Review: Midsommar (Kino)

Das Hauptplakat von "Midsommar" (© Weltkino)

Das Hauptplakat von “Midsommar” (© Weltkino)

Inhalt: In der Beziehung von Dani (Florence Pugh, „Fighting With My Family“) und Christian (Jack Reynor, „Free Fire“) kriselt es schon länger gewaltig. Als sie ein Trauma erlebt, entschließen sich beide, der Beziehung noch eine Chance zugeben. Die Einladung ihres schwedischen Freundes Pelle (Vilhelm Blomgren), der in seinem Heimatdorf an einer neuntägigen Feier zu Ehren der Sommersonnenwende teilnehmen will, scheint da genau die richtige Realitätsflucht. Gemeinsam mit Christians Kumpels Josh (William Jackson Harper, „Paterson“) und Mark (Will Poulter, „Detroit“) machen sie sich auf den Weg ins schwedische Hinterland. Reine, unberührte Natur, Tänze und fröhliches Beisammensein sind aber nur ein Teil der Festlichkeit. Bald starten bizarre Rituale und Zeremonien, die Dani und Christian vor die beängstigende Erkenntnis stellen: Könnte der erhoffte Neustart ein sehr endgültiger Abschluss sein?

Kritik: Es ist ein gutes Jahr vergangen, seitdem Drehbuchautor und Regisseur Ari Aster mit seinem Langfilmdebüt, dem Horror-Drama „Hereditary – Das Vermächtnis“, für eine der großen Kino-Überraschungen 2018 sorgte. Obwohl sich die tragische Familien-Geschichte manchmal zu sehr in Kleinigkeiten verstrickte und ein paar Abbiegungen zu viel nahm, blieb der Film wegen seiner fiesen Atmosphäre, den starken Darstellern und der eigenwilligen Optik bei den meisten Zuschauern im Gedächtnis. Deshalb waren nicht nur Genre-Fans gespannt, wie Asters zweites Werk funktioniert. Die beeindruckende Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Nach einer düsteren Startsequenz, die unter die Haut geht, verschlägt es Protagonisten und Handlung in die zauberhaften schwedischen Landschaften.

Da kommt es zu einer Erkenntnis, die nach dem bitterernsten Erstling des Regisseurs durchaus überrascht: „Midsommar“ ist ausgesprochen witzig. Wenn die Touristen den Genuss natürlicher Drogen zelebrieren oder über die – gelinde gesagt – exzentrisch anmutenden Dorfbewohner lästern, macht dieser Film aufrichtig Spaß. Mit einer extrem graphischen Szene sorgt Aster aber alsbald dafür, dass den Zuschauern das Lachen im Hals stecken bleibt. Fortan zeigt der Regisseur einen ebenso unkonventionellen wie effektiven Horrortrip, der sich tief in die Eingeweide frisst. Mit einem brillanten Soundtrack, großartigem Auge für starke Bilder, einem Gespür für Skurriles, Unangenehmes und weiterhin eingesprenkeltem Humor entwickelt sich „Midsommar“ zu einem Erlebnis, das trotz ausufernder Spielzeit keine Minute zu lang ist.

Noch freuen sich die Touristen auf einen entspannten Urlaub (©Gabor Kotschy/A24)

Noch freuen sich die Touristen auf einen entspannten Urlaub (©Gabor Kotschy/A24)

Im Mittelpunkt des Geschehens steht die Britin Florence Pugh, die zu den größten Talenten ihrer Altersklasse zählt. Als etwas labile Dani, die ein schreckliches Erlebnis verarbeiten möchte, dann aber mit der Albtraum-Welt im schwedischen Hinterland umgehen muss, zeigt sie einen unglaublich vielseitigen und komplexen Auftritt, der sicherlich zu den besten Darstellerleistungen des Jahres zählt. An ihrer Seite bekommt Jack Reynor als etwas egozentrischer, überforderter Freund Christian weniger Raum zum Glänzen, spielt aber einen ebenfalls überzeugenden Part. Debütant Vilhelm Blomgren gibt als Pelle ein starkes Bindeglied zwischen Touristen und Dorfbewohnern. William Jackson Harper als ehrgeiziger Josh und Will Poulter als zynischer Mark komplettieren die Reisegruppe. Auch bei den Dorfbewohnern punktet der Film mit einem durchgängig gelungenen Casting.

So arbeitet sich der Film durch eine Handlung, in der irgendwann selbst Blumengirlanden und Volkstänze dem Publikum einen Schauer über den Rücken jagen werden (von der vielleicht bizarrsten Sexszene der jüngeren Filmgeschichte ganz zu schweigen). Nach seinem gefeierten Erstlingswerk macht Ari Aster mit dem handwerklich grandiosen, originellen, faszinierenden und zutiefst verstörenden Sekten-Horror „Midsommar“ noch einmal einen klaren Schritt nach vorne. Einzig Mitarbeiter der schwedischen Tourismusbranche sollten um diese atmosphärische Grusel-Achterbahn, die komplett abseits des Jumpscare-Einerleis verläuft, einen großen Bogen machen.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: Weltkino, LeinwandreporterTV, YouTube

Midsommar

Originaltitel:Midsommar
Regie:Ari Aster
Sprecher:Florence Pugh, Jack Reynor, Will Poulter
Genre:Horror
Produktionsland/-jahr:USA, 2019
Verleih:Weltkino
Länge:143 Minuten
FSK:ab 16 Jahren
Kinostart:26.09.2019

Mehr Informationen findet ihr auf der -Seite von Weltkino

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 25.09.2019
Review: Midsommar (Kino)

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