecht („Das Boot“)als Onkel, Samuel Finzi („Kokowäh“) als Lakai und Gedeon Burkhard („Inglorious Basterds“) als Graf von Holnstein sind weitere tragende Darsteller des Historien-Epos.

„Ludwig II.“ ist einer der aufwändigsten deutschen Produktionen der Geschichte. Die Fakten sind stimmig, die Ausstattung großartig und die Besetzung spielt durchgehend gut. Dennoch ist Sehr und Noelle hier kein herausragender Film gelungen, da der Umfang des Inhaltes deutlich den Rahmen des Filmes sprengt, was ihn unübersichtlich  werden lässt.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: Warner Bros., YouTube

Ludwig II.

Originaltitel:Ludwig II.
Regie:Marie Noelle, Peter Sehr
Darsteller:Sabin Tambrea, Sebastian Schipper, Gedeon Burkhard
Genre:Biographie
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2012
Verleih:Warner Bros.
Länge:130 Minuten
FSK:noch unbekannt
Homepage:Der Internetauftritt von "Ludwid II."
Kinostart: 26.12.2012

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