Review: Wind River (Kino)

Das Hauptplakat von "Wind River" (© Wild Bunch Germany)

Das Hauptplakat von “Wind River” (© Wild Bunch Germany)

Inhalt: Das Indianer-Reservat Wind River in Wyoming könnte wohl kaum trister sein. Dennoch arbeitet Corey (Jeremy Renner, „Mission: Impossible – Rogue Nation“) dort als Raubtier-Jäger und hat auch eine Familie gegründet, die nach einem tragischen Zwischenfall aber zerbrochen ist. Während er in einem abgelegenen Bereich des Reservates seiner Arbeit nachgeht, findet er die Leiche der 18 Jahre alten Natalie (Kelsey Asbille). Sie wurde vergewaltigt und ist viel zu dünn bekleidet, um freiwillig in der Umgegend gewesen zu sein. Da die einheimische Polizei gar keine Ressourcen hat, um zu ermitteln, übernimmt die vollkommen unerfahrene FBI-Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen, „Very Good Girls – Die Liebe eines Sommers“) die Leitung des Falls. Mit der Unterstützung von Corey beginnt sie, in den unwirtlichen Bedingungen nach einer Lösung zu suchen. Zwischen feindseligen Anwohnern, fehlenden Spuren und der klirrenden Kälte finden die beiden einen Anhaltspunkt, der sie selbst in große Gefahr bringt.

 

Kritik: Seit den 90er-Jahren war Taylor Sheridan als Schauspieler in TV-Produktionen unterwegs. Vor allem als Sheriff David Hale in der Erfolgs-Serie „Sons of Anarchy“ wurde er so einem breiteren Publikum bekannt. Im Jahr 2015 überraschte er dann mit seinem Drehbuch zu dem knallharten Drogenthriller „Sicario “, der unter anderem für drei Oscars nominiert wurde. Für sein Skript zum atmosphärischen Neo-Western „Hell Or High Water“ konnte Sheridan selbst 2017 seine erste Oscar-Nominierung verbuchen. Nun durfte er erstmals ein eigenes Drehbuch verfilmen. Herausgekommen ist ein stimmungsvoller Nordic Noir-Thriller, der ganz klar die Handschrift seines Machers trägt.

Jane und Ben haben alle Hände voll zu tun (© Wild Bunch Germany)

Jane und Ben haben alle Hände voll zu tun (© Wild Bunch Germany)

Die klirrende Kälte der tristen Winterlandschaften ist nahezu spürbar und ist so eine Art Leitmotiv für die Geschichte. Der eigentlich einfache Krimi-Plot entfaltet hier auch dank starker Dialoge und gut geschriebener Charaktere schnell seine Wirkung. Bei der Inszenierung ist klar zu spüren, dass Sheridan gut aufgepasst hat, als er Denis Villeneuve und David Mackenzie bei der Arbeit beobachten konnte. Mit einem guten Blick für eindrucksvolle Aufnahmen und einem guten Gespür für ein angemessenes Erzähltempo, zeigt er sich auch in diesem Metier als äußerst begabt. Gerade bei dem rabiaten und ungewöhnlich erzählten Showdown kann Sherdian punkten.

Während des ganzen Filmes ist es aber auch praktisch, dass die starken Charaktere exzellent besetzt worden sind. Jeremy Renner spielt seinen besten Part der letzten Jahre. Nachdem er zuletzt hauptsächlich recht undankbare Nebenrollen in Blockbustern übernommen hat und auch in Preiskandidaten wie „Arrival“ andere Schauspieler für die Glanzpunkte gesorgt haben, kann er hier wieder einmal seine Klasse zeigen. In der Rolle des wortkargen Jägers Corey, bei dem alle schmerzlichen Lebenserfahrungen in jeder Mine zu sehen sind, liefert er eindrucksvolles Pensum. Es dürfte den meisten schon länger klar sein, dass Elizabeth Olsen – im Gegensatz zu ihren Schwestern – eine begabte Charakterdarstellerin ist. Als überfordert wirkende Jung-Agentin, die sich mit Biss und Rückgrat den Respekt der Anwohner verdient, zeigt auch sie einen bärenstarken Part. Beide Auftritte könnten durchaus in Richtung Preisverleihungen interessant werden.

Corey ist im Reservat eine repektierte Persönlichkeit (© Wild Bunch Germany)

Corey ist im Reservat eine repektierte Persönlichkeit (© Wild Bunch Germany)

Graham Greene („Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“) kann als Reservat-Sheriff Ben mit Charme und zornigem Humor einen seiner besten Auftritte seit langem feiern. Jon Bernthal („Baby Driver“) hat sich in Hollywood inzwischen zu einer Allzweckwaffe für kleine aber feine Rollen entwickelt. Auch hier drückt er in einem kleinen Part dem Film seinen Stempel auf.

Taylor Sheridan entwickelt sich immer mehr zu einem der interessantesten Namen im amerikanischen Kino. Obwohl die Geschichte sicherlich nicht revolutionär erscheint, gelingt ihm hier ein extrem atmosphärischer Thriller, der von seinen fantastischen Charakteren lebt. Ganz beiläufig dürfte „Wind River“ der wohl beste Regie-Erstling des Jahres sein, der auch wegen der großartigen Elizabeth Olsen und Jeremy Renner unbedingt sehenswert ist.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: Wild Bunch Germany, Leinwandreporter TV, YouTube

Wind River

Originaltitel:Wind River
Regie:Taylor Sheridan
Darsteller:Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Graham Greene (II)
Genre:Thriller, Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:Wild Bunch Germany
Länge: 107 MinutenFSK: ab 16 Jahren
Kinostart:08.02.2018

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Wild Bunch Germany

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 13.12.2017
Review: Wind River (Kino)

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