Review: Regression (Kino)

Das Kino-Plakat von "Regression"

Das Kino-Plakat von “Regression” (© Tobis Film)

Inhalt: Kleinstadt-Polizist Bruce Kenner (Ethan Hawke, „Good Kill“) kennt große Fälle eigentlich nur aus dem Fernsehen, als sich John Gray (David Dencik, „Schändung – Die Fasanentöter“) der Polizei stellt, da er angeblich seine 17 Jahre alte Tochter Angela (Emma Watson, „Noah“) misshandelt haben soll. Wegen großer Erinnerungslücken kann er die schrecklichen Vorwürfe seines Kindes nicht sicher bestätigen. Der Psychologe Professor Raines (David Thewlis, „Die Entdeckung der Unendlichkeit“) soll mit einer Hypnose die fehlenden Erinnerungen an die Oberfläche befördern. Mittels der Aussagen von Angela und dem hypnotisierten John ergeben sich Anzeichen, dass ein satanischer Kult in der Umgegend sein Unwesen treibt und die Familie Gray persönlich verwickelt ist. Bruce verbeißt sich immer mehr in den Fall und versucht mit aller Macht, die junge Frau vor den Einflüssen der Teufelsanbeter zu schützen. Es dauert aber nicht lange, bis er selbst von schrecklichen Albträumen heimgesucht wird und sich nicht mehr sicher ist, ob es eine natürliche Erklärung für die Geschehnisse gibt.

Kritik: Mit visuell starken, oft düsteren Filmen hat sich Alejandro Amenábar zu einer der größten Regie-Hoffnungen Südamerikas entwickelt. Nach seinem harten Debütfilm „Faszination des Grauens“ und dem kurz darauf folgenden „Abre los ojos“ (Vorlage zu „Vanilla Sky“) gelang ihm relativ schnell der Sprung nach Hollywood. Mit „The Others“ (2001) schuf er direkt seinen wohl bis heute in der breiten Masse bekanntesten Film. Seitdem führte er nur noch bei dem wunderbaren Oscar-Gewinner „Das Meer in mir“ (2004) und dem eher inhaltsarmen „Agora“ (2009) Regie. Somit ist dieser Horror-Thriller, für den Amenábar wie üblich auch das Drehbuch verfasst hat, ein seltenes Ereignis. Obwohl er das filmische Rad nicht gerade neu erfindet, wirkt „Regression“ im Vergleich zu Fließband-Produktionen von „Ouija“ über „The Lazarus Effect“ bis zu „The Gallows“ wie eine angenehme frische (und Jumpscare-freie) Brise.

Detective Kenner stößt bald an seine Grenzen (© Tobis Film)

Detective Kenner stößt bald an seine Grenzen (© Tobis Film)

Amenábars Gespür für finstere Bilder würde hier schon genügen, um die benötigte Atmosphäre zu kreieren. Zwischen kühl-regnerischer Depression und White Trash-Romantik schleichen sich schon bald Aufnahmen, die nicht nur die Protagonisten beunruhigen. Dazu führt er das Publikum geschickt in einen filmischen Irrgarten. Wer sagt hier die Wahrheit? Was ist tatsächlich passiert? Warum greift eine scheinbar verbreitete Gedächtnislücke um sich? „Regression“ fordert die Zuschauer sicherlich mehr als viele andere Genre-Filme. Allerdings dürften einige Aufmerksame schon bald eine Theorie haben. Die eindrucksvollen Bilder der Satanisten, die bei Albträumen und Zwischenblenden vielleicht ein wenig zu oft eingesetzt werden, erinnern an das Kino der 60er- und 70er-Jahre (im Speziellen an „Rosemarys Baby“). Gerade so wird die Panik und das Unbehagen, das rund um Detective Bruce Kenner entsteht, spürbar transportiert.

Was ist mit Angela geschehen? (© Tobis Film)

Was ist mit Angela geschehen? (© Tobis Film)

Ethan Hawke entpuppt sich daneben als ideale Besetzung in der Rolle des ehrgeizigen Polizisten, der an die Grenzen des Vorstellbaren stößt. Seine Reise bis zu einem Punkt, wo weder er noch der Zuschauer sicher sind, inwieweit er den anderen und auch der eigenen Wahrnehmung noch trauen kann, gehört zu den großen Stärken des Filmes. An seiner Seite gelingt es Emma Watson, sich immer weiter von „Hermine Granger“ zu entfernen. Sie schafft es als im Rahmen des Satanskults geschändete junge Frau, Mitgefühl zu erzeugen und daneben auch die Faszination, die sie auf Bruce ausübt, nachvollziehbar zu gestalten. Der gute David Thewlis übernimmt als pragmatischer Psychologe Raines die dritte tragende Rolle und füllt seinen Part gewohnt überzeugend. Dazu kommen intelligent gewählte Nebendarsteller wie David Dencik als verwirrter Vater von Angela, Dale Dickey („Wie ein weißer Vogel im Schneesturm“) als gebeutelte Großmutter der Familie und Lothaire Bluteau als zwielichtiger Priester.

Trotz kleiner Schwächen ist die Rückkehr von Alejandro Amenábar mit „Regression“ allein schon geglückt, da der Film im Gegensatz zu oben genannten Grusel-Produktionen seine Zuschauer ernst nimmt. Hier wird eine jederzeit spannende, wendungsreiche – wenn auch nicht immer unvorhersehbare – Geschichte erzählt, die mit guten Schauspielern und einer starken Kameraarbeit bis zum Ende fesselt.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: Tobis Film, Leinwandreporter TV, YouTube

Regression

Originaltitel:Regression
Regie:Alejandro Amenábar
Schauspieler:Ethan Hawke, Emma Watson, David Thewlis
Genre:Thriller
Produktionsland/-jahr:Kanada, Spanien, 2014
Kinostart:01.10.2015
Verleih:Tobis Film
Länge:106 Minuten
FSK:ab 16 Jahren
Homepage des Films:Regression

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 27.09.2015
Regression (Kino)

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