Film Festival Cologne: Elle

Das französische Plakat zu "Elle" (© 2016 SBS Productions, Twenty Twenty Vision Filmproduktion, France 2 Cinéma & Entre Chien et Loup)

Das französische Plakat zu “Elle” (© 2016 SBS Productions, Twenty Twenty Vision Filmproduktion, France 2 Cinéma & Entre Chien et Loup)

Inhalt: Michèle (Isabelle Huppert, „Dead Man Down “) steht mitten im Leben und leitet gemeinsam mit ihrer besten Freundin Anna (Anne Consigny, „The Returned“) eine erfolgreiche Videospiel-Schmiede. Sie hat nie gelernt, ein Blatt vor den Mund zu nehmen, was ihr privat wie beruflich zwar nur wenige Freunde, dafür um so mehr Beachtung eingebracht hat. Ihr Leben, das aber auch immer noch von einem Ereignis aus der Vergangenheit bestimmt wird, gerät aus den Fugen, als sie in ihren eigenen vier Wänden von einem maskierten Mann brutal überfallen und vergewaltigt wird. Sie hat keine Ambitionen, die Tat bei der Polizei zu melden und begibt sich selber auf die Jagd. So entsteht ein gefährliches Katz- und Mausspiel zwischen ihr und ihrem Peiniger.

Kritik: Schon in den frühen 70er-Jahren wurde der Amsterdamer Filmemacher Paul Verhoeven mit provokanten Werken wie „Türkische Früchte“ bekannt. Diese ebneten seinen Weg nach Hollywood, wo er zum Star aufstieg und zwar nicht immer gute („Showgirls“), aber fast durchweg unvergessliche Filme („Basic Instinct“) drehte. Nachdem sich der inzwischen 77-Jährige in den vergangenen Jahren zurückgezogen hatte, konnte kaum einer mit einer Rückkehr rechnen. Diese liefert er nun mit seinem ersten französischsprachigen Film, der schon bei seiner Premiere für pures Erstaunen sorgte. Das eigentlich aus dem Exploitation-Bereich bekannte Subgenre des Rape & Revenge-Thrillers nutzt Verhoeven für intelligentes, restlos verstörendes und dabei erstaunlich humorvolles Kino. Sein Film hält sich an keine Norm, tabuisiert nicht und geht mit der bedrückenden Thematik unglaublich interessant und unkonventionell um.

Isabelle Huppert als Michèle (© 2016 SBS Productions, Twenty Twenty Vision Filmproduktion, France 2 Cinéma & Entre Chien et Loup)

Isabelle Huppert als Michèle (© 2016 SBS Productions, Twenty Twenty Vision Filmproduktion, France 2 Cinéma & Entre Chien et Loup)

Der springende Punkt ist ein überirdisch guter Auftritt von Isabelle Huppert, die ihre harte, sarkastische Figur mit so viel Leben füllt, dass sich der Film trotz all seiner Besonderheiten immer echt anfühlt. Sie bei den kommenden Oscars zu übergehen, würde einer Unverschämtheit gleichkommen. Auch ansonsten punktet dieser schockierend wendungsreiche Film mit einer Fülle von runden, unterhaltsamen Charakteren. Jonas Bloquet („3 Days to Kill“) als naiver Sohn mit herrischer Freundin (Alice Isaaz, „Der Vater meiner besten Freundin“), Christian Berkel („Codename U.N.C.L.E.“) als etwas zu charmanter Ehemann von Anna oder Laurent Lafitte („Wie in alten Zeiten“) und Virginie Efira als ziemlich religiöse Nachbarn sind da nur ein paar Beispiele. Auf diese Art entwickelt sich ein Film, wie ihn wohl noch niemand gesehen hat.

Psychisch und physisch brutal, glaubwürdig, charmant, bitter und sehr lustig zeigt Paul Verhoeven mit „Elle“ eine Spätwerk, das auch in seiner eindrucksvollen Biographie sicher einen der vorderen Plätze einnimmt.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: MFA Film, Leinwandreporter TV, YouTube

Elle

Originaltitel:Elle
Regie:Paul Verhoeven
Darsteller: Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Christian Berkel, Anne Consigny
Genre:Drama, Thriller
Produktionsland/-jahr:Frankreich, 2016
Verleih:MFA+ Film
Länge: 130 MinutenFSK: ---
Kinostart: 16.02.2017

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 13.10.2016
Film Festival Cologne: Elle

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