Review: The Cabin in the Woods (Kino)

Dana in Panik (Quelle: Universum Film)

Dana in Panik (Quelle: Universum Film)

Fünf College Twens planen einige Tage außerhalb, in der Waldhütte des Cousins von Football-Athlet Curt (Chris Hemsworth) zu verbringen. Natürlich gehören Alkohol, Sex und Drogen dazu, da Curts Freundin Jules (Anna Hutchison), ihre Freundin Dana (Kristen Conolly) mitnimmt, um diese mit Curts Freund Holden (Jesse Williams) zu verkuppeln. Der dauerbreite Marty (Fran Kranz) komplettiert das Quintett mit seinen Sprüchen und Verschwörungstheorien. Angekommen in der verschrobenen Hütte, entdecken die fünf nach einer ersten ausgelassenen Nacht im Keller einige obskure Gegenstände wie schaurige Puppen, alten Schmuck und ein Tagebuch, in dem die Tragödie eines verstümmelten Mädchen erzählt werden. Noch sich lachend Gruselgeschichten erzählend, merken die fünf nicht, dass sie nicht alleine sind.

Was eine oft zitierte Phrase in pseudo- intelligenten Thrillern ist, stimmt manchmal tatsächlich für die Filme selbst: Nichts ist so, wie es zu sein scheint. Jeder der 1996 Wes Cravens „Scream“ als billigen Teenie-Horrorfilm abtat, ohne die geniale, Horrorfilm persiflierende Ebene zu sehen, weiß das es eine bedeutende Metaebene geben kann. Dasselbe gilt jüngst für das Meisterwerk „Drive“, das viele häufig zunächst als Brutalo-Thriller ohne Tiefgang bewerten, bis sie erkennen, dass viel mehr ohne Dialoge und Action kommuniziert wird, als zunächst den Anschein macht. „Cabin in the woods“ schlägt ähnlich stark in diese Kerbe: Direkt nach dem Film, hätte ich ihm wohl 2 Punkte weniger gegeben – nach einer Reflektion, muss ich aber konstatieren, dass ich es mit einem der intelligentesten Horrorfilme mindestens seit „Scream“ zu tun hab. Leider haben Rezensionen das Problem, zumindest den Plot anzureißen, was aber in diesem Fall geradezu tödlich für den Filmgenuss wäre. Diese Rezension beschreibt deswegen bewusst nur einen Bruchteil der Handlung, der auch im offiziellen Kinotrailer ersichtlich ist.

Und Ja, das klingt nach dem Xten Teenie-Horror-Blockhüttenmassaker, wie es abgedroschener nicht sein könnte, aber der Schein trügt – und wie! Was schon mit der ersten Szene klar wird: Hier ist rein gar nichts so, wie der Zuschauer es erwarten würde. Es wird nicht einfach nur mit den Genrekonventionen gespielt und diese parodiert – hier wird exakt seziert und etwas völlig neues gewagt. Von der ersten Minute an ist nicht klar wohin es geht und dies bleibt bis zur allerletzten Sekunde so. Dabei ist der Film doch so konventionell in seinen Grundfesten:

Mit „Thor“-Darsteller Chris Hemsworth steht das sportliche Alphamännchen, Anna Hutchison mimt das sehr freizügige Eye-Candy, Fran Kranz ist für die Lacher zuständig und das Paar Kristen Conolly und Jesse Williams treiben als geerdeste Charakterpole die Story voran. Natürlich sind die Twens sexy und cool, die Location von vornherein gruselig und runtergekommen und der Redneck, mit blutunterlaufenen Augen und mystischen Andeutungen darf auch nicht fehlen. Genreüblich sind die Schauspielleistungen zweckdienlich, es wird hier und da entsetzt geschriehen – so weit so üblich.Doch das alles ist reines Kalkül.
Wer die Regeln des Horrorgenres kennt, wird gleich mehrfach vorgeführt, bleibt aber dennoch bei der Sache, da die Gore- und Schockhäppchen perfekt dosiert sind.

Nicht noch ein Teenie-Horrorfilm!

Auch ein Nerd wird manchmal böse (Quelle: Universum Film)

Auch ein Nerd wird manchmal böse (Quelle: Universum Film)

Doch immer dann, wenn man denkt hinter das Spiel gekommen zu sein, gibt es wieder einen hämischen Schlag in die Magengrube. Dabei werden filmtechnisch schwere Geschütze aufgefahren: Regisseur und ex-“Lost“ Autor Drew Goddard springt spielend zwischen gleich mehreren Erzählebenen und Stimmungen die verschiedener nicht sein können. Dazu kommt der irreführende, dennoch grandiose Score von David Julyan und Effekte von Trash bis ambitioniert. Besonders die durchweg perfekten Schnitte samt „Odyssee-im-Weltraum“-Gedenk-Match-Cut legen Fährten, von denen man schnell nicht mehr weiß, ob man ihnen folgen soll.

 Quo Vadis Horrofilm? Es scheint, dass dem Genreliebhaber nur noch Remakes, Fortsetzungen und Horror von der Stange serviert werden, die sich, wenn überhaupt, nur noch im Gewaltfaktor steigern. Figurenzeichnung, Geschichte, Spannung, Innovation? Mangelware! Dem geneigten Horrorfilmfan erschließen sich alle Wendungen schon tausend Meter gegen den Wind. Es ist von vornerein klar wer wann stirbt und was hinter dem von Grund auf bösen Antagonisten steckt. Die „Cabin in the Woods“-Macher schien genau das zu stören. Doch einfach nur anders machen, wollten Sie nicht. Sie wollten in bester Berthold Brecht Manier dem ganzen Horrorapperat, samt Branche und Zuschauer den Spiegel vorsetzen. Der Film ist Horrorfilm auf zwei Ebenen: Als direkt erlebbarer Horror und als Dokumentation über Horrorfilme selbst. Ein Horrorfilm, der den Horror des schlechten Horrorfilms zeigt, quasi.

Gruppe im Campingwagen (Quelle: Universum Film)

Gruppe im Campingwagen (Quelle: Universum Film)

Am Ende bleibt der Zuschauer dann fragend und vorgeführt zurück. Was war das eben? War es eine Parodie? Der größte Konventionenbruch in der Geschichte des Genres? Das der Film schon 2009 abgedreht wurde, Universum aber nicht wusste wie man den Film vermarkten sollte und erst mit Avenger Chris Hemsworth als Zugpferd einen Kinostart veranlasste, war klar: Dies ist weder ein Standard Teenie-Horrorfilm, noch ein Gore-Gewaltporno. Es ist aber auch kein zäher Mysterygummi, wo scheinbar wahllos irgendwas gefilmt wurde – mal schauen was andere rein interpretieren. Im Grunde genommen ist der Film straight erzählt. Und entlarvt so knapp 40Jahre Horror (ja Halloween hat auch schon 34Jahre auf dem Buckel) und ganz nebenbei auch genau die, die das so leer gesaugte Genre einfach nicht sterben lassen: Den Zuschauer. Vielleicht ist das der Grund, warum zuerst der Eindruck bleibt, eine zwar originelle Geschichte gesehen zu haben, die aber im Teenie-Trashgewand trotzdem höchstens Durchschnitt ist. Vielleicht sind wir schon so abgestumpft und gelangweilt vom Einheitsbrei, dass wir es gar nicht wahrhaben wollen, dass 2012 noch Meisterwerke des Horrors zu sehen sind. Vielleicht wollen wir das auch gar nicht, weil das hieße, dass wir jahrelang die unzähligen Horrorfilme akzeptiert, ja sogar unterstützt haben. Wenn der bekiffte Marty an einer Stelle herum spinnt, dass es vielleicht an der Zeit wäre, dass die Menschheit ausgetauscht wird, ist das vielleicht ein zartes Resümee zum Genre “Horror” und Motiv des Films: Horror ist tot, lang lebe “The Cabin in the Woods”.

4,5 von 5 Punkten

Ab dem 06.09.2012 können sich die deutschen Kinogänger von der Qualität des Film überzeugen.


Quelle: Universum Film, YouTube

The Cabin in the Woods

Originaltitel:The Cabin in the Woods
Regie:Drew Goddard
Darsteller:Chris Hemsworth, Kristen Connolly, Jesse Williams, Richard Jenkins
Genre:Horror
Produktionsland/-jahr:USA, 2009
Verleih:Universum Film
Länge:95 Minuten
FSK:ab 16 Jahren
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