Review: Thirteen – Ein gestohlenes Leben (DVD)

Das DVD-Cover von "Thirteen - Ein gestohlenes Leben" (© Polyband)

Das DVD-Cover von “Thirteen – Ein gestohlenes Leben” (© Polyband)

Inhalt: Vor dreizehn Jahren war Ivy, die Tochter von Christina (Natasha Little, „Enemies – Welcome to the Punch“) und Angus Moxam (Stuart Graham, „Dame, König, As, Spion“), spurlos verschwunden. Auf einmal taucht eine Frau Mitte 20 (Jodie Comer, „Lady Chatterleys Liebhaber“) bei der Polizei auf, die behauptet, Ivy Moxam und nach Jahren der Gefangenschaft vor ihrem Entführer geflohen zu sein. Tatsächlich stellt sich heraus, dass sie die Wahrheit sagt. Überglücklich nehmen ihre Eltern und ihre kleine Schwester Emma (Katherine Rose Morley) die Nachricht auf und versuchen, dem komplett entfremdeten Familienmitglied einen möglichst leichten Wiedereinstieg ins Leben zu bescheren. Währenddessen soll Ivy den Ermittlern Elliott (Richard Rankin) und Lisa (Valene Kane, „Rogue One – A Star Wars Story“) helfen, den Entführer zu schnappen. Doch die verstörte junge Frau ist alles andere als redselig und verstrickt sich immer mehr in Widersprüche. Die Situation spitzt sich dramatisch zu, als der Kidnapper auf der Flucht wieder ein junges Mädchen als Geisel nimmt. Was möchte Ivy vor ihrer Umwelt verbergen?

Kritik: Im vergangenen Jahr entstand diese Mini-Serie aus der Feder von Marnie Dickens. Das fünfteilige Crime-Drama wirft einen Blick auf eine Entführungsgeschichte und lässt dabei den Entführer selbst fast gänzlich außen vor. Dadurch entsteht eine spannende Charakterstudie, die sich selbst hinter dem – vom Ton her durchaus ähnlichen – Mega-Hit „Broadchurch nicht wirklich verstecken muss. Im kargen Bristol entsteht eine kühle Atmosphäre, in der sich die tragische Geschichte zu einem hoch brisanten Rätsel entwickelt. Eine große Stärke sind die menschlich nachvollziehbaren Charaktere, denen auch Fehler und Schwierigkeiten im Umgang mit der Situation zugestanden werden. So wird dem Zuschauer ein viel besserer Zugang zu der Serie gestattet, die sich vor allem in den ersten vier von fünf Episoden sehr gut entfaltet. In Richtung des Finales wollten die Macher ein wenig mehr Action bieten, was vom Unterhaltungswert her auf jeden Fall funktioniert, aber die bis dahin so starke Glaubwürdigkeit ein wenig untergräbt.

Lisa und Elliott haben einiges mit Ivy zu klären (© Polyband)

Lisa und Elliott haben einiges mit Ivy zu klären (© Polyband)

Hauptdarstellerin Jodie Comer entpuppt sich als große Entdeckung von „Thirteen“. Die 23-Jährige schafft es mit einer extrem mutigen Performance, zwischen Manipulation ihrer Umwelt und Rückfall in die Realität eines unvorstellbaren Traumas, diese äußerst komplexe Figur nahbar und glaubhaft zu spielen. So ist es auch ihrer intensiven Vorstellung zu verdanken, dass die recht langsam erzählte Geschichte zu jeder Zeit packend bleibt. Sie ist das Herz und Zentrum der Mini-Serie, hat aber auch eine ganze Reihe von überzeugenden Darstellern an der Seite. So gefallen auch Valene Kane und Richard Rankin als ungleiches Ermittler-Duo. Während Kanes Lisa schnell vermutet, dass etwas mit Ivy nicht stimmt, ist Rankins Elliott fasziniert von der ungewöhnlichen Frau. Beide harmonieren prächtig und gehen merklich über die durchschnittlichen Ermittler-Duos hinaus. Auch Katherine Rose Morley, Stuart Graham und Natasha Little gefallen als Familie von Ivy, die sich erst einmal an die neuen Lebensumstände gewöhnen muss.

Es gibt manchmal kleine TV-Perlen, die einen unverhofft treffen und so schnell nicht mehr los lassen. Die Entführungsgeschichte „Thirteen – Ein gestohlenes Leben“ ist trotz kleinerer Schwächen sicherlich ein solcher Fall. Rund um die fantastische Jodie Comer entwickelt sich hier ein düsterer, psychologisch tiefgründiger Thriller, der einen starken neuen Blick auf eine sicherlich nicht unbekannte Thematik wirft.

Ivy schwelgt mit Jugendfreund Tim in Erinnerungen (© Polyband)

Ivy schwelgt mit Jugendfreund Tim in Erinnerungen (© Polyband)

Die Box ist ab dem 27.01.2017 auf DVD erhältlich.

4 von 5 Punkten

 

Bild: Passend zum Grundton der Geschichte wird die Serie auch optisch ziemlich trist und blass präsentiert. Schärfe und Detaildarstellung sind bestenfalls mittelmäßig und die Bilder sind stellenweise schon sehr weich gezeichnet. Die Farben sind meist in kühlen Tönen gehalten und stark entsättigt. Kontraste und Schwarzwert hätten merklich kräftiger sein können. Dazu gibt es in den dunklen Sequenzen ein stellenweise starkes Bildrauschen. Insgesamt sicherlich keine technisch optimale, aber eine angemessen atmosphärische Bildpräsentation.

3 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische Dolby Digital 5.1-Ton werden auch keine Schönheitspreise gewinnen. Die Dialoge sind immer klar priorisiert und gut verständlich. Allgemein spielt sich fast alles im Zentrum ab. Aktivität auf den äußeren Boxen gibt es allenfalls, wenn der Score zum Einsatz kommt. Die musikalischen Beiträge sind im Vergleich zum Rest der Abmischung aber so wuchtig ausgefallen, dass der Zuschauer hier und da die Lautstärke nachjustieren muss.

3 von 5 Punkten

Extras: Die Behind the Scenes-Featurettes „Wer ist Ivy Moxam?“ (5 Minuten) und „Thirteen – Ein Einblick“ (6 Minuten) komplettieren die Box.

2 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: BBC, YouTube

Thirteen - Ein gestohlenes Leben

Originaltitel:Thirteen
Showrunner:Marnie Dickens
Darsteller:Jodie Comer, Natasha Little, Stuart Graham
Genre:Mini-Serie, Drama
Produktionsland/-jahr:UK, 2016
Verleih:Polyband
Länge:5 x 52 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 30.01.2017
Review: Volt (Kino)

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