Review: Russendisko (Kino)

Russen Disko

Russendisko erzählt von drei jungen Russen, die nach Ostdeutschland einwandern. Bildquelle: Paramount Pictures

Inhalt: Im Sommer 1990 beschließen die drei unzertrennlichen Freunde Wladimir (Matthias Schweighöfer, RubbelDieKatz), Mischa (Friedrich Mücke „Friendship!“) und Andrej (Christan Friedel „Das weiße Band“), Russland den Rücken zu kehren und einen Neuanfang in Deutschland zu wagen. Sie gelangen nach Ostberlin, wo die DDR noch ein paar letzte Atemzüge nimmt und die BRD noch nicht Einzug gehalten hat. Da Honecker als Wiedergutmachung dafür, dass die DDR sich nicht an den Zahlungen an Israel beteiligt hat, Juden aus der Sowjetunion ein Aufenthaltsrecht versprochen hat, finden sich die drei Freunde in Ostdeutschland in einem regen Treiben heimatloser Russen wieder. Sie beziehen ihr Begrüßungsgeld und eine Wohnung in einem Ausländerwohnheim in Marzahn. Dort treffen die drei jungen Russen auf die verschiedensten Nationalitäten und verrückte Lebensgeschichten: Zum einen sind da die Vietnamesen, die illegalen Zigarettenhandel betreiben, eine Großfamilie aus Albanien, die Italienisch lernt, um eine neapolitanisches Restaurant zu eröffnen und ein Schwarzer, der als Wunderheiler gilt.

Andrej, der Schwermütige unter den Dreien, hat es sich als Ziel gesetzt, reich zu werden. Dafür sitzt er in einer U-Bahn Station und verkauft Dosenbier an Passanten. Schon bald expandiert er sein Geschäft mit Schnaps und Zigaretten, was den Vietnamesen gar nicht gefällt. Doch so richtig glücklich ist Andrej trotz seines finanziellen Erfolges in Deutschland nicht.

Mischas Traum ist es, mit seiner Musik Geld zu verdienen und die Leute zu begeistern. Schnell findet der junge Russe mit seiner Gitarre und rhythmischen, russischen Volksliedern Anklang und tritt in verschiedenen Kneipen auf. Nur Wladimir hat keinen Plan für seine Zukunft, er genießt die neu gewonnene Freiheit und trifft dabei auf die hübsche Tänzerin Olga (Peri Baumeister „Tabu – Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden“). Schnell werden die beiden ein Paar und Träumen von einer gemeinsamen Zukunft.

Eine gute Inszenierung, aber wenig Handlung

Unter der Regie von Oliver Ziegenbalg („Friendship!“) wird dem Bestseller Russendisko von Wladimir Kaminer Leben eingehaucht. Mit einer sympathischen und gelungenen Besetzung wird die ehemals als Kurzgeschichtensammlung bekannte Geschichte von drei jungen Russen auf der Suche nach ihrem persönlichen Sinn des Lebens auf die Leinwand gebracht. Matthias Schweighöfer ist die Rolle des verliebten Träumers Wladimir wie auf den Leib geschnitten. Kaum ein Schauspieler strahlt schon von Grund auf mehr Leichtigkeit und Freude aus, als der erfolgreiche deutsche Jungschauspieler. Aber auch die anderen Rollen sind optimal besetzt. Besonders Christian Friedel verleiht seinem immer etwas melancholischen Andrej viel Ausdruck und Persönlichkeit. Unter den Frauen in der Besetzung sticht Susanna Bormann als Hanna heraus, die trotz einer Nebenrolle im Gedächtnis bleibt. Peri Baumeister verleiht ihrer Olga Ausdruck, verschwindet aber oft hinter ihrer verträumten Rolle.

Die Bilder von „Russendisko“ zeigen einen Sommer, der romantischer und hoffnungsvoller nicht sein könnte. Im Gegensatz zu dem oft vermittelten negativen und verwahrlosten Eindruck von Ostdeutschland nach der Wende zeigt uns Ziegenbalg ein Ostberlin, das Lebensfreude und Leichtigkeit ausstrahlt. Die Darsteller schlendern durch kleine Gassen mit hübschen Altbauten, Straßen voller Musik und Cafes und selbst der Plattenbau von Marzahn hat in dem Licht einer Spätsommersonne seinen Charme. Doch gerade die positive Ausstrahlung ist es, die den Zuschauer dazu bewegt den Film nicht ganz ernst zu nehmen. „Russendisko“ präsentiert uns ein deutsch-russisches Sommermärchen mit hübschen Bildern, guter Musik und einigen Lachern, aber keinen Höhen und Tiefen. Die Probleme, die das neue Leben der jungen Männer mit sich bringt, lösen sich wie von selbst auf und der Zuschauer hat sich am Ende des Films zwar nicht gelangweilt, er nimmt aber auch keinen Stoff zum Nachdenken mit nach Hause.

Wer den Stil von Wladimir Kaminer mag oder Lust auf ein, wie Produzent Christoph Hahnheiser selbst sagt, „modernes Großstadtmärchen“ hat, der wird den Flair von „Russendisko“ mit Sicherheit genießen.

3,5 von 5 Punkten

Filmfacts

Originaltitel:Russendisko
Regie:Oliver Ziegenbalg
Darsteller:Matthias Schweighöfer, Friedrich Mücke, Christian Friedel
Genre:Komödie
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2011
Verleih:Paramount Pictures
Länge:100 Minuten
FSK:ab 6 Jahren
Offizielle Homepage zum Film:"Russendisko"

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