Review: Polaroid (Kino)

Das Plakat von "Polaroid" (© Capelight Pictures)

Das Plakat von “Polaroid” (© Capelight Pictures)

Inhalt: Seit dem Verlust ihres Vaters lebt die junge Bird Fitcher (Kathryn Prescott) ziemlich zurückgezogen. Ihre größte Zuneigung gehört der Fotografie. Deshalb ist sie auch komplett begeistert, als sie von ihrem Arbeitskollegen Tyler (Davi Santos) eine alte Polaroid-Kamera geschenkt bekommt. Kurz darauf lässt sie sich von ihrer besten Freundin Casey (Samantha Logan, „Tote Mädchen lügen nicht“) dazu überreden, auf eine Party zu gehen, wo ihr heimlicher Schwarm Connor (Tyler Young) erwartet wird. Auf der Feier schießt sie mit der neuen, alten Kamera ein Foto, auf dem ihre Freunde versammelt sind. Doch schon bald stellt sich heraus, dass das ein ungeahnt folgenschwerer Fehler war: Eine teuflische Macht jagt und tötet jeden, der vor die Linse dieser Kamera kommt. In kürzester Zeit müssen Bird und ihre Freunde einen Ausweg aus einer scheinbar ausweglosen Situation finden.

Kritik: Schon in seiner Kindheit war der Norweger Lars Klevberg ein leidenschaftlicher Fotograf. So war es auch wenig verwunderlich, als er nach seinem Regie-Studium sein großes Hobby zum Handlungszentrum eines Films machte. Der 2015 veröffentlichte Kurzfilm „Polaroid“ erntete internationale Anerkennung und öffnete dem Regisseur einige Türen. Im kommenden Jahr wird Klevberg auch „Child’s Play“, sein Remake des Horror-Kultfilms „Chucky – Die Mörderpuppe“, veröffentlichen. Bereits 2017 feierte er mit der Langfassung von „Polaroid“ seinen Einstand als Spielfilm-Regisseur. Der für Herbst 2017 geplante Kinostart des Werks, das von der Firma Dimension Films (die zur Weinstein Company gehört) produziert wurde, ist im Zuge des Skandals um Harvey Weinstein verschoben worden.

Allerdings wird es hier mal wieder offensichtlich, dass das Material eines guten Kurzfilms auf 88 Minuten ausgedehnt nicht zwingend funktioniert. Nach einer schon öfters gesehenen Einführungsszene, die zumindest ein bis zwei ordentlich gesetzte Jumpscares und etwas Atmosphäre liefert, wird „Polaroid“ zu hölzerner Standardware aus dem PG-13-Horrorkino. Selbstverständlich bedient die generische Produktion jedes Element, was aus einem Querschnitt von (bestenfalls) „The Ring“ bis (schlimmstenfalls) „Wish Upon“ bekannt ist. Die unglaublich alberne Prämisse, die in einem knackigen 15-Minüter noch überspielt werden kann, sorgt hier – da äußerst ernst umgesetzt – für unfreiwillige Komik. Dazu ist eine interne Logik in der Geschichte kaum existent. Da nur die Dialoge – neben dem zugegeben angemessen entworfenen Monster – für aufrichtigen Grusel sorgen und die Charaktere, die dünner als das Papier des Drehbuchs sind, konsequent sich durch dumme Aktionen selbst in Schwierigkeiten bringen, entwickelt der Film eine andere Art von Unterhaltungswert.

Noch ist Schüchternheit das größte Problem von Bird (© Capelight Pictures)

Noch ist Schüchternheit das größte Problem von Bird (© Capelight Pictures)

Wenn die Protagonisten den Tod von Freunden äußerst beiläufig zur Kenntnis nehmen, oder bei (eigentlich) sehr brutalen Momenten – in denen ansonsten die kreativsten Momente des Werks zu finden sind – zu Gunsten der Altersfreigabe gänzlich auf Blut verzichtet wird, werden wohl einige Zuschauer ein Grinsen im Gesicht haben. Die Darsteller bleiben natürlich komplett austauschbar. Auch Kathryn Prescott, die als Außenseiterin mit trauriger Hintergrund-Story das Zentrum der Geschichte bildet, hat kein Material, um besondere Eindrücke zu hinterlassen. Mit Mitch Pileggi („Shocker“) und Grace Zabriskie („Chucky 2 – Die Mörderpuppe ist zurück“) sind noch zwei prominentere Darsteller im Film zu finden. Doch sowohl Pileggi, der den übellaunigen Sheriff gibt, als auch Zabriskie, die in einer Kurzrolle einfach mal wieder gruselig sein soll, haben nur sehr bedingt etwas zum Geschehen beizutragen.

In den USA ist der Januar als Ödland für zumeist misslungene Horrorfilme bekannt, die die Studios möglichst unerkannt und kurzlebig im Kino abladen wollen. Leider passt „Polaroid“ genau in diese Kategorie. Es ist noch nicht einmal so, dass die (für einen Langfilm) abstruse Grundidee zwingend für das Scheitern des Werks sorgt – der vorzügliche „It Follows“ liefert da ein prominentes Gegenbeispiel. Hier ist es die Kombination von Klischees, flachen Figuren, Logiklöchern und missglückten Dialogen, die dem Grusel im Weg steht. Zumindest sorgen eine solide Einführung, ein brauchbares Monster und der recht beständig vorhandene, aber nur bedingt freiwillige Unterhaltungswert dafür, dass sich der Zuschauer während der 88 Minuten nicht langweilt.

2 von 5 Punkten


Quelle: Capelight Pictures, LeinwandreporterTV, YouTube

Polaroid

Originaltitel:Polaroid
Regie:Lars Klevberg
Darsteller:Madelaine Petsch, Javier Botet, Samantha Logan, Mitch Pileggi
Genre:Horror
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:Capelight Pictures/Wild Bunch Germany
Länge:88 Minuten
FSK:ab 16 Jahren
Kinostart:10.01.2019

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Capelight Pictures

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 08.01.2019
Review: Polaroid (Kino)

1 comment on “Review: Polaroid (Kino)”

  1. Martin Zopick Antworten

    Es sind eigentlich zwei Filme, die nur ganz lose mit einander verbunden sind. Der erste ist ein IRA Krimi. Das ehrenamtliche Mitglied der Untergrundorganisation Fergus (Stephen Rea) verhört den farbigen britischen Soldaten Jody (Forest Whitaker). Beide kommen sich näher, finden Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Wären da nicht der Anführer Maguire (Adrian Dunbar) und Jude (Miranda Richardson), die selbst auf Fergus ein Auge geworfen hat. Beide treiben Fergus dazu Jody zu exekutieren. Die Geisel hat Fergus ein Bild seiner Freundin Dil (Jaye Davidson) gezeigt und kommt uns Leben. Fergus findet Dil, eine Sängerin in einer Nachtbar und geht zu ihr nach Hause. Bevor sie intim werden gleitet die Kamera an Dil herunter und enthüllt ein Gemächt zwischen seinen Schenkeln. Als dann noch Maguire und Jude auftauchen, schwurbelt sich Regisseur Neil Jordan in kryptische Gefilde.
    Zwischen Zuneigung und Zurückweisung, Küssen und Schlägen turteln Dil und Fergus umeinander und werden in heftige Schießereien mit den beiden IRA Agenten verwickelt.
    Von den beiden verliebten ‘Jungs‘ weiß nicht jeder alles vom anderen. Der sympathische Barkeeper Col (Jim Broadbent) ist der einzig ruhende Pol in diesem verwirrenden Sex Drama und die zweimal erzählte Fabel vom Frosch und dem Skorpion, die einen Fluss überqueren wollen, dient der Anhebung des Niveaus. Letzte Zweifel werden durch den musikalischen Rahmen beseitigt: am Anfang sang noch Percy Sledge When a Man Loves a Woman während wir am Ende Stand by your Man von Tammy Wynette hören. Soviel was das Gendering betrifft. Und der Titel heißt wohl Ein Spiel vom Heulen. Scharfes Schnittchen mit Pimmel.

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