Review: Ammonite (Kino)

Das Plakat von "Ammonite" (© Tobis Film)

Das Plakat von “Ammonite” (© Tobis Film)

Inhalt: Im England der 1820er gehört Paläontologin Mary (Kate Winslet, „The Dressmaker – Die Schneiderin“) zu den besten Wissenschaftlerinnen ihrer Zunft. Als Frau ohne nennenswerte Ausbildung wird sie aber von der Elite ignoriert. Stattdessen betreibt sie in einem Küstenkaff mit ihrer schwer erkrankten Mutter (Gemma Jones, „Rocketman“) einen kleinen Laden, in dem sie selbst gesuchte und mühevoll aufgearbeitete Fossilien an Touristen verkauft. Eines Tages bittet sie ein Kunde (James McArdle, „Maria Stuart, Königin von Schottland“) darum, seine depressive Frau Charlotte (Saoirse Ronan, „Little Women“) bei Mary lassen zu können, um ihr bei Spaziergängen am Strand Zeit zur Gesundung zu geben. Obwohl die etwas spröde Wissenschaftlerin ihre Ruhe sehr schätzt, nimmt sie das lukrative Angebot an. Das unterkühlte Verhältnis der grundverschiedenen Frauen taut erst auf, als Charlotte erkrankt und Marys Unterstützung benötigt. Während dieser Zeit kommen sich die beiden unerwartet näher und entwickeln sogar romantische Gefühle füreinander. Abseits aller gesellschaftlichen Konditionen müssen die Frauen entscheiden, wie weit sie für die Liebe der jeweils anderen gehen würden.

 

Kritik: Im Jahr 2017 feierte der Regisseur und Drehbuchautor Francis Lee mit dem Romantik-Drama „God’s Own Country“ über die Liebe von zwei Farmarbeitern ein vielfach preisgekröntes Regiedebüt. Für seinen zweiten Film „Ammonite“ taucht er in die Welt der realen Mary Anning ein, die mit ihrer Fossilienforschung bahnbrechende und lange Zeit in Vergessenheit geratene Arbeit geleistet hat. Wohl auch für den dramaturgischen Bogen sowie ein Porträt der gleichgeschlechtlichen Liebe im frühen 19. Jahrhundert hat Lee den Inhalt um eine fiktive Romanze ergänzt. In ruhigen Schritten führt er die wortkargen Protagonistinnen aufeinander zu, entwickelt eine zart erzählte Liebesgeschichte und eine gleichzeitige Verneigung vor einer Vorreiterin im Bereich der Archäologie.

Nur langsam finden Mary und Charlotte (© Tobis Film)

Nur langsam finden Mary und Charlotte zueinander (© Tobis Film)

Leider nimmt sich der Fluss der Geschichte in der bewusst trist gehaltenen Küstenstadt schon so sehr zurück, dass „Ammonite“ stellenweise in einen arg plätschernden, fast schon drögen Modus übergeht. Abseits toll gefilmter Aufnahmen hätte dem Geschehen phasenweise etwas mehr Zug, Tempo und Leben gut getan, da der Film so Gefahr läuft, seine sicherlich vorhandene Emotionalität zu ersticken. Da ist es sicherlich nicht hinderlich, zwei der talentiertesten Darstellerinnen ihrer Generation vor der Kamera zu haben. Kate Winslet und Saoirse Ronan liefern sehr unterschiedliche, dabei aber gleichermaßen vielseitige Auftritte, bei denen ein Blick oft mehr sagt als 1000 Worte. Gemma Jones als verbitterte Mutter und Fiona Shaw („Killing Eve“), die eine stets hilfsbereite Nachbarin spielt, ergänzen ihre prominenten Kolleginnen.

Francis Lees Status als einer der spannendsten Regie-Entdeckungen Englands ist auch in diesem Film spürbar. Allerdings hätte die Mischung aus Biopic und fiktiver Romanze ein bisschen weniger Ruhe und mehr Unterhaltungswert gut zu Gesicht gestanden. So ist es am Ende den erstklassigen Auftritten von Winslet und Ronan zu verdanken, dass „Ammonite“ deutlich über den Status von schön bebilderter Langeweile hinauswächst.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: Tobis Film, YouTube

Ammonite

Originaltitel:Ammonite
Regie:Francis Lee
Darsteller:Kate Winslet, Saoirse Ronan, Fiona Shaw
Genre:Drama, Liebesfilm
Produktionsland/-jahr:UK, 2020
Verleih:Tobis Film
Länge:118 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:04.11.2021

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Tobis Film

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 04.11.2021
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