Review: Cop Land – Steelbook Collection (Blu-ray)

Das Cover vom "Cop Land"-Steelbook (Quelle: StudioCanal)

Das Cover vom „Cop Land“-Steelbook (Quelle: StudioCanal)

Seither war es der größte Traum des gutmütigen Freddy Geflin (Sylvester Stallone, „Shootout“), einmal Polizist zu werden. Da er auf einem Ohr taub ist, wurde er aber bei jeder Bewerbung abgewiesen. Seit zehn Jahre arbeitet er inzwischen als Sheriff in Garrison, New Jersey. In dem kleinen Vorort leben hauptsächlich New Yorker Polizisten, die unter der Leitung von Gemeindevater Ray Donlan (Harvey Keitel, „Reservoir Dogs“) in den 1970er-Jahren das Städtchen gegründet hatten. Als Donlans Neffe Murray „Superboy“ Babitch (Michael Rapaport, „True Romance“), ebenfalls Polizist, im Dienst angetrunken zwei Schwarze erschießt, muss Donlan alle seine Kontakte spielen lassen, um die Geschehnisse zu vertuschen. Selbst „Internal Affairs“-Ermittler Moe Tilden (Robert de Niro, „The Mission“) hat keine Chance, Beweise für eine Verschwörung zu finden. Irgendwann hat Freddy genug von dem illegalen Treiben in „seiner“ Stadt und beginnt, auf eigene Faust gegen die korrupten Polizisten zu ermitteln.

Als James Mangold den Produzenten Cathy Conrad und Cary Woods das Drehbuch zu „Cop Land“ vorlegte, hatte er bis dahin nur in dem Independent-Film „Liebeshunger“ Regie geführt. Dennoch schaffte er es, die Produzenten so von seinem Buch zu begeistern, dass diese seinem Wunsch zustimmten, auch Regie führen zu dürfen. Auch die Schauspieler Hollywoods waren sofort hin und weg von dieser Western-artigen Cop-Geschichte Mangolds, wodurch er trotz eines Minibudgets von zehn Millionen US-Dollar die Superstars reihenweise unter Vertrag nehmen konnte. Tatsächlich bedeutete der Film für Mangold den großen Durchbruch, auf den bald weitere großartige Werke wie „Durchgeknallt“, „Walk the Line“ und „Todeszug nach Yuma“ folgen sollten. „Cop Land“ ist inzwischen längst Kult und hat auch nach 16 Jahren nichts von seiner Faszination verloren.

Figgsy stachelt Freddy an (Quelle: StudioCanal)

Figgsy stachelt Freddy an (Quelle: StudioCanal)

Good Cop, Bad Cop

Die grundsätzlich einfache, gradlinige Geschichte lebt von den toll ausgearbeiteten, vielschichtigen Charakteren. Auch wenn viele Zutaten vorhanden sind, ist „Cop Land“ weit davon entfernt, ein normaler Polizeithriller zu sein. Es geht viel mehr um die moralischen Grenzen, die hier von einigen Stadtbewohnern aus verschiedenen Gründen ausgetestet werden. Eine sehr gelungene Kameraführung und ein starker Score sorgen für eine dichte Atmosphäre. Natürlich sind die sensationellen Schauspieler ein weiterer Grund für das Gelingen dieses Films.

Sylvester Stallone als Sheriff Freddy in Hochform (Quelle: StudioCanal)

Sylvester Stallone als Sheriff Freddy in Hochform (Quelle: StudioCanal)

Sylvester Stallone hatte nach Jahren als harter Actionheld genug von seinem Rollenklischee und darf sich hier als Sheriff Freddy von einer ganz anderen Seite zeigen. Freddy ist nett, brav, etwas tollpatschig, gutgläubig und nicht unbedingt der Hellste. Er tut eigentlich alles, um sich aus dem Ärger herauszuhalten. Stallone legte für „Cop Land“ 15 Kilogramm Gewicht zu, da er als reiner Muskelprotz unglaubwürdig gewesen wäre. So gelingt ihm eine der besten Darbietungen seiner Laufbahn, da er Freddy darüber hinaus eine sympathische Verletzlichkeit geben kann. Harvey Keitel ist als Ray Donlan der optimale Gegenspieler. Mit seiner Physis und seinem Charisma vermittelt er auf den ersten Blick die Bedrohlichkeit und Macht, die seine Figur auszeichnet. Eine Szene, die nur im Director’s Cut zu sehen ist, in der Ray Freddy zurecht weist, ist dabei besonders beeindruckend. Robert de Niro hat vergleichsweise wenig Spielzeit, nutzt aber jede Sequenz, um als verbissener Ermittler Tilden zu beeindrucken.

Auch Ray Liotta („Youth in Revolt“) gehörte damals noch in die A-Liste der großen Charakterdarsteller Hollywoods. Hier liefert er als Kokain-süchtiger, zwielichtiger Figgsy einen der denkwürdigsten Auftritte seiner langen Karriere. Robert Patrick („Gangster Squad“), Michael Rapaport, John Spencer („L.A. Law“), Janeane Garofalo („Dogma“) und weitere Nebendarsteller komplettieren mit durchweg überdurchschnittlichen Leistungen das Feld.

Mit „Cop Land“ hat James Mangold eine optimale Gratwanderung zwischen Sozialdrama und hartem Thriller geliefert. Die durchgängig spannende, toll gespielte Story macht auch nach mehrmaligem Ansehen noch Spaß. In Anbetracht, dass es die erste große Arbeit des Regisseurs war, ist das Ergebnis beeindruckend.

Ray Donlan ist der Herrscher der Stadt (Quelle: StudioCanal)

Ray Donlan ist der Herrscher der Stadt (Quelle: StudioCanal)

Ab dem 18.04.2013 ist der Film in der Blu-ray- Steelbook Collection erhältlich.

4,5 von 5 Punkten

 

Bild: Nach der furchtbaren Erstfassung ist das remasterte Bild um Welten besser. Die Schärfe erreicht nahezu Referenzwerte, die Farben sind klar und kräftig, die Kontraste hervorragend, der Schwarzwert sehr gut gewählt. Aufgrund einer nicht ganz perfekten Durchzeichnung gehen hier und da ein paar Details verloren, was aber nicht groß störend auffällt. Nur in sehr dunklen Szenen ist ein leichtes Bildrauschen zu entdecken.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische DTS-HD MA 5.1-Ton zeigen ebenfalls kaum Schwächen. Neben klar verständlichen Dialogen punktet der Transfer mit einer sauberen, kräftigen und dynamischen Abmischung der Effekte. Die Hintergrundgeräusche sprechen die Boxen räumlich an, was für eine räumliche Klangkulisse sorgt. Zwar werden nicht ganz die Qualitäten neuer ( in HD produzierter) Werke erreicht. Dennoch kann sich das Ergebnis absolut sehen lassen.

4 von 5 Punkten

Extras: Es besteht die Auswahl zwischen Director’s Cut und der 11 Minuten längeren Kinofassung. Zum Director’s Cut kann ein informativer Audio-Kommentar von Regisseur James Mangold, Produzentin Cathy Konrad, Sylvester Stallone und Robert Patrick dazugeschaltet werden, der aber manchmal etwas schwer verständlich ist, wenn die Sprecher durcheinander reden. Ein gelungenes Making of (15 Minuten), ein Vergleich von Storyboard und Film, zwei verzichtbare entfallene Szenen und einige Trailer ergänzen die Blu-ray.

3,5 von 5 Punkten

Gesamt: 4 von 5 Punkten


Quelle: KillKenny1978,YouTube

Cop Land

Originaltitel:Cop Land
Regie:James Mangold
Darsteller:Harvey Keitel, Sylvester Stallone, Robert de Niro, Ray Liotta
Genre:Thriller
Produktionsland/-jahr:USA, 1997
Verleih:StudioCanal
Länge:116 Minuten (Director's Cut)
105 Minuten (Kinofassung)
FSK:ab 16 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 17.04.2013
Review: Cop Land – Steelbook Collection (Blu-ray)

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