Review: Der Mann aus dem Eis (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Der Mann aus dem Eis" (© Ascot Elite)

Das Blu-ray-Cover von “Der Mann aus dem Eis” (© Ascot Elite)

Inhalt: Vor 5300 Jahren lebt der Stammesführer Kelab (Jürgen Vogel, „Stereo“) mit seinen Leuten friedlich in einem Tal in den Ötztaler Alpen. Als er eines Tages auf der Jagd ist, überfallen Krant (André M. Hennicke, „S.U.M. 1“) und seine Leute die kleine Siedlung und ermorden die gesamte Bevölkerung. Nachdem der erste Schock überwunden ist, bleibt für Kelab nur noch die Rache. Er heftet sich an die Fersen der Täter und lässt sich dabei auch nicht von der mehr als widrigen Witterung aufhalten. Doch langsam erwachsen in ihm Zweifel, ob es nicht auch einen anderen Weg gibt, sein Leben fortzusetzen.

Kritik: Als zwei Wanderer 1991 in einer Schlucht der Ötztaler Alpen einen eingefrorenen Mann entdeckten, wurde zunächst vermutet, dass es sich um einen verunglückten Bergsteiger handelt. Erst bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass dieser Mann bereits seit 5300 Jahren in seinem eisigen Grab lag. Unter dem Namen „Ötzi“ wurde die älteste Mumie der Welt international bekannt. Nun kehrt der Autor und Regisseur Felix Randau nach fast zehnjähriger Abwesenheit mit seiner Interpretation der letzten Tage des Ötzi zurück. Die etwas fragwürdige Ansage, dass der Film auf wahren Begebenheiten fußt, ist aber nur eines der ersten Probleme, die hier auffallen. Viel mehr wirkt „Der Mann aus dem Eis“ historisch in etwa so akkurat wie „Inglourious Basterds“. Selbst bekannte Fakten wie das Aussehen des Bogens werden hier geflissentlich ignoriert. Die Entscheidung, die Darsteller in einem nicht untertitelten Ur-Dialekt sprechen zu lassen, lässt das Geschehen realer wirken, hält aber zeitgleich die Figuren auf Distanz.

Jürgen Vogel in der Rolle der weltbekannten Eismumie (© Ascot Elite)

Jürgen Vogel in der Rolle der weltbekannten Eismumie (© Ascot Elite)

Das voller Stolz gegebene Versprechen, dass die Geschichte auch ohne übersetzte Dialoge verständlich ist, wird komplett erfüllt. Da die Handlung aber hauptsächlich daraus besteht, die Titelfigur durch die Landschaft wandern und gelegentlich kämpfen zu lassen, ist diese Errungenschaft nur bedingt bahnbrechend. Viel mehr wirken die Inhalte, die gar nicht versuchen, den Mythos Ötzi zu ergründen, oft ausgesprochen monoton. Es ist hauptsächlich den toll gewählten und gefilmten Landschaften zu verdanken, dass der Film einen Grund hatte, im Kino zu laufen. An den optischen Möglichkeiten der Gegend ergötzen sich die Macher während der schier endlosen Spaziergänge der Hauptfigur. Selbst beim blutigen Finale dieser etwas anderen Variante eines Rache-Westerns möchte aber aufgrund fehlender Nähe zu den Figuren keine Spannung aufkommen.

Der Film zeigt aber auch wieder einmal, was für ein toller Schauspieler Jürgen Vogel ist. Ohne wirklich verbale Ausdrucks-Möglichkeiten und mit minimalistischer Charakterzeichnung und Geschichte schafft er es immer noch, den Film zu tragen. André M. Hennicke gibt einen soliden Gegenspieler, hat aber nicht viel Material zur Verfügung gestellt bekommen. Es gibt noch einen merkwürdigen Gastauftritt der – ziemlich modern gestriegelten – Italo-Western-Legende Franco Nero („Django Unchained“). Weitere bekannte Darsteller wie Axel Stein („Schatz, nimm Du sie!“), Violetta Schurawlow („Die Hölle – Inferno“) und Sabin Tambrea („Ludwig II.“) haben es sich auch nicht nehmen lassen, der bekannten Eis-Mumie mit unauffälligen Auftritten die Ehre zu erweisen.

Grundsätzlich darf den Machern für ihren Ansatz Respekt gezollt werden. Einen authentischen Film über den Ötzi zu drehen und unter schwierigen Umständen eine schlüssige Geschichte zu entwickeln, ist eine interessante Aufgabe. Ebenso ist es legitim, vor historischem Hintergrund eine Fantasy-Rache-Story zu erzählen. Beides miteinander zu vermischen und ohne jeglichen Grund als die „wahre Geschichte“ zu verkaufen, ist prätentiös und krude. So wird das verschwindend kleine Drehbuch deutlich aufgefüllt, um das Geschehen auf Spielfilmlänge zu bringen. Am Ende ist „Der Mann aus dem Eis“ ein ziemlich missglücktes, filmisches Experiment, das hauptsächlich von seinen erstklassigen Bildern und Jürgen Vogel im Bereich des Erträglichen gehalten wird.

Django aus dem Eis (© Ascot Elite)

Django aus dem Eis (© Ascot Elite)

Der Film ist ab dem 18.05.2018 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

2 von 5 Punkten

 

Bild: Im Film wurde fast ausschließlich mit natürlichem Licht gearbeitet, was diesbezüglich für einen authentischen Look sorgt. Schärfe und Detaildarstellung sind hingegen deswegen eher mittelmäßig und können fast nur bei den Close Up-Aufnahmen wirklich überzeugen. Die Farben sind meistens sehr blass und werden öfters noch von einem Blaufilter untermalt. Kontraste und Schwarzwert können hier auch nicht unbedingt mit knackigen Werten punkten. Das Bild ist dazu öfters recht körnig und wirkt etwas unruhig.

3 von 5 Punkten

Ton: Der DTS-HD MA 5.1-Ton mit der verwendeten Ursprache kann überzeugen. Vor allem die Umweltgeräusche sorgen hier für eine saubere, räumliche Kulisse. Gerade die prasselnden, pfeifenden Unwetter und die Hintergrundgeräusche in den Wäldern fallen hier auf. Dialoge werden nur gelegentlich eingesetzt und sind immer – abgesehen von ihrer Bedeutung – gut verständlich.

4 von 5 Punkten

Extras: Fünf Interviews (35 Minuten), die Featurettes „Am Set von Der Mann aus dem Eis“ (26 Minuten) und „Aufnahmen Kampfproben“ (3 Minuten), ein Mini-Making of (3 Minuten) ein alternatives Ende (2 Minuten) und ein paar Trailer ergänzen die Blu-ray.

3 von 5 Punkten

Gesamt: 2,5 von 5 Punkten


Quelle: Ascot Elite, Leinwandreporter TV, YouTube

Der Mann aus dem Eis

Originaltitel:Der Mann aus dem Eis
Regie:Felix Randau
Darsteller:Jürgen Vogel, André M. Hennicke, Franco Nero, Axel Stein
Genre:Abenteuer, Thriller
Produktionsland/-jahr:Deutschland/Österreich/Italien, 2017
Verleih:Ascot Elite
Länge:97 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite des Films

Verfasst von Thomas.
Zuletzt geändert am 14.05.2018
Review: Der Mann aus dem Eis (Blu-ray)

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