Film Festival Cologne: Babylon Berlin – Episode 1-6

Ein Kölner in Berlin (© X Filme)

Ein Kölner in Berlin (© X Filme)

Inhalt: Ende April des Jahres 1929 bereitet sich fast die ganze Berliner Polizei schon auf einen unruhigen 1.Mai mit zahlreichen Arbeiterdemonstrationen vor. Genau zu dieser Zeit kommt der Kölner Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch, „Outside the Box“) nach Köln, um mit seinem Kollegen Bruno Wolter (Peter Kurth, „Herbert“) in der Porno-Szene zu ermitteln. Schon bald kommt es zu ersten Ergebnissen, aber Wolter vermutet, dass Rath andere Beweggründe als er hat, den Fall voranzubringen. Währenddessen plant der berühmte Geiger Kardakov (Ivan Shvedoff), der eine kommunistische Untergrund-Organisation anführt, zusammen mit seiner Geliebten Svetlana (Severija Janusauskaite) einen Coup, um die Genossen in der Heimat zu unterstützen. Der russische Geheimdienst sorgt aber dafür, dass die Situation für Kardakov schnell lebensgefährlich wird. Die junge Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries, „Boy 7“) kommt aus ziemlich ärmlichen Verhältnissen. Mit Jobs als Gelegenheits-Prostituierte und als Aushilfe bei der Polizei schafft sie es, ihre Familie zu unterstützen und die Party-Szene der Stadt zu genießen. Eher zufällig geraten sie und Rath in die Verschwörung rund um Kardakov. Da mit wenig Unterstützung von offizieller Seite zu rechnen ist, starten die beiden eine eigene Ermittlung.

Kritik: Seit ein paar Jahren ist in der deutschen Film- und Serienlandschaft immer wieder von „Babylon Berlin“ zu hören. Nach langer Vorarbeit, 38 Millionen Euro Budget und der ersten Serien-Co-Produktion von einem öffentlich-rechtlichen und einem Privatsender warten die ersten 16 Episoden nun auf ihre Veröffentlichung. Zwei Tage nach der Deutschland-Premiere in Berlin feierte die Serie am 30.09.2017 im Filmpalast Köln beim Film Festival Cologne auch ihre NRW-Premiere. In Anwesenheit von den drei Showrunnern Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten, den Hauptdarstellern Volker Bruch und Liv Lisa Fries, Volker Kutscher, dem Autor der Romanvorlage, sowie weiteren Team-Mitgliedern, bekam das Publikum gleich sechs Episoden der Serie (sowie ein Q&A mit dem sichtlich gelösten und gut gelaunten Team nach Folge 2) zu sehen.

Charlotte führt ein abwechslungsreiches Leben (© X Filme)

Charlotte führt ein abwechslungsreiches Leben (© X Filme)

Schon in den ersten Momenten lässt sich ausmachen, dass die Serie absolut bahnbrechend für das deutsche Fernsehen sein dürfte. Vor einer spektakulären und fantastisch ausgestatteten Kulisse entfaltet sich eine vielschichtige Geschichte, die aber trotz eines gewissen Anspruchs nie zu unübersichtlich wird. Regelmäßige Zuschauer deutscher Produktionen dürften allein schon dankbar sein, dass beim Setting der Weimarer Republik der aufkeimende Nationalsozialismus nicht thematisiert wird. In erster Linie ist die Serie ein Porträt des damaligen Zeitgeistes. Die instabile Demokratie, die wachsende kommunistische Bewegung, das steigende Misstrauen zwischen Staatsorganen und Bevölkerung, aber auch leicht verdaulichere Bestandteile wie die Berliner Party-Szene werden hier anschaulich gezeigt.

Bei all den geschichtlichen Eckpunkten ist „Babylon Berlin“ aber keinesfalls belehrend. Viel mehr geht es merklich darum, smartes und unterhaltsames Fernsehen zu bieten. Diesbezüglich liefert die Serie in den ersten sechs Episoden ausnahmslos. Ob es jetzt der temporeiche Verschwörungs-/Krimi-Plot, der Atmosphäre bildende Berliner Slang oder toll inszenierte Centrepieces wie eine Gesangs- und Tanzeinlage in der zweiten Episode sind. Hier entsteht spürbar eine eigene Welt, in die der Zuschauer eintauchen kann. Bei dem bekannten Potenzial standen die Darsteller natürlich Schlange, um Teil des Projektes zu werden.

Nachts brummt das Leben in Berlin (© X Filme)

Nachts brummt das Leben in Berlin (© X Filme)

Mit Volker Bruch und Liv Lisa Fries wurden zwei Darsteller gefunden, die dem Material vollauf gerecht werden. Volker Bruch gibt in diesen ersten Episoden überzeugend den ernsthaften und auch ziemlich geheimnisvollen Gereon Rath, der sich als Fremder erst einmal in Berlin zurecht finden muss. Liv Lisa Fries bekommt in den Anfängen schon ein paar zusätzliche Facetten für ihre Figur spendiert. Als lebenslustige und intelligente Berliner Schnauze, die auch mit den Härten des Lebenszurecht kommt, ist sie absolut wundervoll. Dazu haben die beiden eine komplett stimmige Chemie. Ein heimlicher Star der Serie ist in jedem Fall Peter Kurth. Als grobschlächtiger Sprücheklopfer, den sich niemand zum Feind machen sollte, macht er extrem viel Spaß. Mit Lars Eidinger, Christian Friedel, Matthias Brandt, Benno Fürmann, Karl Markovics, Leonie Benesch, Godehard Giese, Pit Bukowski und einigen mehr sammelt sich schon in den ersten Episoden ein ganzes Arsenal an deutschen Qualitäts-Schauspielern an.

Nach einer Anlaufphase von fast fünf Jahren liefern Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten eine Produktion, die – falls sie nicht überraschend einbrechen sollte – die komplette deutsche Serienlandschaft nachhaltig verändern sollte. Es gelingt, dieses Mammut-Projekt derart homogen und zugänglich zu gestalten, dass das Publikum schon bald die Luft der 20er-Jahre atmet. Seien es Ausstattung, Musik, Inszenierung, Drehbücher oder Schauspieler: „Babylon Berlin“ erreicht in allen Bereichen Top-Niveau und wird so den gigantischer Erwartungen zu jeder Zeit gerecht.

4,5 von 5 Punkten

Die Serie ist ab dem 13.10.2017 im Programm von Sky zu sehen.


Quelle: Sky, YouTube

Babylon Berlin - Episode 1-6

Originaltitel:Babylon Berlin - Episode 1-6
Showrunner:Tom Tykwer, Henk Handloegten, Achim von Borries
Darsteller:Volker Bruch, Liv Lisa Fries, Peter Kurth, Matthias Brandt, Leonie Benesch, Lars Eidinger
Genre:Serie, Krimi/Drama
Produktionsland/-jahr:Deutschland,2017
Vertrieb:Beta Film GmbH
Länge:6 x 45 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Sky

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 01.10.2017
Review: This Is Your Death

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