Review: American Animals (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "American Animals" (© Ascot Elite)

Das Blu-ray-Cover von “American Animals” (© Ascot Elite)

Inhalt: Der stille Kunststudent Spencer Reinhard (Barry Keoghan, „The Killing Of A Sacred Deer“) und sein draufgängerischer Warren Lipka (Evan Peters, „X-Men – Apocalypse“) sind absolute Durchschnittstypen aus soliden familiären Verhältnissen. Dennoch sind sie vom Leben gelangweilt, als ihnen im Jahr 2003 eine äußerst verwegene Idee kommt: Sie wollen die Universitäts-Bibliothek ausrauben, die mit „The Birds Of America“ von John James Audubon eines der wertvollsten Bücher des Landes beheimatet. Was als fixe Idee beginnt, wird bald immer ernster. Sie holen ihre Bekannten Eric Borsuk (Jared Abrahamson) und Chas Allen (Blake Jenner, „Everybody Wants Some !!“) mit ins Boot und bereiten sich vor. Auf dem Papier müssen sie nur an der ungefährlichen Bibliothekarin Betty Jean Gooch (Ann Dowd, „Hereditary – Das Vermächtnis“) vorbei, das Buch einstecken und wieder raus aus dem Laden. Doch am Tag des Coups läuft alles anders als geplant.

Kritik: Nach ein paar eher kleinen, unauffälligen TV-Arbeiten gelang Autor und Regisseur Bart Layton mit der ausgesprochen cleveren (und unbedingt sehenswerten) Dokumentation „Der Blender – The Imposter“ 2012 ein großartiges Kinodebüt. Sechs Jahre nach diesem vielfach preisgekrönten Einstand hat er 2018 seinen ersten Kino-Spielfilm nachgelegt. Hier zeichnet er abermals einen realen Kriminalfall nach und mischt Interviewsequenzen mit den Beteiligten des Falls mit Spielfilmszenen, in denen die Zuschauer die nachgestellten Ereignisse verfolgen können. Was schnell zu einer bemühten und eher drögen Angelegenheit werden könnte, nutzt Layton für einen originellen, spannenden und teils ziemlich bösen Heist-Film. Dieser Film brachte ihm schon so viel Anerkennung ein, dass er nach dem Aus von Danny Boyle als realistischer Kandidat für den nächsten Bond-Film gehandelt wurde.

Noch sind Spencer und Warren in der Planungsphase (© Ascot Elite)

Noch sind Spencer und Warren in der Planungsphase (© Ascot Elite)

Trotz regelmäßiger Wechsel von Ton, Tempo und sogar von Dokumentation und Thriller, verfügt „American Animals“ über einen erstaunlich funktionstüchtigen roten Faden. Selbst wenn ein paar Kleinigkeiten nicht so sehr überzeugen können, greifen hier fast alle Rädchen ineinander. Zwischen jugendlicher Naivität, Langeweile und Tarantino-Zitaten zeigt sich, wie sich eine dermaßen kuriose Situation glaubwürdig entwickeln kann und in einem wirklich beklemmenden Szenario gipfelt. Selbst Spielereien wie Erzählstränge, in denen sich die Ausführungen von Beteiligten widersprechen, gehen im Gesamtkonzept auf.

In einem Film, in dem die realen Personen zu Wort kommen, war die Besetzung natürlich ein ganz zentraler Aspekt. Hierbei ist es noch nicht einmal so wichtig gewesen, dass wirklich eine beeindruckende Ähnlichkeit vorliegt. Viel mehr sollten sie als glaubwürdige Version der Interviewgäste 15 Jahre früher einen stimmigen Auftritt hinlegen. Diese Herangehensweise geht komplett auf. Gerade Barry Keoghan, der eine Art Shootingstar für sonderbare Figuren ist, liefert als schüchterner Kunststudent Spencer einen starken Part. Aber auch der wandelbare Evan Peters ist als großmäuliger Warren gewohnt überzeugend. Jared Abrahamson als Kopfmensch Eric und Blake Jenner als verwöhnter Fitnessfreak Chas komplettieren die Crew, die sich immer mehr ins Chaos stürzt. Ann Dowd als bemitleidenswerte Bibliothekarin und Udo Kier („Brawl In Cell Block 99“) als zielbewusster Hehler sind auch noch im Film zu sehen.

Wenn bei „American Animals“ am Ende eines fesselnden Schlussakts die Fäden zusammenlaufen, werden ein paar Zuschauer wohl schlucken müssen. Was lange Zeit harmloser, temporeicher und kurzweiliger Spaß war, wird ziemlich ernst und bitter. Doch gerade deswegen ist die Geschichte um dieses Quartett so erzählenswert. So gelingt Bart Layton auch als Spielfilm-Regisseur eine smarte und sehr angenehme Überraschung, weswegen davon ausgegangen werden kann, dass hier eine große Karriere erst am Anfang steht.

Geht der ausgeklügelte Plan auf? (© Ascot Elite)

Geht der ausgeklügelte Plan auf? (© Ascot Elite)

Der Film ist ab dem 18.01.2019 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

4 von 5 Punkten

 

Bild: Optisch ist „American Animals“ auch recht gut gelungen. Trotz spärlicher Beleuchtung sind die Aufnahmen meistens relativ scharf und detailreich. Die Palette bleibt bewusst trist, wirkt aber meistens natürlich. Kontraste und Schwarzwert sind absolut solide ausgefallen. Bis auf ein leichtes Rauschen waren keine nennenswerten Unsauberkeiten zu entdecken.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische DTS-HD MA 5.1-Ton sind überraschend abwechslungsreich. Die Dialoge sind klar priorisiert und immer gut zu verstehen. Hintergrundgeräusche und Score sorgen regelmäßig für Aktivität auf räumlicher Ebene. Dabei ist die Abmischung ziemlich dynamisch.

4 von 5 Punkten

Extras: Fünf Werbe-Featurettes (insgesamt 5 Minuten), ein Interview mit Bart Layton (9 Minuten), ein Interview mit Evan Peters und Blake Jenner (12 Minuten) sowie ein paar Trailer sind als Bonus auf der Blu-ray zu finden.

2 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: Ascot Elite, YouTube

American Animals

Originaltitel:American Animals
Regie:Bart Layton
Darsteller:Ann Dowd, Barry Keoghan, Blake Jenner, Evan Peters, Jared Abrahamson
Genre:Thriller, Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2018
Verleih:Ascot Elite
Länge:116 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Ascot Elite

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 18.01.2019
Review: American Animals (Blu-ray)

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