Review: Rocketman (Kino)

Das Plakat von “Rocketman” (© Paramount Pictures)

Inhalt: Als Kind der dauerhaft zerstrittenen Egozentriker Sheila (Bryce Dallas Howard, „Jurassic World“) und Stanley (Steven Mackintosh, „Luther“) hatte es Reginald Dwight (Taron Egerton, „Eddie the Eagle – Alles ist möglich“) nicht leicht. Schon früh findet er mit der Flucht in die Musik seine große Liebe und Berufung. Nach ersten Erfolgen lernt er den Songschreiber Bernie Taupin (Jamie Bell, „Film Stars Don’t Die In Liverpool“) kennen, der zu seinem besten Freund und künstlerischen Partner wird. Da ihre Musik bald populär wird, gibt sich Reginald den eingängigen Bühnennamen Elton John. In blitzartiger Geschwindigkeit geht es für den einstmals schüchternen Jungen in den Rock-Olymp. Millionenfache Plattenverkäufe, exzentrische Kostüme und die private sowie berufliche Beziehung zu Musik-Manager John Reid (Richard Madden, „Bodyguard“) sind eine faszinierende Mischung, die Reginald bald zu Kopf steigt. Mit immer mehr Drogen und Alkohol kompensiert er den Druck, der vom Leben als Weltstar ausgeht. So bewegt er sich nach seinem steilen Aufstieg immer mehr in Richtung des Bodens.

Kritik: Es ist erst wenige Monate her, dass das Queen-/Mercury-Biopic „Bohemian Rhapsody“ zum absoluten Publikumsliebling avancierte und vier (nicht komplett unumstrittene) Oscars mit nach Hause nahm. Nach den Kontroversen um den eigentliche Regisseur Bryan Singer hatte der Engländer Dexter Fletcher die Inszenierung des Filmes zu einem erfolgreichen Ende geführt. Dabei hielten sich aber einige Stimmen, die dem Film eine – durch die Beteiligung der verbliebenen Queen-Musiker sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisende – arg unkritische Darstellung seiner Hauptfiguren vorwarfen. Fletcher hatte nun von Anfang an die Möglichkeit, die Geschichte von Elton John auf die Leinwand zu bringen. Herausgekommen ist ein Werk, das (trotz der Produzenten-Mitwirkung der Hauptfigur) höhere Höhen und tiefere Tiefen hat.

Der Aufstieg vom schüchternen Reginald zu einem der größten Stars unserer Zeit ist extrem unterhaltsames, einfallsreich gestaltetes und emotional nachvollziehbares Kino, das den Film zu einer der besten Biografien der letzten Zeit macht. Selbst wenn der folgende Absturz des Protagonisten etwas gewöhnlicher ausfällt, ist die stellenweise ziemlich raue und ungeschönte Herangehensweise an „Rocketman“ durchaus bemerkenswert. Das Herz des Filmes sind aber die Musical-Nummern. Während vergleichbare Produktionen die Dramaturgie während der Songs pausieren, sind die (weltbekannten) Lieder von Elton John hier perfekt in die Handlung eingebunden. Auch die Inszenierung dieser Sequenzen, die die Extravaganz des Künstlers einfängt, ohne dabei einen Funken Kitsch zu versprühen, verdient Respekt.

Elton und Bernie lernen die Branche kennen (© Paramount Pictures)

Die Besetzung von Taron Egerton in der Hauptrolle entpuppt sich nicht nur optisch als Volltreffer. Schauspielerisch entwickelt er eine vielschichtige, jederzeit menschliche Version des Musikers. Bei den musikalischen Parts, die von Egerton selbst eingesungen und am Piano eingespielt wurden, beeindruckt der Shootingstar. Dazu ist die Chemie zwischen ihm und Jamie Bell, der einen ebenfalls exzellenten Auftritt als Bernie Taupin hat, in jeder Szene greifbar. Richard Madden kann in der Rolle des Managers John Reid, der in „Bohemian Rhapsody“ von Maddens ehemaligem „Game of Thrones“-Kollegen Aidan Gillen verkörpert und in beiden Filmen nicht sonderlich sympathisch charakterisiert wurde, überzeugen. Einzig die etwas überdreht agierende (und im Original mit einem erkennbar künstlichen Akzent sprechende) Bryce Dallas Howard fällt als Mutter des Titelhelden etwas ab. Neben dem wunderbar hassenswert aufspielenden Steven Mackintosh wird der Cast noch durch britische Qualitätsschauspieler wie Stephen Graham („Die Macht des Bösen – The Man With The Iron Heart“) und Ophelia Lovibond („Hooten & the Lady“) ergänzt.

„Rocketman“ ist ein Film, der selbst funktionieren sollte, wenn sich der Zuschauer nur begrenzt für Elton John oder Musicals begeistern kann. Die einfallsreiche und immer aufrichtige Geschichte eines Mannes, der die komplette Klaviatur des im Titel implizierten Aufstiegs und Falls durchmacht, sieht fantastisch aus, erlaubt sich keinerlei Durchhänger und ist sehr gut gespielt. Es ist zu hoffen, dass der Hunger der Kinogänger nach Musiker-Biopics noch nicht gestillt ist – dieser Film hat jede Beachtung verdient.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: Paramount Pictures, LeinwandreporterTV, YouTube

Rocketman

Originaltitel:Rocketman
Regie:Dexter Fletcher
Beteiligte:Taron Egerton, Jamie Bell, Richard Madden, Bryce Dallas Howard
Genre:Drama, Biografie, Musical
Produktionsland/-jahr:USA, 2018
Verleih:Paramount Pictures Germany
Länge:121 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:30.05.2019

Mehr Informationen findet ihr auf der Facebook-Seite des Films

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 26.05.2019
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