Review: Get Out (Kino)

Das Hauptplakat von "Get Out" (© Universal Pictures Germany)

Das Hauptplakat von “Get Out” (© Universal Pictures Germany)

Inhalt: Seit ein paar Monaten sind der Afroamerikaner Chris (Daniel Kaluuya, „Sicario“) und seine weiße Freundin Rose (Allison Williams) ein Paar. Nun steht der erste Besuch bei den Eltern von ihr an. Chris ist nervös, da seine Freundin nichts davon erwähnt hat, dass er dunkelhäutig ist. Als er dann den Chirurgen Dean (Bradley Whitford, „The Cabin in the Woods“) und die Psychiaterin Missy (Catherine Keener, „Can A Song Save Your Life?“) kennen lernt, sind seine Sorgen schnell verflogen, da sich die beiden als herzlich und unvoreingenommen herausstellen. Allerdings fällt ihm bald auf, dass die farbigen Hausangestellten sich seltsam apathisch und unterwürfig verhalten. Auch auf einem am nächsten Tag stattfindenden Barbecue fällt ihm das eigenartige Auftreten der Gäste auf. Macht sich Chris nur zu viele Gedanken oder geht rund um die Familie seiner Freundin etwas merkwürdiges vor sich?

Kritik: Wenn ein Comedian hinter die Kamera wechselt, können ab und zu Volltreffer wie „Garden State“ von Zach Braff dabei heraus kommen. Die meisten Regie-Debüts dieser Art bleiben aber schnell vergessene Eintagsfliegen. Emmy-Preisträger Jordan Peele schien schon vorab zu den positiven Ausnahmen zu gehören. Mit „Get Out“, den er schrieb und inszenierte, löste er in den USA einen regelrechten Hype aus. Nachdem der Film immer noch sensationelle 99% auf der Kritiker-Plattform Rotten Tomatoes hat und sein Mini-Budget von 5 Millionen US-Dollar jetzt schon mehrfach wieder eingespielt hat, sind die Erwartungen auf ein Niveau gestiegen, die dieser kleine Film eigentlich nur enttäuschen konnte. Tatsächlich gelingt es Peele dennoch, mit seiner Mischung aus Sozialsatire, bösem Psychothriller und unangenehmer Horroratmosphäre, auf allen Ebenen zu überzeugen.

Ein Trip zu den Schwiegereltern kann schon beängstigend sein (© Universal Pictures Germany)

Ein Trip zu den Schwiegereltern kann schon beängstigend sein (© Universal Pictures Germany)

Gerade wer hier eine reine Geschichte rund um die Thematik Rassismus erwartet, wird bald eines Besseren belehrt. Nach einer gelungene Einführung, in der der Zuschauer die zwei ausgesprochen sympathischen Protagonisten trifft, kokettiert Peele zwar immer wieder mit Rassenklischees, geht dann aber seinen eigenen Weg. Der sensationelle Score von Branchen-Neuling Michael Abels und ein großartiges Bilddesign sorgen dafür, dass sich der verstörende, eigenwillige Ton des Films im Magen des Zuschauers festsetzt. Hier wäre zum Beispiel der effektive Einsatz eines Joggers (!) zu nennen, bei dem Gänsehaut fast garantiert ist. Dabei hält der Film geschickt die Waage zwischen Spannungselementen und treffsicheren Witzen, die sich fast immer grandios in die Geschichte einreihen. Ob surreale Momente, die Chris erlebt, die durchweg wunderbar skurrilen Nebenfiguren, oder selbst der daheim gebliebene Kumpel Rod (LilRel Howery), der den Comic Relief gibt: Hier passt alles zusammen. Dazu punktet auch die Botschaft des Films mit Mut und Aussagekraft, den viele auch bei einigen Oscar-(Bait-)Filmen des Jahres vergeblich suchen dürften.

Bitte lächeln! (© Universal Pictures Germany)

Bitte lächeln! (© Universal Pictures Germany)

Bei all den Stärken in Inszenierung und Skript war es entscheidend für die Wirkung der Geschichte, auf den Punkt zu besetzen. Auch auf dieser Ebene macht „Get Out“ nahezu alles richtig. Daniel Kaluuya und Allison Williams harmonieren als Hauptfiguren prächtig und geben den Zuschauern den Halt, der während einer derartig originellen Geschichte benötigt wird, um den Faden nicht zu verlieren. Bradley Whitford und Catherine Keener spielen nett und nahbar, aber dabei subtil bedrohlich, weswegen der Zuschauer auch die Sorgen von Chris besser nachvollziehen kann. Der junge Caleb Landry Jones darf als schmieriger Bruder von Rose den Widerling geben. Ein Sonderlob verdient sich Betty Gabriel als Haushälterin Georgina, die oft nur mit schrägen Blicken und einem verhuschten Grinsen dafür sorgt, dass eine ohnehin schon angespannte Szenerie noch eigenartiger wird.

Wer auf hohem Niveau jammern will, könnte anführen, dass das Finale zwar zufriedenstellend, aber ziemlich konventionell ist. Dennoch bleibt „Get Out“ die vielleicht größte Überraschung des bisherigen Kinojahres. Einfallsreich, spannend, intelligent, humorvoll, böse und skurril entwickelt sich der wohl beste Genrefilm seit vielen Jahren, der sich jeden Vergleichsmustern entzieht und schon so die nahezu euphorischen Reaktionen komplett rechtfertigt.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: Universal Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

Get Out

Originaltitel:Get Out
Regie:Jordan Peele
Darsteller:Daniel Kaluuya, Allison Williams, Bradley Whitford, Caleb Landry Jones,
Stephen Root, Lakeith Stanfield, Catherine Keener
Genre:Thriller, Satire
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:Universal Pictures Germany
Länge: 104 MinutenFSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 04.05.2017
Facebook-Seite:Get Out

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 01.05.2017
Review: Get Out (Kino)

{lang: 'de'}

Leave A Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.