Review: Inside Llewyn Davis (Kino)

Das deutsche Plakat von "Inside Llewyn Davis" (Quelle: StudioCanal)

Das deutsche Plakat von “Inside Llewyn Davis” (Quelle: StudioCanal)

Im Jahr 1961, noch vor dem Erfolg von Bob Dylan und Co., versucht sich der aus Wales stammende Llewyn Davis (Oscar Isaac, „W.E.“) als Folk-Musiker in den Bars von Greenwich Village. Trotz großem Talents schafft er es nicht, Geld zu verdienen. Der Tod eines Band-Kollegen wirft ihn sogar noch weiter zurück. Er driftet mit einer rothaarigen Katze an seiner Seite durchs Leben und schläft immer bei Freunden auf der Couch. Besonders bei seinen Musiker-Freunden Jean (Carey Mulligan, „Der große Gatsby“) und Jim (Justin Timberlake) nächtigt er regelmäßig, bis Jean schwanger wird und sich nicht sicher ist, wer der Vater ist. Um endlich erfolgreich zu sein, träumt Llewyn davon, den Chicagoer Musik-Mogul Bud Grossman (F. Murray Abraham, „Dead Man Down“) von seinen Qualitäten zu überzeugen. Er findet zwei andere Musiker (John Goodman und Garret Hedlund), die Folk zwar verachten, ihn aber dennoch im Wagen mitnehmen. Das ist nur eine Episode auf Llewyns langer Suche nach musikalischer und menschlicher Erfüllung.

2010 schafften Joel und Ethan Coen mit dem Western „True Grit“ ihr wohl erfolgreichstes Mainstream-Werk. Drei Jahre später melden sie sich mit dem Musikfilm „Inside Llewyn Davis“ zurück, den die Zuschauer wohl eher in die künstlerische Sparte einordnen werden. Bei ihrem fiktiven Porträt (basierend auf den Memoiren von Dave Van Ronk) halten sich die Brüder an keine klassische Erzähl-Konvention und lassen den Film, ebenso wie die Hauptfigur, vor sich hintreiben. Bei vielen anderen Werken würde das schief gehen. Auch wenn hier immer wieder Handlungsstränge aufgegriffen und wieder fallen gelassen werden, hat der Film allein schon durch eine tolle Bebilderung und den spektakulär guten Soundtrack von T-Bone Burnett (Oscar für „Crazy Heart“ ) mehr als genug zu bieten. Außerdem bietet das Drama speziell im Zusammenhang mit der Katze, die zu einem wahren Running Gag wird, den so beliebten Coen-typischen Humor.

Oscar Isaac spielt groß auf – den anderen fehlt der Raum

Die Katze ist Llewyns Wegbegleiter (Quelle: StudioCanal)

Die Katze ist Llewyns Wegbegleiter (Quelle: StudioCanal)

Spätestens seit seiner Rolle als Kleinganove Standard im jetzt schon zum Kultfilm aufgestiegenen „Drive“ ist Oscar Isaac vielen Kinogängern auf der ganzen Welt bekannt. Nun konnte er sich in der neuen Produktion der Coens die Hauptrolle sichern, was seine Karriere noch weiter befeuern dürfte, da er eine bärenstarke Vorstellung liefert. Mit seiner charismatischen Darstellung des jungen, etwas desillusionierten Musikers zieht er den Zuschauer schon nach wenigen Minuten auf seine Seite. Dazu beweist er durchaus beachtliches Gesangstalent, da er jeden der Songs im Film selbst eingespielt hat. Von den Nebendarstellern überzeugt vor allem Carey Mulligan, die schon mit Isaac in „Drive“ vor der Kamera gestanden hatte. Als ungewohnt raue, zänkische Jean bietet sie Llewyn in jeder Szene Paroli. Für ihre Figur wäre sogar noch mehr Spielzeit wünschenswert gewesen. Viel Spaß macht auch der uneitle Auftritt von Justin Timberlake, der sich als Vorzeige-Spießer von einer ganz anderen Seite zeigt. John Goodman („Flight“) und Garret Hedlund als gehässiges Jazz-Duo und F. Murray Abraham in der Rolle des sehr direkten, etwas arroganten Musik-Produzenten sind weitere erwähnenswerte Auftritte, die auf der Odyssee von Llewyn Davis zu bewundern sind.

Natürlich ist „Inside Llewyn Davis“ deutlich im Special Interest-Bereich verwurzelt. Aber auch für jene, die mit den musikalischen Entwicklungen der 60er-Jahre nicht so viel anzufangen wissen, wird hier eine sehenswerte Charakterstudie gezeigt. Zum Abschluss des Filmes bekommen die Zuschauer noch einen gelungenen Abschlussgag geboten, der wohl die meisten zufrieden nach Hause gehen lassen dürfte. Vor allem Aufgrund des unstetigen Erzählstiles ist hier zwar kein Meisterwerk zu bewundern. Lohnend und in vielen Belangen Oscar-würdig (Musik, Kamera, Hauptdarsteller) ist der neue Coen-Film aber alle Male.

4 von 5 Punkten


Quelle: StudioCanal, YouTube

Inside Llewyn Davis

Originaltitel:Inside Llewyn Davis
Regie:Joel & Ethan Coen
Darsteller:Oscar Isaac, Carey Mulligan, Justin Timberlake
Genre:Musikdrama
Produktionsland/-jahr:USA, 2013
Verleih:StudioCanal
Länge:105 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:05.12.2013

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 18.11.2013
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