Review: Erpressung – Wie viel ist deine Familie wert? (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Erpressung" (© Ascot Elite)

Das Blu-ray-Cover von „Erpressung“ (© Ascot Elite)

Inhalt: Der renommierte Chirurg Kevin Riley (Eion Bailey, „Ray Donovan“) freut sich sehr darauf, mit seiner Frau Julie (Bethany Joy Lenz, „Dexter“) und seinem Sohn Andy (Mauricio Alemañy) einen Traumurlaub in der Karibik zu machen. Kaum angekommen, mietet sich die Familie ein Boot für eine Spritztour auf dem Meer. Nachdem sie einen entspannten Zwischenstopp auf einer unbewohnten Mini-Insel eingelegt haben, möchte Kevin das Boot für den Heimweg starten und erlebt dann den Schock: Der Motor springt nicht an. Nach Tagen ohne Verpflegung werden sie von einem einheimischen Fischer (Barkhad Abdi, „Eye in the Sky“) gefunden. Doch die erhoffte Rettung ist der unscheinbare Mann nicht, da er für seine Hilfe eine Million US-Dollar fordert. Er verschleppt Kevin, der das Geld besorgen soll und lässt Julie und Andy zurück. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse, weswegen der Arzt weiß, dass er nicht darauf zählen darf, von seinem Erpresser wieder mit seiner Familie vereint zu werden. Aufgrund seines merkwürdigen Verhaltens und der absurd anmutenden Geschichte glauben die Polizisten um Detective Haagen (Danny Glover, „Monster Trucks“) kein Wort und verdächtigen stattdessen Kevin, ein Verbrechen begangen zu haben. Deswegen muss der Familienvater das Gesetz in die eigenen Hände nehmen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Kritik: Autor und Regisseur Phil Volken schrieb und inszenierte diesen Action-Thriller vor malerischer Kulisse. Laut eigener Aussage (im Making of) wollte er eine Geschichte erzählen, mit der sich jeder Zuschauer unabhängig von der Herkunft identifizieren kann. Da bietet sich ein Familienvater, der all seine Grundsätze aufgeben muss, natürlich an. Ob der „Durchschnittsbürger“ in einem gefeierten Herzchirurgen zu finden ist, sei einmal dahingestellt. Was Look, Dialoge und Inszenierung betrifft, fühlt sich „Erpressung“ schon bald wie ein TV-Film an. Mit einer – zumindest einigermaßen kurzweiligen – Handlung vom Reißbrett entwickelt sich alles in die erwartete Richtung. Mit einer Reihe an günstigen Zufällen, die die Geschichte voran bringen sollen, entsteht natürlich eher keine Glaubwürdigkeit. Wenn der selbstlose Versuch, trotz eindeutiger und verständlicher Warnungen der Polizei Mutter und Kind selbst zu befreien, eine Spur der Verwüstung verursacht und statt Heldenstatus eher eine lebenslange Haftstrafe für den Protagonisten nachvollziehbar wäre, sollten nicht mehr viele Zuschauer mit Kevin Riley mitfühlen.

Kevin wird erpresst (© Ascot Elite)

Kevin wird erpresst (© Ascot Elite)

So scheint für die Hauptfigur jeder, der in seinem Weg steht, absolut entbehrlich zu sein – was nur bedingt ein sympathischer Charakterzug ist. Auch wenn Volken bemüht erscheint, Wendungen in der Handlung unterzubringen, nimmt dieser überraschungsarme Amoklauf des Protagonisten stellenweise absurde Züge an. Wenn sich in Filmen wie „Ein Mann sieht rot“ oder „96 Hours“ die Helden durch die Unterwelt schießen und schlitzen, funktioniert das, weil die Geschichten ein gewisses Maß an Augenzwinkern haben und die Hauptfiguren durch Charisma punkten. Auch wenn Eion Bailey schon einige ordentliche Werke in seinem Lebenslauf stehen hat, so ist er doch niemand, der einen Film tragen kann. Neben dem zumindest beschädigten Moralkompass bleibt Kevin Riley durchweg ziemlich flach und uninteressant.

Sehr viel besser ist da Barkhad Abdi, der seinen Part aus „Captain Phillips“ wieder aufleben lassen darf. In seinen Szenen punktet er erneut mit seiner sachlich anmutenden Bedrohlichkeit. Die wenigen Spannungsmomente des Filmes sind hauptsächlich seinem Spiel zu verdanken. Leider bleibt seine Spielzeit etwas eingeschränkt. Darüber hinaus werden seine Motive für die Tat nur angedeutet. Ein bisschen mehr Tiefgang hätte dem Film auch hier gut getan. Danny Glover wurde wohl hauptsächlich für seinen Namen gebucht. In seinen grob zehn Minuten Spielzeit als routinierter Cop, der sich (berechtigt) den brutalen Alleingang des amerikanischen Urlaubers nicht bieten lassen will, bekommt er nichts zu tun.

Der reißerische deutsche Titel „Erpressung – Wie viel ist deine Familie wert?“ verspricht eigentlich genau das, was geboten wird: Einen unreflektierten, nur bedingt durchdachten Thriller, der mit seiner stumpfen und unsympathischen Hauptfigur bis zum sehr abrupten Ende nie wirklich funktioniert. Der Film ist zu unlogisch, um ernst zu erscheinen und im Gegensatz zu humorlos, um Over the Top-Unterhaltung zu sein. Was bleibt, ist ein ordentliches Erzähltempo und die reine Präsenz von Barkhad Abdi, die den Film davor bewahren, eine Enttäuschung auf ganzer Linie zu werden.

Ist zu alt für diesen Sch... (© Ascot Elite)

Ist zu alt für diesen Sch… (© Ascot Elite)

Der Film ist ab dem 30.06.2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

2 von 5 Punkten

 

Bild: Der Film kommt in einer ziemlich glatten Digital-Optik. Bei den klaren, sonnigen Tag-Aufnahmen sind Detaildarstellung und Schärfe absolut überzeugend. Die spärlich beleuchteten Nachtaufnahmen fallen da logischerweise etwas ab. Es wird eine fast schon zu kräftige Farbpalette geboten, die aber immer natürlich aussieht. Die Einstellung von Kontrasten und Schwarzwert ist ordentlich, aber an manchen Stellen mit ein paar sichtbaren Problemen. In den dunkleren Sequenzen gibt es ein erkennbares Rauschen. Ansonsten ist das Bild ziemlich sauber und ruhig.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische DTS-HD MA 5.1-Ton sind verlustlos, aber nicht vollkommen überzeugend. So spielt sich der große Teil der Spur im Frontbereich ab. Die Dialoge sind immer gut zu verstehen. Aber auch Explosionen, Motorengeräusche und der Score sprechen die äußeren Boxen nur ein wenig an. Dafür bietet der Film einige satte Bässe. Es sind noch am ehesten ein paar atmosphärische Hintergrundgeräusche, die für Aktivität auf den äußeren Boxen sorgen.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Ein Making of (8 Minuten), eine Bildergalerie und einige Trailer sind als Bonus auf der Blu-ray zu finden.

2 von 5 Punkten

Gesamt: 2,5 von 5 Punkten


Quelle: Ascot Elite, Leinwandreporter TV, YouTube

Erpressung

Originaltitel:Extortion
Regie:Phil Volken
Darsteller:Eion Bailey, Bethany Joy Lenz, Barkhad Abdi, Danny Glover
Genre:Thriller, Action
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:Ascot Elite
Länge:109 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 30.06.2017
Review: Erpressung – Wie viel ist deine Familie wert? (Blu-ray)

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