Review: Dracula (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Dracula" (© Hartswood Films/BBC Studios)

Das Blu-ray-Cover von “Dracula” (© Hartswood Films/BBC Studios)

Inhalt: Im Jahr 1897 ist der einst angesehene Anwalt Jonathan Harker (John Heffernan, „Eye in the Sky“) geistig und körperlich nur noch ein Schatten seines vergangenen Daseins. Die Schwestern des St. Mary’s Kloster in Budapest, die den Mann vor dem sicheren Tod bewahrt haben, möchten mehr über die Geschichte von Harker erfahren. Mit letzter Kraft packt dieser gegenüber der resoluten Agatha (Dolly Wells, „Stolz und Vorurteil & Zombies“) aus: Er wurde aus beruflichen Gründen ins abgeschiedene Transsylvanien eingeladen und sollte dort den Schlossherrn Graf Dracula (Claes Bang, „The Square“) treffen. Kaum vor Ort, startet für den Engländer ein sehr realer Albtraum, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Währenddessen plant der Graf, seines Zeichens ein 400 Jahre alter Vampir, die traute Heimat zu verlassen und die Welt zu erkunden. Doch dafür braucht es eine Menge blutigen Reiseproviant.

 

Kritik: Er ist ohne Zweifel der bekannteste Vampir der Welt: Dracula. Seitdem er als Titelheld in einem Roman des irischen Autors Bram Stoker im Jahr 1897 das Licht der Welt erblickte, erfuhr der elegante Blutsauger zahllose Adaptionen. 2020 war es nun an Steven Moffat und Mark Gatiss, die in „Sherlock“ bereits Englands prominentestem Detektiv neues Leben eingehaucht hatten, den „Fürst der Finsternis“ auf neue Wege zu führen. Der Aufhänger, die bekannten Figuren von ihren eigenen Schicksalen berichten zu lassen, ist dabei eher zweckdienlich als innovativ. In seiner bewusst tristen Start-Folge bleibt „Dracula“ im Bereich des klassischen Grusel-Märchens. Das Gezeigte ist manchmal verstörend, manchmal spannend, hat seine eigene Atmosphäre – sicherlich aber auch seine zähen Phasen. Speziell in den letzten 30 böse-blutigen Minuten zeigt sich dann, weshalb eine Neuauflage des bekannten Stoffs eine durchaus gute Idee war.

Harker trifft auf einen älteren Herrn (© Hartswood Films/BBC Studios)

Harker trifft auf einen älteren Herrn (© Hartswood Films/BBC Studios)

Im zweiten Teil schlagen die Macher eher in die Krimi-Kerbe. Auf begrenztem Raum wird eine Truppe von Reisenden dezimiert. Selbst wenn der Täter (natürlich) kein Geheimnis ist und sich wieder ein paar Längen einschleichen, geht das Konzept, bei dem man Hercule Poirot hinter jeder Ecke erwartet, größtenteils auf. Die finale Episode trägt spürbar die Handschrift von Gatiss und Moffat. Sehr modern, aber mit zeitlosen Leitmotiven unterfüttert, erlebt das Publikum mit dem legendären Ober-Vampir ein eigenwilliges, augenzwinkerndes und vor allem unterhaltsames Abenteuer. Selbst wenn die abschließende Pointe sicher nicht jedem Zuschauer gefallen wird, hat dieser letzte Akt den größten Erinnerungswert.

Ein echter Coup ist den Machern mit der Besetzung des Dänen Claes Bang in der Titelrolle gelungen. Er macht sich den weltbekannten Part komplett zu eigen und entwickelt ein gleichermaßen charmanten, ironischen und einschüchternden Dracula, dessen Anziehungskraft fast greifbar ist. Als Hauptgegenspielerin Agatha, die dem alten Vampir absolut furchtlos entgegentritt, liefert Dolly Wells einen nahezu gleichwertig guten Auftritt. Bekannte britische TV- und Kinodarsteller wie John Heffernan, Morfydd Clark („David Copperfield – Einmal Reichtum und zurück“), Sacha Dhawan („The Great“) und Mark Gatiss höchstselbst halten sich eher im Hintergrund auf, während Lydia West eine wahrhaft hervorstechende Nebenrolle spielt.

Sicherlich ist bei diesem Dreiteiler der „Sherlock“-Autoren nicht alles Gold, was glänzt. Verschnaufpausen und merkwürdige Entscheidungen stehen da immer mal wieder im Weg. Dennoch punktet diese „Dracula“-Neuauflage mit drei grundverschiedenen, immer origineller werdenden Episoden, einem schicken Look und einem absolut köstlichen Claes Bang, wodurch das neueste Machwerk aus dem Hause Moffat-Gatiss insgesamt sicherlich sehenswert ist.

Agatha bietet Dracula die Stirn (© Hartswood Films/BBC Studios)

Agatha bietet Dracula die Stirn (© Hartswood Films/BBC Studios)

Die Box ist ab dem 26.03.2021 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

3,5 von 5 Punkten

 

Bild: Schärfe und Detaildarstellung sind in dem zumeist spärlich beleuchteten Treiben nie brillant, aber eigentlich immer ordentlich. Die satten, stimmungsvollen Farben tragen ihren Teil zur Atmosphäre bei. Kontraste und Schwarzwert offenbaren keine zu großen Probleme. Ein leichtes Rauschen fällt kaum ins Gewicht.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische DTS-HD 5.1-Ton liefern gute Gruselkost. Gerade in der ersten Episode, in der Jonathan Harker durch Draculas Schloss irrt, gibt es ein paar schöne Effekte. Auch ansonsten sind Hintergrundgeräusche und Score gut abgemischt. Die Dialoge sind dabei klar priorisiert und immer gut verständlich.

4 von 5 Punkten

Extras: Ein Audiokommentar zu Episode 3 (u.a. mit Moffat & Gatiss) sowie sechs Behind-the-Scenes-Features (insgesamt 26 Minuten) komplettieren die Box.

3 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: BBC, YouTube

Dracula

Originaltitel:Dracula
Showrunner:Steven Moffat, Mark Gatiss
Schauspieler:Claes Bang, Dolly Wells, John Heffernan
Genre:Mini-Serie, Horror, Drama
Produktionsland/-jahr:UK, 2020
Verleih:Polyband
Länge:3 x 90 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Polyband

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 19.03.2021
Review: Dracula (Blu-ray)

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