Review: The Father (Kino)

Das Hauptplakat von "The Father" (© Tobis Film)

Das Hauptplakat von “The Father” (© Tobis Film)

Inhalt: Anthony (Anthony Hopkins, „Der Elefantenmensch“) war immer ein agiler und unabhängiger Mann. Aus diesem Grund lehnt er auch jede Hilfe seiner hingebungsvollen Tochter Anne (Olivia Colman, „The Favourite – Irrsinn und Intrigen“) ab, seitdem er an Demenz leidet. Inzwischen lebt er zwar bei Anne, möchte aber weiter vollkommen eigenständig agieren. So wurde schon zahlreiches Pflegepersonal vergrault und auch die Ehe seiner Tochter mit Paul (Rufus Sewell, „Judy“) leidet bereits massiv. Als das Ehepaar beschließt, gemeinsam nach Paris zu ziehen und Anthony mit Pflegerin Laura (Imogen Poots, „Green Room“) eine professionelle Hilfe an die Seite zu stellen, verschlechtert sich sein Zustand immer mehr. Plötzlich erlebt er einen fremden Mann (Mark Gatiss, „Doctor Who“), der sich als Mitbewohner vorstellt, eine ihm unbekannte Frau (Olivia Williams, „Victoria und Abdul“), die jetzt seine Tochter sein will und die Gewissheit, dass ihm jemand seine Uhr gestohlen hat…

 

Kritik: Im Jahr 2012 feierte der französische Autor Florian Zeller mit dem Theaterstück „Der Vater“ einen großen Erfolg. Acht Jahre später brachte er das Werk bei seinem Regiedebüt auf die Leinwand. Das brachte ihm unter anderem einen Oscar („Bestes adaptiertes Drehbuch“) ein. Der zu 90% in einer Wohnung spielende „The Father“ ist eines der eindringlichsten Dramen der vergangenen Jahre und liefert einen nahezu einmaligen Blick auf das Leben eines Demenzkranken. Die Geschichte wird aus der Sicht des erkrankten Anthony erzählt und folgt den Momenten absoluter Klarheit und den Erinnerungslücken. So gibt es Phasen, in denen der Zuschauer ebenso verwirrt wie der Protagonist ist, da die aktuelle Szenen dem wenig zuvor erworbenen Wissen bewusst widerspricht. Man versteht seine Verzweiflung, die zu unkontrollierten Wutausbrüchen führt.

Anne genießt die klaren Momente ihres Vaters (© Tobis Film)

Anne genießt die klaren Momente ihres Vaters (© Tobis Film)

Ebenso kann man natürlich die Tochter, die ihr Menschenmögliches für ein paar schöne und würdevolle Momente tut, komplett nachvollziehen. Auch dem Schwiegersohn, dessen Nerven langsam am Ende sind, wird wohl keiner einen Vorwurf machen. Zeller trifft mit seiner Geschichte immer den Nagel auf den Kopf und macht aus „The Father“ einen emotional berührenden, teils erschütternden und absolut realistischen Film. Eine brillante Besetzung trägt ihren Teil zu dieser außergewöhnlichen Produktion bei. Leinwand-Legende Anthony Hopkins liefert hier als manchmal charmanter, manchmal cholerischer, manchmal einfach fertiger Demenzkranker eine der nuanciertesten und besten Leistungen seiner Karriere. Sein Oscargewinn war nur folgerichtig. Olivia Colman ist kaum weniger stark. Den emotional hoch anspruchsvollen Part der liebevollen Tochter, die einfach nicht aufgeben möchte, spielt sie mit Herzlichkeit und fast schon roher Glaubwürdigkeit. Die Nebendarsteller Rufus Sewell, Imogen Poots, Olivia Williams und Mark Gatiss komplettieren ein eindrucksvolles Ensemble.

Florian Zellers kammerspielartiges Demenz-Drama ist sicherlich keine leicht verdauliche Kost. Dabei gelingt dem Regisseur und Autor mit dieser Reise in die Psyche und Wahrnehmung eines erkrankten Menschen aber ein erstaunlich treffsicherer, tieftrauriger und auf seine Art faszinierendes Werk. Gepaart mit den Galadarstellungen von Hopkins und Colman ist „The Father“ ohne Zweifel einer der besten Filme des Jahres.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: Tobis Film, YouTube

The Father

Originaltitel:The Father
Regie:Florian Zeller
Darsteller: Anthony Hopkins, Olivia Colman, Mark Gatiss, Imogen Poots
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:UK, 2020
Verleih:Tobis Film
Länge:98 Minuten
FSK:ab 6 Jahren
Kinostart:26.08.2021

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Tobis Film

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 26.08.2021
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