Review: Steig.nicht.aus! (Kino)

Das Hauptplakat von "Steig.nicht.aus!" (© NFP)

Das Hauptplakat von “Steig.nicht.aus!” (© NFP)

Inhalt: Um seine Frau Simone (Christiane Paul, „Ostfriesenkiller“) zum Hochzeitstag zu überraschen und der kriselnden Ehe neuen Auftrieb zu geben, kommt der erfolgreiche Bauunternehmer Karl (Wotan Wilke Möhring, „Winnetou – Der Mythos lebt“) früher von einer Geschäftsreise zurück. Da aber schon der nächste berufliche Termin dazwischen funkt, möchte er zumindest die gemeinsamen Kinder Josefine (Emily Kusche) und Marius (Carlo Thoma) zur Schule fahren. Doch auch das Vorhaben funktioniert nicht wie geplant.

Karl bekommt einen Anruf, bei dem ein fremder Mann behauptet, eine Bombe im Auto versteckt zu haben. Sobald eine Person aufsteht, explodiert der Sprengsatz. Einzig die Überweisung einer absurd hohen Geldsumme kann die Erpressung beenden. So rast Karl über die Straßen von Berlin und versucht, mit Hilfe seiner Frau und seinen Arbeitskollegen die Geldsumme aufzutreiben. Als die misstrauische Simone die Polizei ruft und das Team von Oberkommissar Fritz Drache (Aleksandar Jovanovic, „Collide“) und Sprengstoffexpertin Pia Zach (Hannah Herzsprung, „WHO AM I – Kein System ist sicher“) das explosive Auto einkreist, spitzt sich die Situation immer mehr zu.

Kritik: Mit seinem 2005er-Psychothriller „Antikörper“ bugsierte sich Regisseur Christian Alvart in Rampenlicht. Auch wenn sein Sprung nach Hollywood mit den prominent besetzten, aber bestenfalls passablen Genre-Filmen „Fall 39“ und „Pandorum“ nur von durchwachsenem Erfolg gekrönt war, lief seine Laufbahn hier unbeschadet fort. Als (vornehmlich Schweiger-)„Tatort“-Macher, Produzent von ambitionierten, kleinen Filmen (z.B. zuletzt „S.U.M. 1“) und weiterhin Regisseur von Kinofilmen war Alvart zuletzt vielbeschäftigt. Die anstehende Netflix-Serie „Dogs of Berlin“, die komplett von ihm inszeniert wird, ist da nur ein weiterer Bestandteil in einem vollen Terminplan. Fast beiläufig hat er hier auch noch ein Remake des spanischen Action-Thrillers „Anrufer unbekannt“ gedreht.

Nach einem eher dümmlichen Einstieg gelingt es ihm relativ schnell, das einfache Szenario zu etablieren. Temporeich und ohne großen Verschnitt schickt er seine Protagonisten durch die Straßen der Berliner Innenstadt. Hier hätten höchstens die Stimmrechte von Gesellschaftern, mit denen sich das Publikum wegen der schwierigen Geldbeschaffung auseinander setzen muss, durch ein etwas fluffigeres Thema ersetzt werden können. Die etwas holprige Logik kann noch verziehen werden, wenn sie mehr als gleichwertig durch Unterhaltungswert ersetzt wird. Spätestens wenn die Polizei in das Szenario eingreift, hat sich aber jegliche Logik aus dem Film verabschiedet. Wer das Vorgehen dieses Sonderkommandos beobachtet, wird wohl panisch hoffen, bei seinem nächsten Berlin-Aufenthalt nicht auf die Polizei angewiesen zu sein.

Karl muss irgendwie die Nerven behalten (© 2018 Iris Janke/NFP marketing & distribution*)

Karl muss irgendwie die Nerven behalten (© 2018 Iris Janke/NFP marketing & distribution*)

Die geballte Inkompetenz, die hier auf das Publikum einprasselt, sorgt zumindest für beständige Lacher. Doch während Scharfschützen halb Berlin ins Visier nehmen und andere Polizisten mit Pfefferspray an fahrende Autos springen, scheint sich das Konzept eines Personalausweises noch nicht bis zu diesem Team herumgesprochen haben. Im Gegenzug entwickelt sich eine im Schlussakt plump eingebundene, soziale Botschaft zum Ärgernis. Auch die Besetzung kann nicht durchweg ihre Qualitäten ausspielen. Wotan Wilke Möhring gehört zweifelsohne zu den großen Namen im aktuellen deutschen Kino. Die Tagesform, die er hier zeigt, ist aber auf erstaunlich schwachem Level. Gerade wenn aufrichtig emotionale Momente geboten sind, chargiert er hier mehr, als dem Geschehen etwas Tiefe zu geben. Wesentlich besser macht es da seine Filmtochter Emily Kusche, die nach der überraschenden Perle „Tigermilch“ erneut beweist, dass sie eine große Karriere vor sich hat. Der junge Carlo Thoma macht einen soliden Job, bekommt aber weit weniger zu tun.

Hannah Herzsprung, deren Sprengstoffexpertin Pia mehr eine Gefahr für sich selbst als für andere Leute ist, spielt die dennoch wohl beste Erwachsenenrolle. Ihre Figur ist genau so stoisch und empathisch, wie es eine solche Situation erfordert. Undankbarer ist da die Rolle von Aleksandar Jovanovic, dessen Figur so viel Blödsinn zu verantworten hat, dass er gar nicht dagegen anspielen kann. Weitere bekannte Darsteller wie Christiane Paul, Fahri Yardim („Jugend ohne Gott“) und Mavie Hörbiger („Lommbock“) halten sich zumeist im Hintergrund des Geschehens auf.

Christian Alvart greift mit seinem neuen Film „Steig.Nicht.Aus!“ bekannte Werke von „Speed“ bis „Nicht auflegen“ auf. Nachdem es zunächst den Eindruck macht, als ob das Geschehen die erhoffte, leichtverdauliche Kurzweil wird, kratzt der Film in der zweiten Hälfte manchmal an der Selbstparodie. Trotz vieler überdurchschnittlich talentierter Beteiligter reicht es so am Ende zu einem Werk, das zwar nie langweilig wird, aber dennoch die eigenen Ansprüche nur bedingt erfüllen kann.

2,5 von 5 Punkten


Quelle: NFP, Leinwandreporter TV, YouTube

Steig.Nicht.Aus!

Originaltitel:Steig.Nicht.Aus!
Regie:Christian Alvart
Darsteller:Wotan Wilke Möhring, Christiane Paul, Hannah Herzsprung, Fahri Yardim, Emily Kusche
Genre:Action, Thriller
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2018
Verleih:NFP marketing & distribution*
Länge:109 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:12.04.2018

Mehr Informationen findet ihr auf der Homepage des Filmes

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Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 12.04.2018
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