Review: The Last Duel (Kino)

Das Plakat von "The Last Duel" (© Walt Disney Studios)

Das Plakat von “The Last Duel” (© Walt Disney Studios)

Inhalt: Im 14. Jahrhundert sind die Freunde Jean de Carrouges (Matt Damon, „Jason Bourne“) und Jacques Le Gris (Adam Driver, „The Report“) Soldaten im Dienste ihres Königs (Alex Lawther, „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“). Es kommt zum Bruch, als der beim regionalen Fürsten Pierre d’Alençon (Ben Affleck, „The Accountant“) beliebte Jacques die Karriereleiter hochfällt und Jean ein sicher geglaubtes Amt abnimmt. Während des ganzen Prozesses unterstützt Jeans junge, bildschöne Frau Marguerite (Jodie Comer, „Doctor Foster“) ihren Mann nach Kräften. Kurz nachdem Frieden zwischen den verfeindeten Männern gefunden scheint, wendet sich Marguerite verzweifelt an Jean: Jacques hat sie vergewaltigt und sie möchte, dass er der Gerechtigkeit zugeführt wird. Da der Beschuldigte alle Anschuldigungen von sich weist und Fürst Pierre als unabhängige Gerichtsbarkeit ausscheidet, beantragt de Carrouges beim König ein Duell mit seinem Widersacher. Das Ergebnis des Aufeinandertreffens soll über den Wahrheitsgehalt der Klage entscheiden. Sollte er verlieren, landet Marguerite auf dem Scheiterhaufen.

 

Kritik: Die Missbrauchsthematik war in den vergangenen Jahren aus gegebenen Gründen im Kino omnipräsent. „The Last Duel“ geht da zumindest teils einen eigenen Weg. Basierend auf dem Buch „The Book of the Heart“ von Eric Jager aus dem Jahr 2000 hat Star-Regisseur Ridley Scott eine – auf wahren Begebenheiten beruhende – Vergewaltigungsklage aus dem 14. Jahrhundert aufgegriffen und aus den Blickwinkeln von allen drei Protagonisten beleuchtet. So ist ein mit 153 Minuten arg ausuferndes, aber dennoch einnehmendes Drama entstanden. Scott, dessen Filme zuletzt nicht immer seinem Ruf gerecht werden konnten, zeigt sich dabei in guter Form und erzählt ein kühle, erstaunlich rabiate Geschichte, die sich auch wegen der Perspektivwechsel kontinuierlich entwickelt. Auch wenn der naheliegende Vergleich zum Kurosawa-Klassiker „Rashomon“ wohl für kaum einen Film positiv ausgeht: „The Last Duel“ widersteht neben zahlreichen Klischees auch der Verlockung, die Erzählweise für bunte Twists zu nutzen – und damit dem eigentlichen Inhalt zu schaden.

Jean und Jacques bekämpfen sich bis aufs Blut (© Walt Disney Studios)

Jean und Jacques bekämpfen sich bis aufs Blut (© Walt Disney Studios)

Der Film ist sicherlich auf dem Weg zu seinem genüsslich kompromisslosen Schlussakt nicht immer spektakulär, findet aber zwischen damaligem Frauenbild, fragwürdigen medizinischen Erkenntnissen der Zeit und dem klassischen Wunsch nach Vergeltung ein mehr als funktionstüchtiges Maß. Insgesamt liegt der Fokus natürlich auf den Charakteren.

Matt Damon, der bei seiner letzten Zusammenarbeit mit Ridley Scott in „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ eine der besten Leistungen seiner Karriere geboten hatte, spielt hier als egomaner, ungebildeter Möchtegern-Idealist einen bewusst zurückgenommenen, deshalb aber nicht weniger interessanten Part. Adam Driver gibt den charmanten Verführer, der genug Doppeldeutigkeit mitbringt, um seine wahren Beweggründe lange im Dunklen zu lassen. Dabei muss er sich oft die Bühne mit einem skurril blondierten Ben Affleck teilen, der sich als arroganter Lebemann zum echten Showstealer mausert. Der Hauptgrund für das Gelingen von „The Last Duel“ ist ein atemberaubend guter Auftritt von Jodie Comer. In ihrer Rolle (die nicht weiter von ihrem Emmy-Sieg-Part in „Killing Eve“ entfernt sein könnte) trifft sie immer die richtige Entscheidung und sorgt mit kleinen – oft nicht einmal verbalen – Nuancen dafür, dass die Geschichte im Fluss bleibt.

Selbst wenn nicht jeder Handgriff sitzt und ein wenig Straffung durchaus wünschenswert gewesen wäre: Ridley Scott liefert mit „The Last Duell“ stimmungsvoll bebildertes, eindringliches Darstellerkino, das dank einer beeindruckenden Jodie Comer in Award-Regionen vorrücken könnte.

4 von 5 Punkten


Quelle: Filmtoast, Disney, YouTube

The Last Duel

Originaltitel:The Last Duel
Regie:Ridley Scott
Darsteller:Matt Damon, Adam Driver, Jodie Comer
Genre:Historienfilm, Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2021
Verleih:Disney
Länge:153 Minuten
FSK:ab 16 Jahren
Kinostart:14.10.2021

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von 20th Century Studios

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 10.10.2021
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