Review: Gotti (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Gotti" (© KSM Film)

Das Blu-ray-Cover von “Gotti” (© KSM Film)

Inhalt: Schon in den 1970er-Jahren setzt John Gotti (John Travolta, „Lovesong für Bobby Long“) den Grundstein für eine Karriere in der New Yorker Mafia. 1986 gehört er zu den beliebtesten Mitgliedern der ganzen Vereinigung, als er sich durch den Mord an seinem Paten an die Spitze der Familie setzt. In der Öffentlichkeit hat Gotti viele Fans, da er trotz all der Brutalität für Ordnung auf den Straßen sorgt. Die Staatsanwaltschaft scheitert immer wieder, ihn zu überführen. Doch auch er ist nicht unbesiegbar…

In den frühen 2000ern versucht sein ältester Sohn John A. (Spencer Rocco Lofranco, „Unbroken“), der in seine Fußstapfen getreten ist, mit seinem Vater ein Gespräch über Kompromisse zu führen. Das widerspricht aber allen Prinzipien, die Gotti in seinem von Verbrechen gesäumten Leben so weit gebracht haben.

Kritik: Auch wenn man über das Privatleben von John Travolta sicherlich streiten kann, hat er in mittlerweile 40 Jahren vor der Kamera massive Spuren im Kino hinterlassen und wurde immerhin zwei Mal für einen Darsteller-Oscar (für „Saturday Night Fever“ und Pulp Fiction“) nominiert. 2016 zeigte er als schmieriger Anwalt in „American Crime Story“ seine beste Leistung seit Jahren und verdiente sich eine Golden-Globe-Nominierung. Dieser Erfolg dürfte auch einer der Gründe gewesen sein, weswegen viele Zuschauer mit Spannung auf das Biopic des berühmt-berüchtigten Mafia-Paten John Gotti (1940-2002) warteten, das seit langem als Traum-Projekt von Travolta galt. Unter der Regie von – dem mehr wegen seiner Schauspielerei („Entourage“) bekannten – Kevin Connolly wurde das Projekt umgesetzt. In den USA entwickelte sich der Film zum vielleicht größten Kritiker-Prügelknaben des Jahres. So hat er nach 48 Bewertungen auf der einschlägigen Plattform Rotten Tomatoes immer noch ernüchternde 0%.

Gotti verdient sich seine Sporen (© KSM Film)

Gotti verdient sich seine Sporen (© KSM Film)

Wer jetzt ein filmisches Desaster erwartet, wird dieses aber eher nicht finden. Es entwickelt sich ein solide inszenierter und gespielter Mafia-Thriller, der mit einer etwas besseren Erzählstruktur durchaus brauchbar gewesen wäre. In manchen Einzelszenen liefert „Gotti“ sogar ansatzweise die atmosphärische Kost, auf die John Travolta gehofft haben dürfte. Das große Problem ist das überfüllte Skript. Hier besteht das Gefühl, dass die Macher unbedingt jede Geschichte, die im Wikipedia-Artikel zu John Gotti zu finden war, in die Handlung nehmen wollten. Dabei wird aber nicht der Kontext (und sei es nur per Text-Einblendung) geliefert, um sich im sprunghaften Geschehen zurecht zu finden. Bei einer Ausgangssituation, die ohnehin regelmäßig zwischen zwei Zeitebenen springt, wird die Situation unübersichtlich. Die ersten drei Minuten, die mit Sequenzen aus drei Jahrzehnten, einer direkten Ansprache von Gotti/Travolta ans Publikum und einer „Schweigen der Lämmer“-Referenz aufwarten können, geben da einen guten Ausblick.

Wer sich darauf einlassen kann, statt einem zusammenhängenden Film eine Ansammlung einzelner Momente zu sehen, wird sich zumindest nie langweilen. Als knallharter, aber charismatischer Gangsterboss kann John Travolta zumindest manchmal andeuten, weswegen er so großes Interesse an der Rolle hatte. An seiner Seite ist meistens Spencer Rocco Lofranco als Sohn des Gangsterbosses zu sehen, der aber ziemlich blass bleibt. Dafür sorgen Charakterköpfe wie Pruitt Taylor Vince („Monster“) und Stacy Keach („Puls“) dafür, dass der Film keine One-Man-Show wird.

Obwohl „Gotti“ viel zu unstrukturiert und überladen ist, um zu einem gelungenen Film werden zu können, sind die regelrechten Hasstiraden, denen sich das Machwerk ausgesetzt sah, doch ziemlich übertrieben. Am Ende bleibt ein unausgewogener, aber nie zäher Film, der trotz all seiner Probleme mit ordentlichen Darstellern und netten Einzelmomenten halbwegs brauchbare Unterhaltung für Fans des Subgenres liefert.

Auch im höheren Alter muss Gotti Gefängnisse von innen ertragen (© KSM Film)

Auch im höheren Alter muss Gotti Gefängnisse von innen ertragen (© KSM Film)

Der Film ist ab dem 06.12.2018 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

2,5 von 5 Punkten

 

Bild: Obwohl der Film zu guten Teilen in schlecht beleuchteten Umgebungen stattfindet, sind Schärfe und Detaildarstellung überraschend gut ausgefallen. Die Farbpalette ist natürlich nicht sonderlich strahlend, wirkt aber beständig und relativ natürlich. Kontraste und Schwarzwert sind ebenfalls stabil. Große Unsauberkeiten waren abseits einer gelegentlichen Körnung in den Filmszenen nicht zu sehen. Echte Aufnahmen von Gotti in Zwischenschnitten fallen qualitativ ab.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische DTS-HD MA 5.1-Ton spielen sich zu großen Teilen im Frontbereich ab. Die Dialoge sind aber immer deutlich verständlich und klingen natürlich. In dem zentralen Gespräch zwischen Vater und Sohn Gotti werden sogar gelegentlich die äußeren Boxen mit eingebunden. Auch die Hintergrundgeräusche auf der Straße und die Musik sorgen für etwas räumliche Aktivität. Bei abgefeuerten Schüssen ist die Abmischung schön kräftig.

4 von 5 Punkten

Extras: Ein Making of (11 Minuten), eine Bildergalerie und eine Reihe von Trailern komplettieren die Blu-ray.

2 von 5 Punkten

Gesamt: 3 von 5 Punkten


Quelle: KSM Film, LeinwandreporterTV, YouTube

Gotti

Originaltitel:Gotti
Regie:Kevin Connolly
Darsteller:John Travolta, Spencer Rocco Lofranco, Kelly Preston, Stacy Keach, Ashley Cusato, Pruitt Taylor Vince
Genre:Thriller, Biografie
Produktionsland/-jahr:USA, 2018
Verleih:KSM Film
Länge:109 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von KSM Film

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 03.12.2018
Review: Gotti (Blu-ray)

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