Review: Sommerfest (Kino)

Das Plakat von "Sommerfest" (© X-Verleih)

Das Plakat von “Sommerfest” (© X-Verleih)

Inhalt: Vor über zehn Jahren hat sich Stefan (Lucas Gregorowicz) aus seiner Heimatstadt Bochum verabschiedet, um in München als Schauspieler bekannt zu werden. Herausgekommen ist eine ziemlich mäßige Karriere am Theater, die von seiner Freundin organisiert wird. Als er dann unerwartet einen Anruf bekommt, dass sein Vater verstorben ist, muss er zurück in die alte Heimat. Eigentlich möchte er so schnell es geht die Beerdigung hinter sich bringen und einen Makler finden, der für ihn den Verkauf des Elternhauses übernimmt. Daneben schaut er auch schnell bei ein paar Kumpels vorbei, die er seit damals nicht mehr gesehen hat. Er ist erstaunt zu sehen, dass fast alle Freunde von früher in Bochum geblieben sind. Als dann auch noch Charly (Anna Bederke) – seine große Liebe von früher – auftaucht und er schnell merkt, dass wieder die Funken sprühen, hinterfragt Stefan bald einige Lebensentscheidungen.

 

Kritik: In den vergangenen 25 Jahren gehörte Sönke Wortmann zu den klangvollsten Namen im deutschen Kino. Neben seinen längst kultigen Anfängen mit „Allein unter Frauen“, „Kleine Haie“ und natürlich „Der bewegte Mann“ gründete er mit Little Shark Entertainment eine eigene Produktionsfirma, mit der er seine Wunschprojekte umsetzte. So verknüpfte er die Filmemacherei mit seiner zweiten großen Leidenschaft – dem Fußball – und drehte 2004 „Das Wunder von Bern“ und begleitete in der Dokumentation „Deutschland – Ein Sommermärchen“ die Nationalmannschaft während der Heim-WM 2006. Daneben förderte er auch junge Regisseure wie Christian Zübert, dessen lang erwarteten Lommbock“ er unlängst produzierte. Dafür blieb er zuletzt mit seinen eigenen Regie-Arbeiten „Das Hochzeitsvideo“, „SCHOßGEBETE“ und „Frau Müller muss weg“ erzählerisch und filmisch hinter den eigenen Möglichkeiten.

Stefan findet tatsächlich einen Fan (©2016 TOM TRAMBOW)

Stefan findet tatsächlich einen Fan (©2016 TOM TRAMBOW)

Nun hat sich Sönke Wortmann als Kind des Ruhrpotts eine recht persönliche Geschichte vorgenommen und den tragikomischen Roman „Sommerfest“ von Kult-Autor Frank Goosen verfilmt. Schnell wird klar, dass sich der Regisseur hier auf dem aufsteigenden Ast befindet. Nach einer Einleitung, die viele an de Oscar-Hit „Birdman“ erinnern dürfte, macht sich der schräg kostümierte Protagonist auf den Heimweg. Natürlich ist die Ausgangsgeschichte nicht neu: Zach Braff dürfte in seinem Geniestreich „Garden State“ wohl das Optimum aus der Thematik geholt haben, der 2016er-Indiefilm „Nirgendwo“ setzte sich auch recht ansprechend mit der Heimkehr nach einem Todesfall auseinander und im bereits erwähnten „Lommbock“ spielte Lucas Gregorowicz (unter anderen Vorzeichen aber mit gleichem Rollennamen) den Mann, der auf einmal wieder auf seine Vergangenheit trifft.

In den besten Momenten ist „Sommerfest“ treffend, einfühlsam und sympathisch. Gerade die Heimkehr ins Elternhaus, wo es Wortmann fertigbringt, mit einem einzigen Bild die Todesumstände von Stefans Vater zu erklären, bleibt hier besonders haften. Auch die Szenen, in denen Stefan und Charly ihre Vergangenheit wieder aufrollen, funktionieren erstaunlich gut. Die bewusst gewählte Erzählstruktur, die nicht wirklich geradlinig ist, steht dem Film aber dann merklich im Weg. Wer sich für eine eher Episoden-hafte Geschichte entscheidet, sollte dafür genug interessante Figuren haben. Leider rutscht der Film hier regelmäßig auf die Klischee-Schiene. Der Zeilenvortrag der Ur-Bochumer mit gehobenem Nostalgie-Faktor wirkt dann doch mehr als einmal äußerst theatralisch und einige kleine Geschichten enden mit exakt der Pointe, die jeder Zuschauer voraussehen könnte. Gerade bei einer Episode rund um einen jungen Fußballer tendiert der Film dann schon in eine etwas zynische Richtung. Dazu kommt eine Reihe von Running-Gags, die zu häufig bemüht werden, um noch lustig zu sein.

Stefan wird schnell von Toto für Arbeit eingespannt (©2016 TOM TRAMBOW)

Stefan wird schnell von Toto für Arbeit eingespannt (©2016 TOM TRAMBOW)

Eine Konstante bleibt die Qualität von Hauptdarsteller Lucas Gregorowicz, der als semi-erfolgreicher Theatermime trotz Trauer die ganzen schrägen Gestalten seiner Vergangenheit ertragen muss. Als mittlerweile Fremder im Ruhrgebiet ist Gregorowicz menschlich und amüsant, weswegen er dem Zuschauer den nötigen Halt in der oft sehr losen Geschichte gibt. Neben ihm gelingt es noch am ehesten Anna Bederke, hier wirklich etwas zum Gelingen der Geschichte beizutragen.

Auch wenn Sönke Wortmann immer noch ein Stück von seiner Bestform entfernt ist, liefert er mit „Sommerfest“ zumindest teilweise ab. Einem starken Hauptdarsteller und gelungenen inszenatorischen Kniffen, stehen fehlende erzählerische Einfälle, einige zu geschwätzige Momente und hölzern-stereotype Nebenfiguren gegenüber, weswegen die brauchbare Tragikomödie am Ende doch im Mittelmaß stecken bleibt.

3 von 5 Punkten


Quelle: X-Verleih, Leinwandreporter TV, YouTube

Sommerfest

Originaltitel:Sommerfest
Regie:Sönke Wortmann
Darsteller:Lucas Gregorowicz, Anna Bederke, Nicholas Bodeux
Genre:Drama, Komödie
Produktionsland/-jahr:Deutschland, 2017
Verleih:X-Verleih
Länge: 92 MinutenFSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 29.06.2017
Homepage:Sommerfest

Mehr Informationen gibt es auf der Seite des X-Verleih

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 29.06.2017
Review: Sommerfest (Kino)

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