Review: The Visit (Kino)

Das Kino-Plakat von "The Visit" (© Universal Pictures)

Das Kino-Plakat von “The Visit” (© Universal Pictures)

Inhalt: Da die Mutter (Kathryn Hahn, „Crossing Jordan“) sich vor 15 Jahren mit ihren Eltern verkracht hat, haben Becca (Olivia DeJonge) und Tyler (Ed Oxenbould) ihre Großeltern noch nie gesehen. Als sie eine Einladung bekommen, die beiden für eine Woche zu besuchen, sind sie sofort Feuer und Flamme und überreden ihre Mutter, sie fahren zu lassen. Vor Ort entpuppen sich Oma (Deanna Dunagan) und Opa (Peter McRobbie) als nette, etwas verschrobene Personen. Nach einem schönen ersten Tag verwundert der Großvater die Teenies, als er ihnen sagt, dass sie ab 21.30 Uhr in ihrem Zimmer zu bleiben haben. Natürlich nehmen Becca und Tyler diese Vorgabe nicht besonders ernst, müssen aber bald feststellen, dass sie nicht ganz ohne Grund existiert. Immer häufiger hören sie nachts merkwürdige Geräusche im Haus und Oma beginnt, sich immer merkwürdiger zu verhalten. Bald wünschen sich die beiden nur noch, dass die Woche schnell vorbei geht, da die sonderbaren Großeltern zur ernsthaften Bedrohung werden.

 

Kritik: Als M. Night Shyamalan 1999 seinen dritten Film „Sixth Sense“ veröffentlichte, waren Kinogänger und Kritiker gleichermaßen begeistert. Die unheilvolle Atmosphäre, die vielen kleinen Einfälle und vor allem der spektakulären Wendung zum Finale verursachten einen weltweiten Hype und machten den Regisseur über Nacht zum Star. Oscar-Nominierungen für Regie und Drehbuch waren nur folgerichtig. Auch wenn „Unbreakable“ dieses Niveau nicht ganz halten konnte, war es ein Jahr später im Prinzip ein gelungener Nachfolger. Die folgenden beiden Filme „Signs“ und „The Village“ waren dann noch einigermaßen genießbar, wurden aber durch den (Shyamalan-)Twist zum Schluss deutlich beschädigt. Der Weg nach unten setzte sich gnadenlos weiter fort: „Das Mädchen aus dem Wasser“ und „The Happening“ waren pseudo-philosophische, selbstgefällig erzählte Ergüsse aus dem Geist des Filmemachers, die neben unfreiwilliger Komik auch spektakulär schwache Darbietungen eigentlich guter Schauspieler (Mark Wahlberg) beinhalteten.

Ein Besuch bei den Großeltern - was soll da schon schiefgehen ? (© Universal Pictures)

Ein Besuch bei den Großeltern – was soll da schon schiefgehen ? (© Universal Pictures)

Das Prädikat „Unanschaubar“ erreichte er dann in seinen letzten beiden Filmen. „Die Legende von Aang“ war eine Realverfilmung der legendären Comic-Reihe „Avatar“. Doch Shyamalan gelang es nicht nur, durch die Bank weg die Figuren falsch zu besetzen und komplett am Ton der Serie vorbei zu erzählen. Außerdem lieferte er noch miserable Effekte, dümmliche Dialoge, Rassismus und Langeweile. Nicht viel anders sah es bei „After Earth“, einem Star-Vehikel für Will und Jaden Smith, aus. Gelangweilte Schauspieler irren durch eine – jeder Logik ausweichende – postapokalyptische Welt und unterhalten sich in grotesk-militanten Dialogen. Aus dem Vorzeige-Talent Hollywoods war ein Stamm-Kandidat für die „Goldene Himbeere“ gewonnen.

Nach diesen abenteuerlichen Misserfolgen schien der Regisseur verstanden zu haben und fuhr vor allem vom Budget gewaltig zurück. Mit Unterstützung der Horror-Massenproduktion Blumhouse Productions realisierte er seinen ersten Found Footage-Film. Tatsächlich bedeutet dieser Schritt zurück für ihn dann doch eine Weiterentwicklung nach den letzten Fehlschlägen. „The Visit“ ist durchgängig recht unterhaltsam und stellenweise wirklich einfallsreich. Der Film lebt nicht vom Grusel sondern ist viel mehr als unheimliche Komödie angelegt, die dank der „exzentrischen“ Großeltern die meiste Zeit funktioniert. Zwischendurch erlauben sich der Film und Shyamalan einige Böcke in der Logik-Sektion, die das Vergnügen dann doch etwas mindern. Darüber hinaus erstaunt er damit, dass er nach seinen monumentalen Misserfolgen der letzten Jahre immer noch das Selbstbewusstsein besitzt, dem Publikum durch Becca – seinem Alter Ego in „The Visit“ – das richtige Filmemachen zu erklären.

"Würdest du bitte den Ofen von innen reinigen." (© Universal Pictures)

“Würdest du bitte den Ofen von innen reinigen.” (© Universal Pictures)

Schauspielerisch ist hier alles durchaus im Rahmen. Die Kinderdarsteller Olivia DeJonge und Ed Oxenbould sind absolut solide. Dabei sorgt Oxenboulds Tyler nach nervtötendem Beginn (als selbsternannter Freestyle-Rapper) noch für einige wirklich nette Momente. Die Großeltern Deanna Dunagan und Peter McRobbie spielen ihre Figuren schön verschroben, wodurch der Film etwas an Atmosphäre gewinnt. Das etwas überzogene Finale enttäuscht nach dieser zurückhaltenden Geschichte dann aber wieder ein wenig.

Ein Horrorfilm, der nicht wirklich gruselig ist, Logiklöcher, Selbstbeweihräucherung des Machers und ein nicht zufriedenstellendes Finale: Betrachtet man nur diese Aspekte, steht der nächste Flop des Regisseurs fest. Dabei erzählt M. Night Shyamalan mit „The Visit“ eine fies-amüsante Geschichte, die mit ein paar gelungenen Ideen zu ziemlich guter Unterhaltung wird. Auch wenn ein ganzes Stück zu einem durchweg überzeugenden Film fehlt, ist diese solide Horror-Komödie für M. Night Shyamalan ein echter Quantensprung.

3 von 5 Punkten


Quelle: Universal Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

The Visit

Originaltitel:Sundowning
Regie:M. Night Shyamalan
Schauspieler:Olivia DeJonge, Ed Oxenbould, Deanna Dunagan
Genre:Horror, Komödie
Produktionsland/-jahr:USA, 2015
Kinostart:24.09.2015
Verleih:Universal Pictures
Länge:94 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Homepage des Films:Der Internet-Auftritt von The Visit

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 24.09.2015
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