Review: Iron Fist – Episode 1-6

Das Plakat von "Iron Fist" (© Netflix)

Das Plakat von „Iron Fist“ (© Netflix)

Inhalt: Nach einem Flugzeugabsturz, bei dem seine Eltern verstorben sind, war Danny Rand vor 15 Jahren spurlos verschwunden. Nun ist Danny (Finn Jones) wieder in New York. Er kommt zurück zum Pharma-Unternehmen Rand Enterprises, bei dem sein Vater Hauptanteilseigner war und das seitdem von Harold Meachum (David Wenham, „300 – Rise of an Empire“) und seinen Kindern Joy (Jessica Stroup) und Ward (Tom Pelphrey) geführt wurde. Die können zunächst nicht glauben, dass der etwas verwahrloste Mittzwanziger auf einmal der wichtigste Mann in ihrem Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmen sein soll. Auch die Geschichte, wie sein Leben seit dem Flugzeugabsturz verlaufen sein soll, klingt unglaublich: Er wurde von Mönchen im Himalaya aufgenommen und hat in jahrelangem Training eine uralte Technik gelernt, die „Iron Fist“ genannt wird. Trotz seines sichtbaren Talents für Kampfsport glaubt nicht einmal die Kung Fu-Lehrerin Colleen (Jessica Henwick, „Star Wars – Das Erwachen der Macht“), die Danny aus einer Notsituation rettet, an seine Identität und Geschichte. Nur langsam findet der Heimkehrer zurück ins normale Leben. Als dann eine Geheimorganisation mit dem Namen „Die Hand“ auftaucht, Rand Enterprises infiltriert und New York ins Chaos stürzen will, ist Danny mit seinen besonderen Fähigkeiten gefordert.

Kritik: Im Kino produzieren die Marvel Studios rund um die „Avengers“-Helden Hit um Hit. Aber auch auf dem kleinen Bildschirm ist Marvel in Kooperation mit Netflix äußerst aktiv. Mit „Daredevil“, „Jessica Jones“ und zuletzt „Luke Cage“ sind aus dieser Zusammenarbeit schon durchaus erfolgreiche Serien entstanden. Die vierte Serie aus dem „Defenders“-Universum ist jetzt „Iron Fist“. Bereits in den 70er-Jahren erschienen die ersten Comics rund um den Kung Fu-Superhelden. Die von Scott Buck („Dexter“) produzierte Adaption bekam schon früh den ersten Gegenwind zu spüren: Obwohl der Charakter Danny Rand schon in der Vorlage ein weißer Amerikaner war, wünschten sich viele im Rahmen der „Diversity“-Debatte rund um Hollywood, dass der Titelheld ein Asiat wird. Dieser Wunsch ist sicherlich weniger nachvollziehbar, wie die Entscheidung, eben doch diesbezüglich nah an der Vorlage zu bleiben.

Nicht jeder ist über die Rückkehr von Danny Rand glücklich (© Netflix)

Nicht jeder ist über die Rückkehr von Danny Rand glücklich (© Netflix)

Hier liegt auch sicherlich nicht das zentrale Problem von „Iron Fist“. Nach einem vielversprechenden Piloten, in dem Danny nach Hause kommt und ziemlich unsanft wieder verjagt werden soll, hat es zunächst nicht den Eindruck, dass die Macher wirklich wissen, wo sie mit der Geschichte hin möchten. Vor allem die Episoden-Laufzeit, die öfters an der 60 Minuten-Marke kratzt, erscheint für dieses Format deutlich zu lang. So werden große Teile der Episoden 2-4 mit Inhalten gefüllt, die nur bedingt das Herz der Comic-Fans hüpfen lassen werden: Geschäftsmeetings, (sich wiederholende) Rückblenden und halbgare Familienstreitigkeiten. Hier dürften die Zuschauer jeden Moment genießen, wenn sich die Charaktere in ordentlich choreographierten Kämpfen befinden. Erst ab Folge 5 scheinen sich langsam wirkliche Gegner für den Helden herauszukristallisieren, was dem Unterhaltungswert etwas Aufschwung gibt.

 

Es gibt ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern aus der Marvel-Welt (© Netflix)

Es gibt ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern aus der Marvel-Welt (© Netflix)

Bei den Figuren gibt es keine wirklich heraus stechende Persönlichkeit. Dafür wechseln ein paar Personen schon innerhalb der ersten sechs Episoden (zum eben benötigten Handlungsverlauf) Charaktereigenschaften aus, was dann doch ein wenig gegen die Drehbücher spricht. Als jahrelanger Nebendarsteller bei „Game of Thrones“ zeigt Finn Jones – trotz seiner kritisch gesehenen Besetzung – dass er eine solche Serie tragen kann. Sein Danny ist eben nicht der strahlende Held, sondern schafft es, recht unscheinbar seinen Gegnern Paroli zu bieten. Der interessanteste Sidekick ist die von Jessica Henwick gespielte Colleen, die trotz jungem Alter die Lehren ihres Sports verbreiten möchte. Obwohl sie äußerst zierlich erscheint, zweifelt man nie, dass Henwick tatsächlich deutlich größere Männer versohlen könnte. Die Figuren von Jessica Stroup und Tom Pephrey wirken in dieser frühen Phase noch ziemlich eindimensional. Auch von David Wenham, dessen Charakter zumindest mysteriös wirkt, könnte in der Zukunft noch mehr kommen. Allerdings ist schon offensichtlich, dass ein charismatischer Bösewicht vom Schlage eines Vincent D’Onofrio oder David Tennant fehlt. Als kleiner Spaß treten Charaktere aus anderen Marvel-Serien wie Rosario Dawson („The Captive – Spurlos verschwunden“) als Krankenschwester Claire und Carrie-Ann Moss („Vegas“) als Anwältin Jeri hier ebenfalls auf.

Die teils heftige Kritik, die „Iron Fist“ im Vorfeld einstecken musste, erscheint nach den ersten sechs Episoden ein wenig übertrieben. Dennoch ist die Serie weit von herausragend entfernt. Sehr viel Leerlauf, kaum interessante Figuren, ein (noch) fehlender richtiger Antagonist und durchaus erkennbare Drehbuchschwächen stehen hier den durchaus coolen Sequenzen und stylischen Kämpfen entgegen. Obwohl die Produktion mindestens durchschnittlich ist, bleibt doch noch viel Luft nach oben, wenn Marvel und Netflix hier den nächsten Hit landen wollen.

Die erste Staffel der Serie ist ab dem 17.03.2017 im Programm von Netflix zu sehen.

3 von 5 Punkten


Quelle: Netflix, YouTube

Marvel's Iron Fist - Episode 1-6

Originaltitel:Iron Fist - Episode 1-6
Entwickler:Scott Buck
Darsteller:Finn Jones, Jessica Henwick, Jessica Stroup
Genre:Action-Abenteuer-Serie
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:Netflix
Länge:6 x 50 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 16.03.2017
Review: Iron Fist – Episode 1-6

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