Review: Der Pate Trilogie (4K-UHD)

Der Pate

Das neue Cover vom 4K-Digipack von "Der Pate" (© Paramount Pictures)

Das neue Cover vom 4K-Digipack von “Der Pate” (© Paramount Pictures)

Inhalt: Don Vito Corleone (Marlon Brando, „Apocalypse Now“) ist der Kopf einer gefürchteten italienischen Mafia-Familie, die in der Welt des Glücksspiels eine große Rolle spielt. Bei der Hochzeit von Corleones Tochter Connie (Talia Shire) versammelt sich ganze Umgegend. Selbst der entfremdete Sohn Michael (Al Pacino, „House of Gucci“) kehrt nach Hause zurück. So bekommt er den Auftakt in einen blutigen Bandenkrieg mit. Unter den vielen Bittstellern, die sich in der Zeit der Freude an die Familie wandten, befand sich auch „Der Türke“ Sollozzo (Al Lettieri), der die Corleones von einem Deal in der Drogenwelt überzeugen will. Nach der Ablehnung durch Vito stapeln sich bald in der ganzen Unterwelt die Leichen, was einen Fortbestand der Familie immer schwieriger macht.

 

Kritik: Sagenhafte 50 Jahre sind inzwischen vergangen, seitdem der damals noch relativ unbekannte Regisseur Francis Ford Coppola 1972 den Roman „Der Pate“ von Mario Puzo adaptierte und absolute Filmgeschichte schrieb. Unterstützt von der tollen Restauration des Materials ist der 175-minütige Epos komplett zeitlos und schafft es dabei, wirklich keinerlei Fehler zu machen. Trotz der Gemütsruhe, mit der Coppola seine Geschichte erzählt, hat der Film kein Gramm Fett zu viel auf den Rippen und entwickelt eine unglaublich dichte Atmosphäre. Das liegt sicherlich an den zahllosen Sequenzen, die wohl jeder zweite Cineast mitsprechen kann („Du kommst in mein Haus, am Hochzeitstag meiner Tochter…“) oder als Sprichwort parat hat (Pferdekopf). Auch die drastischen und konsequenten Wendungen, mit denen „Der Pate“ sein Publikum schockt, haben sicherlich ihren Teil zum Fortbestand dieses Kulturguts beigetragen.

Marlon Brando macht ein Angebot, das man nicht ablehnen kann (© Paramount Pictures)

Marlon Brando macht ein Angebot, das man nicht ablehnen kann (© Paramount Pictures)

Das größte Pfund dürfte aber sicherlich die unglaubliche Besetzung gewesen wären. Marlon Brando, der selbst große Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit als (fast 20 Jahre älterer) Mafiapate pflegte, entwickelte mit ruhiger, heiserer Stimme und ausgestopften Backen eine Figur mit ewig andauerndem Wiedererkennungswert. Der damals noch unerfahrene Al Pacino legte mit Michael Corleones Weg vom distanzierten Kriegsveteran zum Familienoberhaupt den Grundstein für seine immer noch andauernde Weltkarriere. James Caan als unberechenbarer Sonny Corleone, Robert Duvall als stets höflicher Familienanwalt Tom Hagen und Diane Keaton in der Rolle der geduldigen Freundin Kay Adams sind nur die bekanntesten Namen in einem spektakulären Cast. Hinzu kommen u.a. die (beide leider jung verstorbenen) Charaktermimen Al Lettieri und John Cazale, die als Sollozzo bzw. Fredo jeder Szene ihren Stempel aufgedrückt haben.

 

Die Corleone-Familie vereint (© Paramount Pictures)

Die Corleone-Familie vereint (© Paramount Pictures)

Es gibt sicherlich Filme, bei denen der Begriff „Klassiker“ über einige (mit den Jahren aufgetretene) Probleme hinwegtäuschen soll. Francis Ford Coppola hat mit „Der Pate“ ein brillant geschriebenes, inszeniertes und gespieltes Meisterwerk geschaffen, das dank der technischen Überarbeitung in neuem Glanz erstrahlt.

5 von 5 Punkten

 

Der Pate II

Inhalt: Im frühen 20. Jahrhundert flüchtet der junge Vito Corleone (Robert De Niro) von Italien nach New York. Er gründet eine Familie und versucht, sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. Als er sein Talent für die organisierte Kriminalität entdeckt, übernimmt er bald eine prägende Rolle in seinem Viertel.

Michael droht Ungemach (© Paramount Pictures)

Michael droht Ungemach (© Paramount Pictures)

Jahrzehnte später: Michael Corleone (Al Pacino) ist längst zum landesweit geachteten und gefürchteten Paten aufgestiegen. Sein Wunsch, die Organisation in legale Fahrwasser zu bekommen und ein Casino-Monopol in Las Vegas und dem von der Revolution durchgerüttelten Havanna zu errichten, stößt nicht nur auf Gegenliebe. Ein brutales Attentat auf dem Grundstück der Corleones bringt die Situation zu Eskalation.

 

Kritik: Zwei Jahre nach dem großen Erfolg des ersten Teils legte Francis Ford Coppola mit seinem Team eine Fortsetzung nach, die eigentlich zwei Filme in einem Paket kombiniert und mit sagenhaften 200 Minuten Spielzeit noch unhandlicher als sein Vorgänger ist. Da sich die parallel laufenden Geschichten über Aufstieg und Tragödien von zwei Corleone-Männern wunderbar ergänzen und „Der Pate II“ jede Sekunde mit Leben füllen kann, hält sich jetzt seit knapp fünf Dekaden die Diskussion unter Cineasten, welcher „Pate“-Teil denn jetzt der Überlegene sei. Diese Frage lässt sich definitiv nicht endgültig beantworten, da dieses Sequel noch sehr viel persönlichere Töne anschlägt.

Alle Fäden laufen bei einer Jahrhundert-Performance von Al Pacino zusammen, dessen von der Verantwortung zerfressene Michael in diesem Film noch sehr viel mehr Ebenen bekommt und sich zwischen Brutalität, Tragik („Ich weiß, es warst du…“) und durchaus vorhandenen Sympathiewerten zu einer Figur für die Ewigkeit entwickelt. Robert De Niro als stoischer Vito, der mit Bauernschläue zum Don aufsteigt, ist eine glaubwürdige (und gleichermaßen mit dem Oscar prämierte) Jungfassung von Brandos Charakter und ein starkes Gegengewicht zu Pacino. Die wiederkehrenden Darsteller wie Robert Duvall, Talia Shire und Diane Keaton zeigen starke Leistungen, rücken aber gegenüber einem unglaublichen John Cazale in den Hintergrund, der hier als Fredo (vermutlich) den darstellerischen Höhepunkt seiner viel zu kurzen Karriere erlebte. Der legendäre Lee Strasberg und Michael V. Gazzo sind weitere Eckpfeiler eines Erfolges für die Ewigkeit.

Ob man jetzt zwingend einen Favoriten wählt oder nicht: „Der Pate II“ verlangt wieder viel von seinem Publikum ab, belohnt die Geduldigen aber mit atemberaubenden Kino, das wie sein Vorgänger bis heute geltende Referenzwerte im Segment „Meisterwerk“ geliefert hat.

5 von 5 Punkten

 

Mario Puzos Der Pate, Epilog: Der Tod von Michael Corleone

Vincent lässt sich nicht so schnell unterbuttern (© Paramount Pictures)

Vincent lässt sich nicht so schnell unterbuttern (© Paramount Pictures)

Inhalt: Nach über 20 Jahren an der Macht versucht Michael (Al Pacino) immer noch sein Möglichstes, um die Corleone-Familie auf komplett legale Pfade zu führen. Ein lukrativer Immobiliendeal soll die Lösung sein. Das ruft allerdings andere Mafia-Clans auf den Plan, die ihr Stück vom Millionen-Kuchen abhaben wollen. Nach seiner Trennung von Kay (Diane Keaton) hat Michael privat nur noch gelegentlichen Kontakt mit seinen Kindern gehabt. Während er sich seiner Tochter Mary (Sofia Coppola, „Die Verführten“) über das Interesse an wohltätiger Arbeit annähert, kracht es zwischen ihm und Anthony (Franc D’Ambrosio), der sein Jura-Studium zugunsten einer Gesangskarriere aufgeben will, gewaltig. Als dann auch noch Sonnys unehelicher Sohn Vincent (Andy Garcia, „Bent“), ein ehrgeiziger und kompromissloser Heißsporn, im Umkreis der Familie auftaucht, überschlagen sich die Ereignisse.

 

Kritik: Der spät nachgelegte „Der Pate III“, mit dem Francis Ford Coppola seine beiden Klassiker aus den 70ern zu einem runden Ende bringen wollte, war über Jahre eher berüchtigt als berühmt. Zwischen dem belächelten Auftritt von Coppola-Tochter Sofia und einem etwas ziellosen Plot wurde dieser Teil seinen Vorgängern nicht gerecht. Auch deshalb hat sich der Regisseur vor dem Jubiläum noch einmal an den Film gesetzt und die „Der Pate, Epilog: Der Tod von Michael Corleone“ genannte Schnittfassung mit neuem Anfang und Ende sowie anders geordneten Szenen und veränderter Musik umgesetzt. Selbst wenn dieser Epilog immer noch der wenigsten überzeugende Eintrag der Reihe ist: Er ist besser als die Kinofassung und in seiner Gesamtheit ein wirklich guter Film. Die Geschichte hat einen sehr ordentlichen Fluss, das schmerzhafte Ende hinterlässt Eindruck und einige Darstellerleistungen kommen zur Geltung.

Michael und Kay in einem unkomplizierteren Moment ihrer Beziehung (© Paramount Pictures)

Michael und Kay in einem unkomplizierteren Moment ihrer Beziehung (© Paramount Pictures)

Al Pacino in der Rolle seines Lebens ist natürlich ein Hochgenuss („Gerade als ich denke, ich bin draußen, ziehen die mich wieder rein.“). Talia Shire bekommt in diesem dritten Teil, in dem Connie mehr ins Tagesgeschäft einsteigt, das (für ihren Part) wahrscheinlich beste Material der Reihe spendiert. Andy Garcia ist als aufmüpfiger Neffe Vincent das Highlight des Films. Natürlich sind Sofia Coppola und auch Franc D’Ambrosio zu blass, um in diesem Star-Ensemble Eindruck zu hinterlassen. Die teils drastische Kritik war dann doch ein wenig überzogen. Den Part von Diane Keaton hätte man wahrscheinlich ohne große Probleme aus dem Film schneiden können. Allein schon eine bunte Nebenbesetzung mit Eli Wallach, George Hamilton, Joe Mantegna und Bridget Fonda sollte Grund genug sein, Spaß an diesem Schlussakt zu haben.

Obwohl es nicht gelingt, in die Universen von den ersten zwei Teilen vorzustoßen, ist „Der Pate, Epilog: Der Tod von Michael Corleone“ eine zwar nicht makellose, dabei aber sicherlich gelungene Abschiedsrunde der Geschichte, die vielen Fans einen späten Frieden gönnen wird.

4 von 5 Punkten

 

Die Box ist seit dem 24.03.2022 als 4K UHD Blu-ray (+ Blu-ray) im Digipak und als limitierte Collector’s Edition, auf remastered Blu-ray und als DVD-Collection (erstmals inkl. Mario Puzos Der Pate, Epilog: Der Tod von Michael Corleone) sowie als 4K Download erhältlich.

 

Michael nimmt sein Erbe an (© Paramount Pictures)

Michael nimmt sein Erbe an (© Paramount Pictures)

Bild: Das dürfte wohl das Maximum sein, was aus dem in die Jahre gekommenen Material herauszuholen war. Die Schärfe und Detaildarstellung ist gut bis sehr gut. Dabei wurde in allen Filmen eine natürliche, nicht zu heftige Körnung beibehalten. Die kräftige Farbpalette ist beeindruckend. Auch Kontraste und Schwarzwert sind wunderbar eingestellt. Qualitativ steigert sich die Reihe in diesem Bereich von Film zu Film.

4,5 von 5 Punkten

Ton: Der englische Dolby-TrueHD-5.1-Ton ist natürlich das Herzstück dieses Bereichs. Dazu gibt es eine deutsche Dolby Digital 5.1-Vertonung (aktuellere Synchro) und für Puristen beide Versionen in Dolby Digital 2.0 (Mono). Alle Varianten sind sehr sauber und ohne erkennbare, gewaltige Probleme. Technisch muss natürlich hier eindeutig abgestuft werden. Die englische 5.1-Version ist dynamisch und vielseitig. Allerdings bleibt speziell Teil 1 ziemlich fronstlastig. Da aber wohl niemand wegen eines Effektfeuerwerks zu dieser Box gegriffen haben dürfte, können alle Varianten bedenkenlos empfohlen werden.

4 von 5 Punkten

Extras: „Der Pate“ wird durch eine Einführung von Regisseur Francis Ford Coppola und einen optionalen Audiokommentar von ihm ergänzt. Teil 2 beinhaltet ebenfalls einen Audiokommentar von Coppola, während er Teil 3 mit ein paar einführenden Worten zur neuen Schnittfassung eröffnet. Auf der Bonus-4K-UHD-Disc zum dritten Film befinden sich die Kinofassung (inkl. Audiokommentar von Coppola) und die Schnittfassung von 1991. Die Blu-ray enthält die Kinofassung (inkl. Audiokommentar von Coppola). Auf der Bonus-Blu-ray befinden sich die fantastischen neuen Features „Der Kreis schließt sich: Die Erhaltung von Der Pate“ (16 Minuten), „Das Filmen der Corleones: Durch die Linse von Kameramann Steve Schapiro“ (13 Minuten), „Der Pate: Heimkino-Releases“ (9 Minuten) mit „Hinter den Kulissen“-Aufnahmen vom Dreh, sowie „Restauration im Vergleich“ zu Teil 1 (5 Minuten) und Teil 2 (5 Minuten). Hinzu kommen die Original-Features (größtenteils von 2007) „Ein Meisterwerk, das fast keines war“ (30 Minuten), „Die Welt des Paten“ (11 Minuten), „Rettung durch Filmemulsion – Der Pate neu entdeckt“ (19 Minuten), „Als die Dreharbeiten beendet waren“ (14 Minuten), „Der Pate auf dem roten Teppich“ (4 Minuten), Vier Kurzfilme über Der Pate (insgesamt 7 Minuten), „Der Familienstammbaum“ (1 Minute), „Die Organisation“ (4 Minuten), „Connie und Carlos Hochzeitsalbum“, ein vierteiliger Behind-the-Scenes-Beitrag (insgesamt 99 Minuten), eine Masse zusätzlicher Szenen inkl. Einordnung in die Handlung (insgesamt 59 Minuten) , Galerien mit Fotos, Pressestimmen, Auszeichnungen und Verbrechern, der Trailer, ein Kameratest von James Caan (1 Minute), ein Clip aus den „Sopranos“ (2 Minuten), ein kurzer Einzeiler von Mario Puzo (6 Sekunden), eine Spielerei mit der deutschen Synchronisation (1 Minute), das Kurz-Feature „Cosa Nostra & Coppola“ (2 Minuten), sechs Schriftbeiträge über die Köpfe hinter „Der Pate“, eine Chronologie des Paten, der 2008-Abspann und die DVD-Credits. Mehr geht nicht.

5 von 5 Punkten

Gesamt: 4,5 von 5 Punkten


Quelle: Paramount Pictures, YouTube

Der Pate, Der Pate 2 Mario Puzos Der Pate, Epilog: Der Tod von Michael Corleone

Originaltitel:The Godfather, The Godfather II, The Godfather Coda: The Death of Michael Corleone
Regie:Francis Ford Coppola
Darsteller:Al Pacino, Robert De Niro, Marlon Brando, Diane Keaton, Robert Duvall
Genre:Drama, Thriller
Produktionsland/-jahr:USA, 1972-1990
Verleih:Paramount Pictures
Länge:175 Minuten (Teil 1)
200 Minuten (Teil 2)
158 Minuten (Teil 3)
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Paramount Pictures

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 13.04.2022
Review: Der Pate Trilogie (4K-UHD)

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