Review: Der Vater meiner besten Freundin (Kino)

Das Kino-Plakat von "Der Vater meiner besten Freundin" (© Weltkino)

Das Kino-Plakat von „Der Vater meiner besten Freundin“ (© Weltkino)

Inhalt: Antoine (François Cluzet) und Laurent (Vincent Cassel, „Kind 44“) sind seit ewigen Zeiten die besten Kumpel. Antoines Tochter Louna (Lola Le Lann) und Laurents Tochter Marie (Alice Isaaz) sind ebenfalls beste Freundinnen. So fährt das Quartett gemeinsam nach Korsika, um Urlaub zu machen. Da sich die Mädchen hauptsächlich auf die Partys freuen, werden bald die sehr unterschiedlichen Erziehungsstile der Väter zum Problem. Während Antoine strickte Regeln aufstellt, ist Laurent äußerst entspannt und lässt eine lange Leine, was Louna begeistert und ein größeres Interesse weckt. Nach einer mit viel Alkohol aufgepeppten Party verführt sie ihn schließlich. Am nächsten Tag würde Laurent alles dafür geben, den Ausrutscher ungeschehen zu machen, während Louna schon eine gemeinsame Zukunft plant. Das ungleiche Paar muss sehr vorsichtig sein, da Marie und vor allem Antoine langsam etwas zu erahnen scheinen.

 

Kritik: Dieser als Sommerkomödie vorgestellte Film ist eine Neuauflage von „Aller Anfang macht Spaß“ aus dem Jahr 1977. Doch das Werk des preisgekrönten Regisseurs Jean-François Richet („Public Enemy No. 1“) ist längst nicht so leichtfüßig und amüsant, wie es zunächst scheint. Das Verhältnis des Mittvierzigers Laurent mit der Minderjährigen Louna wird ebenso problematisch dargestellt, wie es sich auf dem Papier anhört. So kommt einiges an Ernsthaftigkeit in den Traumurlaub des doppelten Vater-Tochter-Gespanns. Sehr häufig werden Komödien mit einem gewissen Drama-Anteil aufgewertet, da so die amüsanten Momente unterstrichen werden. Hier macht es eher den Anschein, dass von Szene zu Szene das Genre gewechselt wird, was einen etwas unausgewogenen Eindruck hinterlässt. So nervt Antoine die anderen mit alten Anekdoten und der Angst vor Schädlingen im Garten, während sich Laurent nach seinem Fehltritt mit ganz anderen Problemen herumschlagen muss. An vielen Stellen ist „Der Vater meiner besten Freundin“ nicht lustig genug, um eine Komödie zu sein, aber zu seicht, um wirklich als Drama zu funktionieren.

Laurent wird von Louna unverhohlen angeflirtet (© Weltkino)

Laurent wird von Louna unverhohlen angeflirtet (© Weltkino)

Trotzdem ist dieses Remake bei weitem kein schlechter Film, da zumindest die Verhaltensmuster der Figuren zu jeder Zeit nachvollziehbar sind. Sowohl der strenge Antoine, der in einer Ehekrise steckt, als auch der liberale Laurent haben mit Dämonen zu kämpfen, die hier glaubwürdig zum Vorschein kommen. Die beiden Darsteller gehören natürlich schauspielerisch zum besten, was Frankreich zu bieten hat. François Cluzet hat im Gegensatz zu seiner Gala in „Ziemlich beste Freunde“ hier deutlich mehr Bewegungsfreiheit. Es ist hauptsächlich an ihm, mit Overacting in diesem Film für die amüsanten Momente zu sorgen. Vincent Cassel kann als Mann, der sich durch eine unbedachte Aktion in massive Schwierigkeiten begibt, sein Potenzial nie wirklich ausschöpfen. Interessanter sind aber die Leistungen der jüngeren Hauptdarstellerinnen. Die von Alice Isaaz verkörperte Marie ist die Stimme der Vernunft, die rationaler als ihr Vater und ihre Freundin handelt und dadurch fast am meisten unter der Situation zu leiden hat. Branchen-Neuling Lola Le Lann (Jahrgang 1996) dürften die Zuschauer wohl demnächst häufiger sehen. Als Louna ist sie ebenso verführerisch wie naiv und schafft es optimal, ihre Handlungen ebenso glaubwürdig zu gestalten wie die Reaktionen, die sie von Cassels Laurent provoziert.

Die Mischung, die in diesem Drama-Comedy-Mix gewählt wurde ist alles andere als ideal, weswegen die charmant-spritzige Unterhaltung, die viele erwartet haben dürften, nur in vereinzelten Szenen geliefert wird. Dennoch ist „Der Vater meiner besten Freundin“ nur in Maßen eine Enttäuschung, da er mit talentierten Darstellerinnen und schönen Naturaufnahmen von Korsika für 105 Minuten leichtverdauliche Ablenkung sorgt.

2,5 von 5 Punkten


Quelle: Weltkino, Leinwandreporter TV, YouTube

Der Vater meiner besten Freundin

Originaltitel:Un moment d'égarement
Regie: Jean-François Richet
Schauspieler:Vincent Cassel, François Cluzet, Lola Le Lann
Genre:Komödie
Produktionsland/-jahr:Frankreich, 2014
Kinostart:24.09.2015
Verleih:Weltkino
Länge:105 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 24.09.2015
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