Review: Nur ein kleiner Gefallen (Kino)

Das Hauptplakat von "Nur ein kleiner Gefallen" (© StudioCanal)

Das Hauptplakat von “Nur ein kleiner Gefallen” (© StudioCanal)

Inhalt: Schon in jungen Jahren muss sich Stephanie (Anna Kendrick, „The Accountant“) als Witwe und alleinerziehende Mutter ihres Sohnes Miles (Joshua Satine) durchschlagen. Das erledigt sie mit derart viel Ehrgeiz, Hilfsbereitschaft und Leidenschaft, dass die anderen Eltern in ihrer Gegenwart ein schlechtes Gewissen bekommen. Nebenbei veröffentlicht Stephanie noch regelmäßig einen Vlog, in dem sie Leute an neuen Rezepten und Basteltipps teilhaben lässt. In der Schule lernt sie dann die andere Mutter Emily (Blake Lively, „All I See Is You“) kennen, die der genaue Gegenentwurf von ihr ist: Die taffe Karrierefrau mit losem Mundwerk und einer Vorliebe für starke Martinis hat so gar nichts mit einem treusorgenden Elternteil gemeinsam. Zur Überraschung aller werden die beiden enge Freunde. Als dann Emily Stephanie eines Tages bittet, ihren Sohn Nicky (Ian Ho) nach der Schule mit nach Hause zu nehmen, erscheint das zunächst wie ein gewöhnlicher Gefallen unter Freunden. Doch Emily kommt nie dazu, ihr Kind wieder abzuholen. Nachdem die Polizei informiert wurde, hilft Stephanie Emilys Mann Sean (Henry Golding) mit der Versorgung des Kindes. Dabei kommt die alleinerziehende Mutter dem besorgten Strohwitwer bald näher. Doch dann wirft ein Leichenfund ein komplett neues Licht auf die Situation.

Kritik: Paul Feig ist als Regisseur hauptsächlich für seine Comedy-Arbeiten bekannt. Nach Jahren, in denen er Episoden von Serien wie „The Office“ inszeniert hat, gelang ihm mit „Brautalarm“ – der Oscar-Nominierungen für das Drehbuch und Nebendarstellerin Melissa McCarthy einstreichen konnte – 2011 der große Durchbruch. In den Folgejahren versuchte er regelmäßig, gemeinsam mit Hauptdarstellerin McCarthy den Erfolg zu wiederholen, doch „Taffe Mädels“, „Spy“ und zuletzt der umstrittene „Ghostbusters“ erhielten bestenfalls mittelprächtige Rückmeldungen. Nun hat er erstmals eine andere Richtung eingeschlagen. Basierend auf einem Roman von Darcey Bell inszeniert er eine Geschichte, die auf den ersten Blick Ähnlichkeiten mit dem Megahit „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ hat. Schnell wird aber klar, dass der Film eine deutlich augenzwinkernde Richtung einschlägt. Schon die herrlich überzogene Einführung von Emily, die durch den Regen zur Schule marschiert, lässt hier tief blicken.

Stephanie und Emily könnten kaum unterschiedlicher sein (© StudioCanal/Peter Iovino)

Stephanie und Emily könnten kaum unterschiedlicher sein (© StudioCanal/Peter Iovino)

Die Sequenzen, in denen sich die gegensätzlichen Frauen anfreunden, sind kurzweilig, amüsant und lassen Emily vor ihrem Verschwinden etwas mysteriös erscheinen. So funktioniert das Rätsel um ihre Person danach besser. Die zahlreichen Wendungen, die folgen, sollen nicht besonders clever oder überraschend sein. Viel mehr soll mit Tempo, satirisch überspitzten Klischees und allerhand Albernheiten der Unterhaltungswert hoch gehalten werden, was grandios gelingt. Mit Blick auf den Voyeurismus in den sozialen Medien bekommt „Nur ein kleiner Gefallen“ sogar einen (leichten) sozialkritischen Einschlag.

Das größte Pfund des Films sind aber die Hauptdarstellerinnen. Als etwas nerdige Vollzeitmutter und Bloggerin spielt Anna Kendrick natürlich eine echte Paraderolle. Sie gibt ihrem Charakter aber so viel Herz und Humor, dass die Figur eine abwechslungsreiche, äußerst sympathische Protagonistin wird. Sie wird aber noch von Blake Lively übertroffen, die einen der besten Parts ihrer bisherigen Laufbahn spielt. Als rätselhafte Karrierefrau und Hobby-Trinkerin ist sie an Coolness kaum zu übertreffen. Ihre Szenen strotzen nur so vor Stilbewusstsein und Charisma, was für einen der spaßigsten Auftritte des bisherigen Kinojahres sorgt. Shootingstar Henry Golding, der gerade erst mit „Crazy Rich Asians“ einen großen Erfolg landen konnte, liefert hier als überforderter Ex-Autor und Ehemann von Emily einen brauchbaren Auftritt. Von den Nebendarstellern bleibt vor allem Rupert Friend im Gedächtnis, der in ungewohnter Rolle als überkandidelter Modedesigner zu sehen ist.

Paul Feig ist mit „Nur ein kleiner Gefallen“ ein sehr gelungener Ausflug in den Bereich der Krimi-Komödie gelungen. Der nicht sonderlich tiefgreifende, dafür äußerst unterhaltsame und sehr gut gespielte Film entpuppt sich insgesamt als äußerst angenehme Überraschung.

4 von 5 Punkten


Quelle: StudioCanal, LeinwandreporterTV, YouTube

Nur ein kleiner Gefallen

Originaltitel:A Simple Favor
Regie:Paul Feig
Darsteller:Anna Kendrick, Blake Lively, Henry Golding
Genre:Krimi, Thriller, Komödie
Produktionsland/-jahr:USA, 2018
Verleih:StudioCanal
Länge:117 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:08.11.2018

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von StudioCanal

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 06.11.2018
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