Review: Una und Ray (Kino)

 

Das Hauptplakat von "Una und Ray" (© Weltkino)

Das Hauptplakat von “Una und Ray” (© Weltkino)

Inhalt: Ray (Ben Mendelsohn, „Dirty Trip – Missisippi Grind“) wirkt ziemlich entgeistert, als die deutlich jüngere Una (Rooney Mara, „Carol“) bei ihm im Büro auftaucht. Die beiden hatten vor 15 Jahren eine Affäre gehabt. Da Una erst 13 Jahre alt war, musste Ray daraufhin für 4 Jahre ins Gefängnis. Inzwischen ist es ihm gelungen, mit seiner Ehefrau (Natasha Little, „Thirteen – Ein gestohlenes Leben“) ein neues Leben aufzubauen und auch in seiner Firma eine gute Stellung zu erarbeiten. Während er die Vergangenheit gut verarbeitet hat, konnte Una immer noch nicht mit den Ereignissen abschließen. Zwischen den beiden entsteht eine leidenschaftliche Diskussion, in der sie erstmals offen über die gemeinsame Zeit sprechen. Doch besteht überhaupt die Chance, nach einer solchen Offenbarung einfach in den Alltag zurückzukehren?

Kritik: Das Theaterstück „Blackbird“ des Schotten David Harrower wurde zu einem provokativen Hit, der seit mehr als zehn Jahren die Bühnen der Welt bevölkert. Der Autor höchstselbst schrieb jetzt auch das Drehbuch für die filmische Adaption, die von Regie-Neuling Benedict Andrews inszeniert wurde. Herausgekommen ist ein beklemmendes Dialogfeuerwerk, das mit atmosphärischer Dichte beeindruckt. Unverkrampft und ziemlich realistisch taucht die Geschichte in eine Welt ein, die als so eine Art lose Fortsetzung von „Lolita“ gesehen werden kann. Ohne Worte begleitet der Film zu Beginn Una bei einem Party-Abend voller Alkohol und unpersönlichem Toiletten-Sex. Es wird schnell offensichtlich, wie prägend die Kindheitserlebnisse mit dem 25 Jahre älteren Mann für sie waren. Una ist eine ruhige, eher scheue Person, die merklich Respekt davor hat, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Ray hat Schwierigkeiten, Verantwortung für sein Handeln von damals zu übernehmen.

Una stellt Ray nach Jahren zur Rede (© Weltkino)

Una stellt Ray nach Jahren zur Rede (© Weltkino)

So entwickelt sich mit einer Mischung aus Rückblenden und Gesprächen ein Film, der fesselnder als so mancher Thriller ist. Mutig, aber nie belehrend, nähert man sich so einer komplexen Thematik an. Ein Grund, weshalb „Una und Ray“ so gut funktioniert, sind zwei faszinierend starke Hauptdarsteller. Rooney Mara spielt eine fragile, instabile Una, die ihr Leben in den Griff bekommen möchte. Ben Mendelsohn spielt einen Mann, der sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, als Monster gesehen zu werden. Beide liefern kraftvolle, intelligente und emotional aufrichtige Darbietungen, die sicherlich zu den besten des Jahres gehören. Neben den beiden bekommt höchstens noch der aktuell omnipräsente Riz Ahmed („Rogue One – A Star Wars Story“) als Kollege von Ray, der zwischen die Fronten der beiden gerät, etwas zu tun.

Im Gegensatz zu vergleichbaren Produktionen versteht sich „Una und Ray“ auch darauf, das Geschehen nicht zu sehr auszuwalzen. Die Macher sind sich sehr wohl darüber bewusst, dass ein reiner Dialogfilm auf die Dauer anstrengend sein kann. Hier wird in knackigen 94 Minuten eine Geschichte erzählt, die dem Zuschauer nicht jedes Handlungshäppchen vorkaut und zeitgleich gar keinen Raum für Längen lässt. So geht „Una und Ray“ mit Anspruch, emotionaler Intelligenz und herausragenden Darstellerleistungen unter die Haut und ist am Ende vor allem eines: sehr gutes Kino.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: Weltkino, Leinwandreporter TV, YouTube

Una und Ray

Originaltitel:Una
Regie:Benedict Andrews
Darsteller:Rooney Mara, Ben Mendelsohn, Riz Ahmed
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:UK, 2016
Verleih:Weltkino
Länge: 94 MinutenFSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 30.03.2017
Facebook-SeiteUna und Ray

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 30.03.2017
Review: Una und Ray (Kino)

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