Review: 42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende (Kino)

Das Hauptplakat von "42" (Quelle: Warner Bros.)

Das Hauptplakat von “42” (Quelle: Warner Bros.)

Inhalt: Kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges ist es für schwarze Spieler noch absolut unmöglich, in der Major League Baseball zu spielen. Große Talente wie Jackie Robinson (Chadwick Boseman) kommen daher nur in einer eigenen afroamerikanischen Liga zum Einsatz. Branch Rickey (Harrison Ford, „Apocalypse Now“), der alternde Clubchef der Brooklyn Dodgers, entscheidet sich eines Tages, gegen dieses unausgesprochene Tabu zu verstoßen und Jackie zum ersten dunkelhäutigen Spieler der Major League zu machen. Wie erwartet sehen sich die beiden bald massiven Anfeindungen von Publikum, Presse und Kollegen ausgesetzt. Besonders Jackie wird immer wieder Opfer rassistischer Anfeindungen und Drohungen, die teilweise sogar aus dem Kreis des eigenen Teams kommen. Er darf sich aber nicht beschweren oder sich wehren, da jede unbedachte Aussage seine junge Karriere beenden könnte. So konzentriert er sich darauf, mit seinem Spiel zu gefallen und verdient sich nach und nach den Respekt seiner Mitmenschen.

 

Kritik: In den Zeiten von Rassismus und Rassentrennung setzten Jackie Robinson und Branch Rickey ein großes Zeichen für Toleranz und veränderten mit ihrem Einsatz nicht nur die Welt des Sports. Jetzt haben sie von Brian Helgeland („Payback – Zahltag“) ihr filmisches Denkmal gesetzt bekommen. Der Oscar-Preisträger (für das „L.A. Confidental“-Drehbuch) erzählt eine berührende, großartige Geschichte, die zwar nicht ganz frei von Pathos ist, aber zu den bedeutendsten und besten Sportdramen der vergangenen Zeit gehören dürfte. Er zeigt schonungslos diese recht fremd wirkende, aber noch gar nicht lang vergangene Welt, in der dunkelhäutige Amerikaner noch offen als Menschen zweiter Klasse behandelt wurden und beispielsweise nicht die gleichen Toiletten wie die Weißen benutzen durften.

Verdiente Ehren mit einer packenden Verfilmung

Jackie unterzeichnet seinen großen Vertrag (Quelle: Warner Bros.)

Jackie unterzeichnet seinen großen Vertrag (Quelle: Warner Bros.)

Etwa 20 Jahre bevor es zu den großen Protesten kam, war der Einsatz und Mut eines Jackie Robinson, der 1962 in die Baseball Hall of Fame gewählt werden sollte, gar nicht hoch genug anzurechnen. Dieser Film wird der Person in jedem Fall gerecht. Praktisch ohne Leerlauf wird hier eine fesselnde Erzählung geliefert, die weit über den Sport hinausgeht. Wenn ein,von Alan Tudyk stark verkörperter, rassistischer Südstaatler, der das gegnerische Team trainiert, Robinson bis aufs Blut reizt und beleidigt, wird der ein oder andere schlucken. Eine spätere Versöhnung zu Gunsten der Medien bringt wiederum Wohlfühlkino, wie es sein sollte. Die Momente, wenn sich Pee Wee Reese (Lucas Black) offen auf dem Feld mit Jackie solidarisiert, oder wenn Branch Rickey das entscheidende Auswärtsspiel einsam im Heimstadion mit der Radioübertragung durch die Lautsprecher verfolgt, sind großes Kino. Manch melancholischer Moment mit ausgedehnter Nationalhymne und penetranten Zeitlupen stößt aber eher leicht säuerlich auf.

Pee Wee Reese bekennt sich zu seinem Kollegen (Quelle: Warner Bros.)

Pee Wee Reese bekennt sich zu seinem Kollegen (Quelle: Warner Bros.)

Hauptdarsteller Chadwick Boseman, der bislang hauptsächlich als Gaststar in Serien wie „Fringe“ oder „Justified“ zu finden war, dreht hier groß auf. Mit toller Präsenz und einer Menge Charisma überzeugt er in dieser anspruchsvollen Rolle auf ganzer Linie. Für ihn könnte diese Rolle der große Durchbruch sein. Eine Stärke von „42“ sind außerdem die zahlreichen, toll ausgearbeiteten Nebencharaktere. Als brummeliger, aber wortgewandter Branch Rickey zeigt Harrison Ford seine beste Leistung seit vielen Jahren und nutzt den Platz, der ihm gegeben wurde, um sich schon in Richtung der kommenden Oscars als ernsthafter Kandidat zu bewerben. Wie er einen alten Weggefährten (Max Gail) mit Charme und Geschick zum helfen in seiner Sache überzeugt, gehört zu den besten Momenten des Filmes.

Auf seine alten Tage revolutioniert Rickey das Baseball-Geschäft (Quelle: Warner Bros.)

Auf seine alten Tage revolutioniert Rickey das Baseball-Geschäft (Quelle: Warner Bros.)

Auch die schöne Nicole Beharie („Shame“) in der Rolle von Jackies Ehefrau hinterlässt einen starken Eindruck. Christopher Meloni („Man of Steel“) hat als Teammanager der Dodgers seinen großen Auftritt, als er mitten in der Nacht sein Team in einer Hotelküche zusammenfalten darf. John C. McGinley („Alex Cross“) darf hier nach „An jedem verdammten Sonntag“ zum zweiten Mal den Reporter mimen und schlägt dabei angenehm ruhige Töne an. Weitere tolle Schauspieler wie Andre Holland („Bride Wars“), Ryan Merriman („Final Destination 3“), die bereits erwähnten Alan Tudyk („Tucker & Dale vs. Evil“), Max Gail („Barney Miller“) und Lucas Black („Jarhead“), sowie einige mehr sorgen mit für die Kurzweiligkeit des Filmes.

Hätte Brian Helgeland auf etwas amerikanischen Pathos verzichtet, wäre ihm mit „42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende“ ein großer Wurf gelungen. So ist die Geschichte aber immer noch so stark, emotional und zeitweise auch witzig, dass die rundum gelungene Besetzung für ein sehenswertes Kinoerlebnis sorgen kann, was wohl auch bei einigen Preisverleihungen in vorderer Reihe mitspielen wird.

4 von 5 Punkten


Quelle: Warner Bros, YouTube

42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende

Originaltitel:42
Regie:Brian Helgeland
Darsteller:Chadwick Boseman, Harrison Ford, Nicole Beharie
Genre:Sportdrama
Produktionsland/-jahr:USA, 2013
Verleih:Warner Bros.
Länge:128 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:08.08.2013
Homepage:Der Internetauftritt-Auftritt von "42"

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Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 02.08.2013
42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende (Kino)

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