So Bad! It’s Good?: Wicker Man – Ritual des Bösen

Das DVD-Cover von "Wicker Man" (© Warner Bros Pictures)

Das DVD-Cover von „Wicker Man“ (© Warner Bros Pictures)

Der 1973 erschienene „Wicker Man“, in dem unter anderem Christopher Lee mitspielt, ist eine ungewöhnliche Mischung aus Horrorfilm und Krimi, der teilweise an die Grenze zum Musical kommt. Der Film ist fies, äußerst atmosphärisch und genießt zurecht Kultstatus. 2006 kam der Filmemacher Neil LaBute auf die grandiose Idee, eine Neuverfilmung des Werkes zu realisieren. Mit Nicolas Cage, der ein großer Fan des Originals ist, fand sich schnell der Hauptdarsteller und Produzent des Projektes. Hauptteile der Geschichte blieben zwar gleich, dennoch war die Rezeption dieses Remakes irgendwo bei den aktuellen „Ghostbusters“-Trailern einzuordnen. Über die Jahre entwickelte sich dann aber eine ganz andere Art von Kult: Wenn ein Film es hinbekommt, dass ein Mädchen von einem LKW überfahren wird und die Szene zum Brüllen komisch ist, horcht das Internet gerne auf. Wenn dann ein Nicolas Cage in höchstem Vollgas-Modus Memes in Serie produziert („NOT THE BEEEES!“) ist Unterhaltungswert gesichert.

So hat diese schwer beschreibliche Neuauflage einige der merkwürdigsten Sequenzen in der jüngeren Filmgeschichte. Wer schon immer einmal sehen wollte, wie Nic Cage in einem Bärenkostüm (!) eine Frau K.O. schlägt (!!), wird bei „Wicker Man“ fündig. Auch betreffend des Overactings des Protagonisten könnte man kaum mehr von dem Film erwarten. Es wird geschrien, es wird geflucht, es wird sich dem kompletten Irrsinn hingegeben. Ellen Burstyn als Sektenoberhaupt im „Braveheart“-Make Up und was immer Leelee Sobieski in dem Film darstellen möchte, sind weitere uneingeschränkte Highlights der unfreiwilligen Komik. Doch während so einiges herausragend bizarr ist, leidet der Film unter dem Problem, dass er schlicht und ergreifend überhaupt keinen Sinn macht. Er ist faul und dümmlich geschrieben und inszeniert (einschließlich einer doppelten Fake Out-Traumsequenz) und die Handlungen der Charaktere sind teilweise derartig nicht nachvollziehbar, dass selbst der trashige Spaß etwas getrübt wird. Da ist es natürlich nicht weiter verwunderlich, dass die Karriere von Neil LaBute ein wenig im Sand verlaufen ist. Immerhin durfte er noch das vollkommen redundante, aber immerhin unterhaltsame Remake von „Sterben für Anfänger“ drehen.

Cage ist böse (© Warner Bros Pictures)

Cage ist böse (© Warner Bros Pictures)

So ist „Wicker Man“ eine Berg- und Talfahrt zwischen einem Sammelsurium von unvergesslichen Kuriositäten und gähnendem Nichts. Dieser Film ist aber wieder einmal ein Beweis für die vorhandene Qualität von Nicolas Cage: Ohne ihn wäre dieses Remake einfach nur ein miserables Machwerk geworden. Dank einer Performance, die zwischen kompletter Teilnahmslosigkeit und 10 km über menschlich normal schwankt, wurde aus „Wicker Man“ ein Internet-Phänomen, das sich das Label „So Bad, It’s Good“ dann doch noch verdient.

Wer auf den ganzen Verschnitt im Film verzichten möchte, kann hier den Beitrag der Kollegen von CinemaSins sehen.


Quelle: CinemaSins; YouTube

Wicker Man - Ritual des Bösen

Originaltitel:The Wicker Man
Regie:Neil LaBute
Darsteller:Nicolas Cage, Ellen Burstyn, Leelee Sobieski
Genre:Krimi, Thriller
Produktionsland/-jahr:USA, 2006
Verleih:Warner Bros
Länge:102 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

 

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 08.06.2016
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