Review: Spotlight (Kino)

Das Teaser-Plakat von "Spotlight" (© Paramount Pictures)

Das Plakat von „Spotlight“ (© Paramount Pictures)

Inhalt: Wenn es beim Boston Globe um investigativen Journalismus geht, sind Walter „Robby“ Robinson (Michael Keaton, „Need for Speed“) und seine Mitarbeiter Michael Rezendes (Mark Ruffalo, „Can A Song Save Your Life?“), Sacha Pfeiffer (Rachel McAdams, „A Most Wanted Man“) und Matt Carroll (Brian D’Arcy James) meistens im Einsatz. Das „Spotlight“-Team heftet sich auch einmal gerne über Monate an die Fersen einer Geschichte. Der neue Chefredakteur Marty Baron (Liev Schreiber) hat für sie einen speziellen Auftrag. Bereits vor einiger Zeit hatte sich die Zeitung mit einem Missbrauchsfall durch einen Priester auseinander gesetzt, die Story aber nicht zu Ende geführt. Jetzt soll „Spotlight“ dem Ganzen auf den Grund gehen. Über den Opfer-Anwalt Mitchell Garabedian (Stanley Tucci, „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“) finden sie bald heraus, dass es sich längst nicht um einen Einzelfall handelt und die Fälle von der Kirche bewusst heruntergespielt und verschwiegen werden. Die Journalisten lassen sich von den zahlreichen Widerständen im zutiefst katholischen Boston nicht beirren, sammeln Beweise und suchen nach Opfern, die bereit sind auszusagen. Dabei ergibt sich erst nach und nach die eigentliche Tragweite des Falles.

 

Kritik: Der Journalismus-Thriller war in den vergangenen Jahren ein nicht unbedingt verbreitetes Feld im internationalen Kino. In der Serien-Landschaft stach nach der Jahrtausendwende vor allem das fünfte Jahr von „The Wire“ hervor, in der sich – höchst sehenswert – mit der Verantwortung der Medien auseinandergesetzt wurde. In einer tragenden Rolle war dort Tom McCarthy zu sehen, der einen Redakteur spielte, für den der Zweck die Mittel heiligt. Neben der Schauspielerei ist das Multi-Talent auch immer wieder als Autor und Regisseur („Cobbler – Der Schuhmagier“) aktiv, musste aber bislang auf den großen Durchbruch warten. Das dürfte sich jetzt ändern, da „Spotlight“ für die meisten Experten den Fahrersitz im diesjährigen Oscar-Rennen inne hat. Nach einem recht anspruchsvollen Start, der vom Publikum einiges an Konzentration erfordert, entwickelt sich schnell der fantastische Film, auf den zu hoffen war.

Das Spotlight-Team bei der Arbeit (© Paramount Pictures)

Das Spotlight-Team bei der Arbeit (© Paramount Pictures)

McCarthy setzt bei der auf einem wahren Fall basierenden Geschichte auf seine Charaktere und waschechten, kompromisslosen Journalismus. Aufgrund eines herausragenden Drehbuchs ist das spannend, fesselnd und stellenweise beklemmend. Mit „Spotlight“ wird der Finger in eine offene Wunde gelegt. Dabei wird der Film zu keiner Sekunde dröge oder belehrend. Viel mehr verlässt sich McCarthy auf die reine Wucht der Thematik ein, die für überraschend kurzweilige 128 Minuten reicht. Zusätzlich gibt es hier den vielleicht besten Ensemble-Film des Jahres zu sehen. Es existiert keine hervorstechende Hauptrolle. Dafür liefern hier gleich mehrere Schauspieler absolut preiswürdige Darstellungen. So kann Michael Keaton als idealistischer, routinierter Team-Leiter sein großes Comeback aus „Birdman“ bestätigen. Mark Ruffalo ist eigentlich für jeden Film eine Verstärkung. Hier gelingt es ihm, seine gewohnt exzellente Leistung mit einem typischen Oscar-Moment zu krönen. Auch die leidenschaftlich agierende Rachel McAdams und Brian D’Arcy James zeigen außergewöhnliche Darbietungen, die nur aufgrund des gewaltigen allgemeinen Niveaus nicht so ins Auge fallen.

Anwalt Mitch liefert Michael unglaubliche Informationen (© Paramount Pictures)

Anwalt Mitch liefert Michael unglaubliche Informationen (© Paramount Pictures)

Der vielleicht erstaunlichste Auftritt ist aber Liev Schreiber, der komplett gegen seinen üblichen „Ray Donovan“-Rollentyp besetzt ist. Als ruhiger, schüchterner, aber dabei zielgerichteter und mit Rückgrat versehener Chefredakteur zeigt er sich von einer ganz anderen, durchaus beeindruckenden Seite. Auch Stanley Tucci reiht sich nach zurückhaltendem Start in den erstaunlich guten Cast ein.

Es kann davon ausgegangen werden, dass in der „Bester Film“-Kategorie wohl kein Weg an „Spotlight“ vorbei führt. Der Film schleicht sich auf leisen Sohlen an und wird dann um so fesselnder. Das tolle Drehbuch erzählt eine bedrückende, relevante Geschichte und verneigt sich dabei noch vor der Wichtigkeit von geradlinigem Journalismus. Das herausragend gespielte Charakterstück ist ein Film, zu dem man in fast allen Belangen nur gratulieren kann.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: Paramount Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

Spotlight

Originaltitel:Spotlight
Regie:Tom McCarthy
Darsteller:Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams, Liev Schreiber, John Slattery
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2015
Verleih:Paramount Pictures
Länge: 128 MinutenFSK: ab 0 Jahren
Kinostart:25.02.2016

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 25.02.2016
Review: Spotlight (Kino)

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