Review: Wege des Lebens – The Roads Not Taken (Kino)

Das Hauptplakat von "Wege des Lebens – The Roads Not Taken" (© 2020 Universal Pictures)

Das Hauptplakat von „Wege des Lebens – The Roads Not Taken“ (© 2020 Universal Pictures)

Inhalt: Die ambitionierte Jung-Journalistin Molly (Elle Fanning, „The Great“) muss eigentlich in ihr Büro, um eine wichtige Präsentation für einen neuen Job zu halten. Ausgerechnet an dem Tag soll ihr demenzkranker Vater Leo (Javier Bardem, „Loving Pablo“), der neben ihr niemanden mehr hat, zu verschiedenen Ärzten, was er nicht allein bewältigen kann. Während der Tour, die einige Umwege nimmt, ist er kaum ansprechbar und versinkt in Erinnerungen an seine frühere Liebe Dolores (Salma Hayek, „From Dusk Till Dawn“) und an Urlaubsgespräche mit einer jungen Touristin (Milena Tscharntke, „Wir sind die Welle“). Durch Leos Realitätsflucht wird Molly immer klarer, dass sie die Pflege ihres Vaters nicht mehr ohne Hilfe bewältigen kann.

 

Kritik: Seit rund vier Jahrzehnten ist die Londoner Regisseurin Sally Potter inzwischen ein erfolgreicher Teil der Filmbranche. Zuletzt landete sie mit dem pointierten „The Party“ einen echten Volltreffer. Nun hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, in „Wege des Lebens – The Roads Not Taken“ das Thema Demenz und die Auswirkung auf Betroffene und Familien unter die Lupe zu nehmen. In den vergangenen Jahren beschäftigten sich bereits andere Werke wie der grandiose Oscar-Film „Still Alice – Mein Leben ohne gestern“ und Til Schweigers Feelgood-Erfolg „Honig im Kopf “ mit den Tücken der schweren Krankheit. Potter wählt hier einen ganz anderen Ansatz, verhebt sich dabei aber komplett. So wird es schon zum Problem, eine emotionale Bindung zu den Figuren herzustellen, da man hier nur bemüht scheint, künstlerisch möglichst hochwertige, philosophische Gedankenreisen zu präsentieren.

Molly wird klar, dass sie mit der Krankheit ihres Vaters überfordert ist (© 2020 Universal Pictures)

Molly wird klar, dass sie mit der Krankheit ihres Vaters überfordert ist (© 2020 Universal Pictures)

Ein wirkliches Interesse der Macher, sich mit dem selbst gewählten Thema auseinander zu setzen, gibt es nicht. Das führt schon zwingend zu einem ebenso großen Desinteresse der Zuschauer an der Geschichte und ihren Figuren. Was in den zermürbend drögen 85 Minuten Laufzeit folgt, ist Oscar-Bait-Kino der übelsten Sorte. Die reine Anwesenheit einer anspruchsvollen Thematik und guten Schauspielern macht „Wege des Lebens“ nicht zum guten Drama – was Potter, die auch das Drehbuch geschrieben hat, nicht zu verstehen scheint. So sagt der Film zwar, dass Krankheit und Situation ganz furchtbar sind, zeigt aber nur schwärmerische Rückblenden in sommerliche Gebiete, die mit hochtrabenden Gesprächen über Liebe, Familie und Literatur unterfüttert werden. Das etwas komplizierte, aber liebevolle Verhältnis von Vater und Tochter funktioniert größtenteils. Die Entscheidung, Molly die Schwere der Krankheit leugnen zu lassen, aber ihren Wandel und die richtigen Erkenntnisse nur beiläufig zu erwähnen, hilft hier auch nicht.

Bei einem Film, der sich emotional derart weit von dem Kern seiner Geschichte entfernt, können auch Topschauspieler nichts verändern. Da man als Zuschauer keinerlei Gefühl für die Krankheit vermittelt bekommt, wirkt ein verwirrt chargierender Javier Bardem eher wie eine Selbstparodie. Die talentierte Elle Fanning ist in subtileren Momenten zu grobschlächtig, um wirklich glaubwürdig zu wirken. Laura Linney hat als sarkastische Ex-Frau zumindest ein paar brauchbare Szenen. Der Auftritt von Salma Hayek ist allein schon irritierend, da sie und Bardem (ohne digitale Anpassungen) ein Paar im Teenager-Alter spielen sollen. Die Hamburgerin Milena Tscharntke feiert hier ein zumindest ordentliches Debüt auf dem internationalen Parkett – ihr wäre ein besserer Film zu gönnen gewesen.

Es ist erstaunlich, wie sich so viel Talent versammeln und ein hübsches aber inhaltsleeres Werk zu einer anspruchsvollen sowie ergiebigen Thematik drehen kann. Sally Potters neueste Produktion wirkt, als ob Alejandro G. Iñárritu seine eigene Variante von dem „Tropic Thunder“-Film-im-Film „Simple Jack“ drehen wollte. Am Ende ist „Wege des Lebens – The Roads Not Taken“ sehr viel „Schein“ und sehr wenig „Sein“, was dieses durchaus hoch antizipierte Drama zu einer herben Enttäuschung macht.

1,5 von 5 Punkten


Quelle: Universal Pictures, LeinwandreporterTV, YouTube

Wege des Lebens - The Roads Not Taken

Originaltitel:The Roads Not Taken
Regie:Sally Potter
Sprecher:Javier Bardem, Elle Fanning, Laura Linney, Salma Hayek, Milena Tscharntke
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2020
Verleih:Universal Pictures
Länge:85 Minuten
FSK:ab 0 Jahren
Kinostart:13.08.2020

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Universal Pictures

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 10.08.2020
RReview: Wege des Lebens – The Roads Not Taken (Kino)

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