„Mama gegen Papa“- Special: Warum abgründiger und böser Humor im Kino besonders viel Spaß macht

Bei "Mama gegen Papa" wird der Familienfrieden auf den Kopf gestellt

Bei “Mama gegen Papa” wird der Familienfrieden auf den Kopf gestellt (© Tobis Film)

Der Mensch lacht gerne. Das ist eine ebenso banale wie wahre Tatsache. Humor kann leichtverdaulich, charmant oder auch einfach nur simpel sein. Wir freuen uns und fühlen uns in den meisten Fällen einfach gut. In vielen Fällen macht Humor aber besonders viel Spaß, wenn er im Alltag dort eigentlich nicht hingehört. Das satirische Spiel mit Konventionen nimmt vielen sehr ernsthaften Themen die Schärfe und gibt ihnen so für uns eine noch extremere Fallhöhe. Ein perfektes Beispiel ist da die französische Produktion „Mama gegen Papa“, die von Tobis Film am 09.07.2015 in die deutschen Kinos gebracht wird. Auf dem Papier scheint die Handlung so gar nicht amüsant zu werden:

 

Eigentlich haben Florence (Marina Foïs) und Vincent Leroy (Laurent Lafitte, „Ein MordsTeam“) alles was sie sich wünschen können. Ihre Karrieren laufen wie am Schnürchen und für ihr Haus, in dem sie mit ihren Kindern Mathias (Alexandre Desrousseaux), Emma (Anna Lemarchand) und Julien (Achille Potier) leben. Da die Ehe nicht mehr funktioniert, wollen beide sich scheiden lassen. Wie bei den meisten anderen, geht jetzt der Kampf ums Sorgerecht los. Doch im Gegensatz zur Norm würden sowohl Vincent als auch Florence die Kinder lieber beim Gegenüber sehen, da das Leben als alleinerziehendes Elternteil so gar nicht in die Karriereplanung passt. Der Richter gibt den unwilligen Eltern drei Wochen zur Entscheidung. Genug Raum, um den Kindern das Zusammenleben so gut es geht zu vermiesen.

Hier gibt es sicher keine Muster-Eltern (©Tobis FIlm)

Hier gibt es sicher keine Muster-Eltern (©Tobis FIlm)

Eine Scheidung ist immer schlimm und wird noch extremer, wenn Kinder involviert sind. Die ohnehin unangenehme Situation noch dadurch zu toppen, dass kein Elternteil wirklich mit dem Nachwuchs leben möchte, könnte zu einem Zusammenbruch führen. Eine andere Alternative ist es, dem Zuschauer mit einem Augenzwinkern vorzuführen, was hier falsch läuft und ihn einfach darüber lachen zu lassen. Im Prinzip jeder Vater und jede Mutter hat sich schon einmal (in vereinzelten Situationen) gewünscht, die Sprösslinge fortzujagen und sich nur noch um sich selbst kümmern zu müssen. Somit hält die Reaktion von Florence und Vincent jedem den Spiegel vor. Wenn dann noch wie im vielversprechenden Trailer das Timing stimmt, lacht jeder der Zuschauer gern auch einmal über sich selbst.

Natürlich gibt es auch noch eine Menge anderer Klassiker des schwarzen Humors, die den Zuschauer seit Generationen mit skurrilen, ungewöhnlichen und morbiden Szenarien unterhalten. So hat schon Regie-Legende Alfred Hitchcock im Jahr 1955 mit „Immer Ärger mit Harry“, wo eine missliebige Leiche einfach nicht verschwinden will, dieser Art von Ironie bemächtigt. Die Großmeister des abseitigen und fiesen Humors sind aber sicherlich die Coen-Brüder, die kaum sonst noch jemand Geschichten wie „Fargo“, „The Big Lebowski“ oder „No Country for Old Men“ erzählen konnten. Noch recht aktuell begeht Ryan Reynolds in „The Voices“ auf Befehl seiner Haustiere Morde und James Franco nimmt gemeinsam mit Seth Rogen in „The Interview“ den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un aufs Korn. Auch in der Serienlandschaft ist der bissige, düstere Humor inzwischen ein fester Bestandteil. So folgten Millionen Fans auf der ganzen Welt mit Begeisterung über acht Jahre dem Serienkiller „Dexter“ auf seinen Abenteuern, bei denen er mit Vorliebe Gangster unter die Erde brachte.

Wenn Humor nicht mehr reicht... (©Tobis FIlm)

Wenn Humor nicht mehr reicht… (©Tobis FIlm)

Viele Europäer scheinen ein besonderes Faible für dieses Genre zu haben. So kommt der Name „Britischer Humor“ nicht von ungefähr, wenn wir die Monty Pythons („Das Leben des Brian“), Danny Boyle („Trainspotting“) oder Guy Ritchie („Snatch“) bei der Arbeit beobachten. Auch die Skandinavier haben ein besonderes Talent, eigentlich bittere Geschichten mit vielen Lachern auszustatten, wie Kultfilme im Stil von „In China essen sie Hunde“ und „Adams Äpfel“ beweisen. Auch die Franzosen konnten schon vor „Mama gegen Papa“ ihre Erfolge in diesem Bereich liefern und hatten mit „Ziemlich beste Freunde“ einen der größten europäischen Kinoerfolge der letzten Jahre gehabt.

So haben fast alle diese Filme die Gemeinsamkeit, dass sie in der Realität verankert sind und sich Sachen trauen, die sich im wahren Leben eher keiner traut. Sie setzen die ein oder andere böse Fantasie des Zuschauers um, die dieser sich sonst nicht eingesteht. Dabei kratzen die guten Filme dieser Art oft an der Geschmacklosigkeit, umschiffen diese, hinterlassen aber ihre Botschaft. Es gibt genug Elend, Stress, Hoffnungslosigkeit, Mord und Totschlag auf der Welt. Manchmal muss dem einfach der Kampf angesagt werden, indem wir darüber lachen. So kann auf der Leinwand auch eine Scheidung etwas Befreiendes haben, wenn sich die Eltern einen schrillen, überdrehten und unkonventionellen Rosenkrieg liefern. Darum können wir nur noch sagen: Ring frei, Runde 1 für „Mama gegen Papa“.


Quelle: Tobis Film, Leinwandreporter TV, YouTube

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 06.07.2015
“Mama gegen Papa”- Special: Warum abgründiger und böser Humor im Kino besonders viel Spaß macht

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