Review: The Death of Stalin (Kino)

Das Hauptplakat von "The Death of Stalin" (© Concorde Film)

Das Hauptplakat von “The Death of Stalin” (© Concorde Film)

Inhalt: Im Frühjahr des Jahres 1953 ist Moskau immer noch fest in der Hand von Josef Stalin (Adrian McLoughlin). Als dieser unerwartet nach einem Schlaganfall verstirbt, herrscht ein Machtvakuum, was schnell gefüllt werden will. Leute wie der Sekretär des Zentralkomitees Chruschtschow (Steve Buscemi, „Norman“), Geheimdienstchef Beria (Simon Russell Beale, „Into the Woods“), Stalin-Stellvertreter Malenkow (Jeffrey Tambor, „The Accountant“) und Außenminister Molotow (Michael Palin, „The War Is Not Funny, Sir! – Wir schießen auch mit Worten“) beginnen Gründe zu sammeln, weshalb sie die idealen Nachfolgekandidaten als Staatschef sind. Wenn ein Argument schon einmal zum Tod von mehreren Leuten führt, ist das für die Politiker vertretbar. Als dann auch noch Stalins Nachfahren Swetlana (Andrea Riseborough, „Battle of the Sexes“) und Wassili (Rupert Friend, „Mauern der Gewalt“) sich in die Situation einmischen, versinkt das Land immer mehr im Chaos.

Kritik: In den vergangenen Jahren hat Armando Iannucci als Showrunner der erfolgreichen HBO-Polit-Comedy „Veep – Die Vize-Präsidentin“ – für die Julia Louis-Dreyfus von 2012-2017 durchgängig mit einem Emmy Award als „Beste Hauptdarstellerin einer Comedy-Serie“ prämiert wurde – seinen Namen einem großen Publikum bekannt gemacht. Da ist es nur logisch, dass er für seinen Sprung auf die große Leinwand dem Polit-Business erhalten bleibt. Basierend auf einem gleichnamigen Comic (!) von Fabien Nury und Thierry Robin zeichnet er die Ereignisse nach, die sich rund um den Tod Stalins in der sowjetischen Machtzentrale abgespielt haben (sollen). Herausgekommen ist eine stellenweise urkomische Farce, die dabei die meiste Zeit verstörend realistisch wirkt.

Der König ist tot, es lebe der... (© Concorde Film)

Der König ist tot, es lebe der… (© Concorde Film)

Wenn gleich zu Beginn der Direktor von Radio Moskau (Paddy Considine, „The Girl with all the Gifts“) ein komplettes Konzert direkt nach Beendigung mitsamt Publikum wiederholen lässt, um für Stalin eine wirklich gute Aufnahme zu machen, wirkt das amüsant und schräg. Es vermittelt aber auch das gar nicht lustige Bild einer Gesellschaft, in der ein politisches Anecken wahrlich fatale Folgen haben konnte. Sobald sich der Kongress um den gerade noch lebendigen Körper seines Vorstehers versammelt und über ein mögliches Vorgehen berät – während jeder Anwesende schon die eigene Zukunft plant – wird „The Death of Stalin“ dann endgültig bitterböse, politisch herrlich inkorrekt und sehr lustig. Sobald die ersten Fronten geklärt sind, fällt die Gagdichte leider merklich ab. Dennoch bleibt der skurrile und äußerst radikale Kampf um den vakanten Thron durchweg erstaunlich kurzweilig und historisch schlüssig.

Chruschtschow und Beria schmieden eigene Pläne für eine russische Zukunft (© Concorde Film)

Chruschtschow und Beria schmieden eigene Pläne für eine russische Zukunft (© Concorde Film)

Für das bunte Treiben wurde eine ganze Fülle an hochwertigen Charakterdarstellern gefunden. Gerade Steve Buscemi, der mit falscher Nase und dickem Bauch als Chruschtschow zu sehen ist, passt perfekt in das wirre Treiben. Seine Duelle mit Simon Russell Beale, der den gnadenlosen Geheimdienstchef Beria spielt, sind absolute Highlights des Filmes. Golden Globe-Gewinner Jeffrey Tambor mimt den herrlich überforderten Interims-Staatschef Malenkow. Es wirkt schon unvermeidlich, dass mit Michael Palin ein langjähriger „Monty Python“-Komiker Teil der Besetzung ist. Als absurd systemtreuer Molotow spielt er seine beste Rolle seit längerer Zeit. Andrea Riseborough und Rupert Friend sorgen als sonderbare Kinder von Stalin für weiteren Unterhaltungswert. Weitere bekannte Darsteller wie Olga Kurylenko („Momentum“), Jason Isaacs („A Cure For Wellness“) und Paddy Considine komplettieren einen äußerst bunten Cast.

Es kann wohl davon ausgegangen werden, dass dieser Film in Russland nicht mit offenen Armen aufgenommen wird. Unabhängig davon ist „The Death of Stalin“ eine erstaunlich amüsante Abhandlung über das Ende eines Diktators, die sich nicht um Konventionen schert und trotz leichtem Qualitätsverlust in der zweiten Halbzeit zu einem der besten satirischen Filme der letzten Zeit wird.

4 von 5 Punkten


Quelle: Concorde Film, Leinwandreporter TV, YouTube

The Death of Stalin

Originaltitel:The Death of Stalin
Regie:Armando Iannucci
Darsteller:Steve Buscemi, Simon Russell Beale, Paddy Considine, Olga Kurylenko, Rupert Friend, Jason Isaacs, Michael Palin
Genre:Drama, Satire, Komödie
Produktionsland/-jahr:UK/Frankreich, 2017
Verleih:Concorde FIlmverleih
Länge: 106 MinutenFSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 29.03.2018

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite des Films

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 29.03.2018
Review: The Death of Stalin (Kino)

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