Review: Sully (Kino)

Das Hauptplakat von "Sully" (© Warner Bros Pictures)

Das Hauptplakat von „Sully“ (© Warner Bros Pictures)

Inhalt: Seit mehr als 40 Jahren ist Chesley „Sully“ Sullenberger (Tom Hanks, „Inferno“) schon in der Luft unterwegs. Doch am 15.01.2009 kommt er dann in eine Situation, die sein ganzes Leben verändern. Gerade hat er mit seiner Passagier-Maschine den New Yorker Boden verlassen und versucht Flughöhe zu erreichen, als ein riesiger Vogelschwarm in die Turbinen gezogen wird und beide Antriebe zerstört. Sully und seinem Co-Pilot Jeff Skiles (Aaron Eckhart, „London has fallen“) bleiben nur wenige Momente, um die Situation einzuschätzen. Sie sind sich sicher, keinen Flughafen erreichen zu können und versuchen deshalb, in einem äußerst gewagten Manöver die Maschine auf dem Hudson River zu landen. Tatsächlich gelingt das Kunststück und alle 155 Passagiere überleben das Horror-Szenario. Dennoch wird eine Untersuchung gegen Sully und Skiles eingeleitet. Flugsimulationen belegen, dass eine Rückkehr zum LaGuardia-Flughafen wohl möglich gewesen wäre. Außerdem deuten Daten darauf hin, dass ein Triebwerk noch funktioniert hat. Ist Sullenberger ein Held, oder hat er durch eine Fehleinschätzung das Leben der 155 Menschen überhaupt erst in Gefahr gebracht?

Kritik: Es gibt wenige Aktive, die eine derartig weitreichende Biographie in Hollywood haben, wie es bei dem mittlerweile 86 Jahre alten Clint Eastwood der Fall ist. Seit den 50er-Jahren ist er nun schon vor und hinter der Kamera aktiv und konnte je zwei Mal den Regie- und den „Best Picture“-Oscar mit nach Hause nehmen. Nachdem er zuletzt hauptsächlich mit unbedachten Aussagen und enthusiastischer Unterstützung für Donald Trump auf sich aufmerksam gemacht hat, drehte er nach (dem politisch durchaus fragwürdigen) „American Sniper“ jetzt wieder ein Biopic. Hierbei macht er sich keine einfache Aufgabe, da er eine Geschichte erzählt, die um die Welt ging und für viele noch äußerst präsent sein dürfte. Außerdem bestand auch noch die Schwierigkeit, drei Minuten zentrale Geschichte auf Spielfilmlänge zu bringen. Ein Routinier wie Clint Eastwood findet unspektakulär aber souverän angemessene Antworten.

Sully und Jeff in ihrem Element (© Warner Bros Pictures)

Sully und Jeff in ihrem Element (© Warner Bros Pictures)

So wird der Absturz gleich aus mehreren Winkeln beleuchtet. Auf der einen Seite stehen die Piloten, die dieses Husarenstück vollbracht haben. Auf der anderen Seite agieren die Ermittler, die so viele Zweifel an der Richtigkeit der Entscheidung von Sully streuen, dass dieser selbst sich bald nicht mehr vertraut. Gerade hier entsteht der Hauptspannungspunkt, da auch der Zuschauer sich den Fragen nicht entziehen kann: Weshalb sprechen alle Simulationen gegen die Piloten, wenn scheinbar keine andere Lösung möglich war? Beiläufig führt der Film noch ein paar Passagiere ein, die dem Film eine menschliche Ebene geben sollen. In vielen verschiedenen Ebenen schlüsselt das – mit 96 Minuten angenehm kurze – Biopic immer mehr auf, was wirklich geschehen ist. Allerdings geht Eastwood hier derart kleinteilig zu Sache, dass der Film trotz der kurzen Spielzeit schon ein wenig repetitiv wirkt. Tom Hanks erweist sich in der Rolle des außergewöhnlichen, sehr erfahrenen Piloten als gute Wahl. Mit stoischer Ruhe und Coolness, aber auch merklich emotionaler Zerrissenheit trägt er den Film.

Mit „Magnum“-Gedenk-Schnauzer und trockenem Humor sorgt Aaron Eckhart für die amüsanten Momente im Film. Die anderen Darsteller halten sich da deutlich im Hintergrund. Laura Linney („Das Leben des David Gale“) teilt sich als Ehefrau von Sully nur am Telefon die Leinwand mit Hanks. Mike O’Malley ist als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses so eine Art Antagonist im Film. Weitere Schauspieler wie Anna Gunn („Breaking Bad), Michael Rapaport („True Romance“), Jerry Ferrara („Entourage“), Chris Bauer („Elementary“), Jeff Kober („Unterwegs mit Mum“) und Autumn Reeser beschränken sich auf mehr oder weniger große Gastrollen.

Auch im hohen Alter kann Clint Eastwood noch gute Filme drehen. Zwar ist das konventionelle Biopic „Sully“ weit von seinen besten Werken entfernt. Dennoch gelingt es ihm, aus einer nicht sonderlich ergiebigen Thematik einen spannenden und durchaus cleveren Film zu drehen, der nicht perfekt, aber absolut überzeugend ist.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: Warner Bros Pictures Germany, YouTube

Sully

Originaltitel:Sully
Regie:Clint Eastwood
Darsteller:Tom Hanks, Aaron Eckhart, Laura Linney
Genre:Drama, Biographie
Produktionsland/-jahr:USA, 2016
Verleih:Warner Bros Pictures
Länge: 96 MinutenFSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 01.12.2016

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 27.11.2016
Review: Sully (Kino)

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