Review: Sex Education Staffel 1 (Netflix)

Das deutsche Plakat von "Sex Education" (© Netflix)

Das deutsche Plakat von “Sex Education” (© Netflix)

Inhalt: Der 16 Jahre Otis (Asa Butterfield, „Hugo Cabret“) ist ein stiller Teenager, der eigentlich ziemlich gerne in seiner Schule ein anonymes Dasein fristet. Die Freizeit verbringt er mit seinem einzigen Kumpel Eric (Ncuti Gatwa), der wegen seiner Homosexualität regelmäßig gemobbt wird. Eines Tages kommt Otis dann ungewollt zu schulinterner Prominenz, als bekannt wird, dass seine Mutter Jean (Gillian Anderson, „American Gods“) eine gefeierte Autorin und Sexualtherapeutin ist. Während er zunächst das Zentrum des Spotts ist, findet seine rebellische, äußerst clevere Mitschülerin Maeve (Emma Mackey) einen Nutzen an der ganzen Situation. Sie überzeugt Otis, seinen Mitschülern gegen Bezahlung Beziehungsratschläge zu erteilen. Trotz der eigenen Unerfahrenheit feiert der selbsternannte Therapeut mit Buchschläue und Wortgewandtheit schnell Erfolge. Nur einem Patienten konnte Otis bislang nicht helfen: ihm selbst.

Kritik: Die Jahre eines Teenagers und das eigene sexuelle Erwachen können eine schwierige Zeit sein – vor allem, wenn man mit der Thematik ohnehin seine Problemchen hat und dann noch von einer taktlosen, etwas zu weltoffenen Mutter vor den Kopf gestoßen wird. Das bildet die Ausgangslage für diese achtteilige britische Coming-of-Age-Komödie, die die Debütantin Laurie Nunn für Netflix entwickelt hat. Zu Beginn wirkt „Sex Education“ ein wenig zu überzeichnet. Die bewusst etwas stereotyp angelegten Highschool-Charaktere, die rund um Einzelgänger Otis zu sehen sind, haben die zunächst die Tendenz, ein wenig anstrengend zu sein. Mit dem Verlauf wird aber klar, dass die Figuren, die allesamt Mitglieder des „Breakfast Clubs“ sein könnten, dreidimensionale und gut entwickelte Charaktere sind. So bekommen der Schläger, der feminine Homosexuelle, der Sportler, die Rebellin, die Zicke etc. schnell mehr zu tun, als der erste Blicke vermuten ließ.

Die Sextherapie kann beginnen (© Sam Taylor/Netflix)

Die Sextherapie kann beginnen (© Sam Taylor/Netflix)

Es ist wohl ein Klischee, dass man von Briten eine eigenwillig humorvolle und unverkrampfte Herangehensweise an ein solches Thema erwartet. Aber genau diese wird hier gefunden. „Sex Education“ zieht seine teils schrägen Geschichten ziemlich unverblümt und direkt durch, was für einen beständig hohen Unterhaltungswert sorgt. Fast beiläufig gestattet die Serie ihren Figuren aber auch, sehr ernste Probleme bewältigen zu müssen, was dem ganzen Geschehen eine sehr menschliche Erdung gibt. Selbst wenn viele Ausgangsgeschichten bekannten und auch etwas vorhersehbaren Strickmustern folgen, fühlt sich die Serie frisch und originell an. Ein Garant für das Gelingen sind zweifelsohne auch die gut gewählten Darsteller. Gerade Shootingstar Asa Butterfield zeigt hier als ängstlicher und etwas zu schüchterner Otis, der das eigene Potential massiv unterschätzt, weshalb er als großes Talent gilt.

Jean horcht Otis aus (© Sam Taylor/Netflix)

Jean horcht Otis aus (© Sam Taylor/Netflix)

Die Newcomerin Emma Mackey ist als punkig-coole Außenseiterin Maeve vielleicht die Entdeckung dieser Serie. Mit rotzigem Charme, aber auch mit dem nötigen Teil an Verletzlichkeit, entwickelt Mackey ein starken Charakter und trägt mit Butterfield die Serie. Gillian Anderson darf sich als sexuell etwas zu aufgeschlossene Jean, die die Grenzen der Privatsphäre ihres Sohnes immer gekonnt ignoriert, von ihrer urkomischen Seite zeigen. Sie harmoniert prächtig mit Mikael Persbrandt („The Salvation“), der Jean als charismatischer Handwerker Jakob den Kopf verdreht. Der von Ncuti Gatwa verkörperte Eric erscheint in der Anfangsphase ziemlich nervig, wandelt sich aber im Verlauf zu einem wirklich berührenden Part. Auch Entscheidungen, wie aus dem von Kedar Williams-Stirling („Wolfblood – Verwandlung bei Vollmond“) gespielten Jackson – dem Leistungssportler und Love Interest von Maeve – einen wirklich netten und runden Charakter zu machen, sprechen für die Qualitäten der Drehbücher von „Sex Education“. Weitere unverbrauchte Gesichter wie Aimee Lou Wood, Tanya Reynolds und Connor Swindells sorgen für noch mehr Vielseitigkeit in der Serie.

Obwohl der Zuschauer die meiste Zeit wissen dürfte, auf was die Geschichten hinauslaufen, ist „Sex Education Staffel 1“ die erste angenehme Überraschung des Serienjahres. Mit konsequenten und cleveren Einfällen, spielfreudigen Darstellern und einer Menge Charme sollte diese Coming-of-Age-Komödie mit erwachsenem Zielpublikum für viele ein verlässlicher „Binge Watching“-Kandidat sein.

4 von 5 Punkten

Die erste Staffel der Serie ist ab dem 11.01.2019 im Programm von Netflix zu sehen.


Quelle: Netflix,YouTube

Sex Education Staffel 1

Originaltitel:Sex Education Season 1
Showrunner:Laurie Nunn
Darsteller:Asa Butterfield, Gillian Anderson, Ncuti Gatwa, Emma Mackey
Genre:Serie, Komödie/Drama
Produktionsland/-jahr:UK, 2018
Verleih:Netflix
Länge:8 x 50 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Netflix

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 12.01.2019
Review: Sex Education Staffel 1 (Netflix)

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