Review: The Tale – Die Erinnerung (Film Festival Cologne)

Das Original-Plakat von "The Tale - Die Erinnerung" (© Mongrel International/HBO)

Das Original-Plakat von “The Tale – Die Erinnerung” (© Mongrel International/HBO)

Inhalt: Mit 48 Jahren ist Jennifer Fox (Laura Dern, „Der große Trip – Wild“) eine gefeierte Filmemacherin, die gerade eine Dokumentation über sexuellen Missbrauch gedreht hat. Da meldet sich ihre Mutter, die ein paar beunruhigende Briefe aus Jennifers Vergangenheit entdeckt hat. In den Briefen schreibt das damals 13 Jahre alte Mädchen von einer Beziehung zu einem deutlich älteren Mann. Sie erinnert sich an ihren ersten Liebhaber, der für sie immer ihr erster Freund war. Erst die neuen Erfahrungen machen ihr klar, dass ihr damals Unrecht geschehen ist. Sie beginnt, über ihren damaligen Lauflehrer Billy (Jason Ritter, „Das Glück an meiner Seite“) und ihre Reitlehrerin Mrs. G (Elizabeth Debicki, „The Night Manager“) zu forschen, die sie damals verführt hatten. Immer mehr muss sie sich eingestehen, dass dieser Vorfall ihr ganzes Leben verändert hat.

Kritik: Die New Yorker Filmemacherin Jennifer Fox ist seit vielen Jahren dafür bekannt, Dokumentationen über komplexe Themen zu drehen. Für ihren ersten Spielfilm hätte sie inhaltlich wohl kaum eine größere Extreme finden können. In „The Tale – Die Erinnerung“ berichtet sie autobiografisch über den sexuellen Missbrauch, den sie im Alter von 13 Jahren durchlebt hat. Dabei hat sie das Drehbuch basierend auf Aufzeichnungen geschrieben, die sie zu der Zeit der Übergriffe verfasst hat. Die deutschen Sender ZDF und Arte haben die Entstehung des Films als Produzenten unterstützt. Beim amerikanischen Pay TV-Sender HBO hatte das Drama seine TV-Premiere gehabt. Herausgekommen ist ein eindringlicher, stellenweise wirklich verstörender Film, der sich ungewohnt direkt mit dieser schwierigen Thematik auseinandersetzt.

Jennifer setzt sich mit ihrer Vergangenheit auseinander (© Mongrel International/HBO)

Jennifer setzt sich mit ihrer Vergangenheit auseinander (© Mongrel International/HBO)

Dabei zeigt sich Fox als äußerst begabte Regisseurin und liefert einen strukturell und handwerklich fast makellosen Film, bei dem Stilmittel wie eine unzuverlässige Erzählerin die Wirkung der Geschichte noch einmal verstärken. Obwohl es dem Film gelingt, auch bei grenzwertigen Sequenzen nie zu Geschmacklosigkeiten überzugehen, werden wohl für einige Zuschauer die Grenzen des Erträglichen überschritten. Mit der wichtigen Thematik und der unkonventionellen Herangehensweise konnte Fox für ihren Film eine ganz Reihe an erstklassigen Darstellern gewinnen. Gerade Laura Dern, die sich als ältere Jennifer erstmals mit den Taten von damals auseinandersetzt, ist fantastisch. Aber auch Isabelle Nélisse („Mama“), die die junge Jennifer spielt, die von ihren deutlich älteren Vertrauenspersonen verführt wird, wird ihrer schwierigen Aufgabe gerecht. Dabei ist erwähnenswert, dass die Schauspielerin natürlich bei den physischen Momenten von einem volljährigen Double ersetzt wurde.

Es ist auch durchaus beachtlich, dass eine aufstrebende Schauspielerin wie Elizabeth Debicki eine äußerst schwierige Rolle in einem derart kontroversen Film angenommen hat. Dabei liefert sie als Mrs. G eine vielschichtige und der Thematik angemessene Darstellung. Jason Ritter spielt als Kern dieser Geschichte eine noch härtere Rolle. Er trägt einige erschreckende Zeilen derart glaubwürdig vor, dass viele Zuschauer ein flaues Gefühl im Magen bekommen dürften. Dabei gelingt es ihm aber, Bill nicht zu überzeichnen, sondern ihm äußerst menschliche Züge zu geben – was die Geschichte natürlich noch effektiver macht. Mit Frances Conroy („Wicker Man – Ritual des Bösen“), Ellen Burstyn („Wiener Dog“), John Heard und Common („John Wick – Kapitel 2“) ergänzen weitere bekannte Namen die Besetzung dieses mutigen Films.

Nicht nur, weil man über die Wahrheitsgehalt der Geschichte weiß, ist „The Tale – Die Erinnerung“ manchmal kaum zu ertragen. Jennifer Fox attackiert in ihrem erstklassig erzählten und inszenierten Film ein Tabuthema auf eine noch nicht dagewesene, unmittelbare Weise. Selbst wenn dieses Werk für niemanden eine angenehme Erfahrung sein dürfte, hat diese außergewöhnlich couragierte Produktion jede Beachtung verdient.

4,5 von 5 Punkten

Der Film lief im Programm des Film Festival Cologne 2018 und ist aktuell bei Sky zu sehen.


Quelle: ONE Media, YouTube

The Tale - Die Erinnerung

Originaltitel:The Tale
Regie:Jennifer Fox
Darsteller:Laura Dern, Elizabeth Debicki, Ellen Burstyn
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2018
Verleih:HBO
Länge:114 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Sky

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 10.11.2018
Review: The Tale – Die Erinnerung (Film Festival Cologne)

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