Review: It Comes At Night (Kino)

Zum Schutz vor Eindringlingen sind rabiate Schutzvorrichtungen nötig (© Universum Film)

Zum Schutz vor Eindringlingen sind rabiate Schutzvorrichtungen nötig (© Universum Film)

Inhalt: In einer dunklen Waldhütte hockt ein alter Mann, der sichtbar mit der Atmung zu kämpfen hat und dessen Körper mit einem wilden Ausschlag übersät ist. Um ihn herum versuchen seine Tochter Sarah (Carmen Ejogo, „Born To Be Blue“), sein Enkel Travis (Kelvin Harrison) und sein Schwiegersohn Paul (Joel Edgerton, „Felony – Ein Moment kann alles verändern“) – mit Gasmasken geschützt – auf ihn einzureden. Als das nicht funktioniert, bleibt keine andere Wahl, als ihn zu töten. In vergleichbaren Situationen sind viele Familien, seitdem eine aggressive Krankheit große Teile der Menschheit dahingerafft hat. Deswegen riegelt sich die Familie sofort nach den Ereignissen wieder ab. Doch kurz darauf bricht Will (Christopher Abbott, „Whiskey Tango Foxtrot“) in die Hütte ein. Paul kann ihn unschädlich machen und festsetzen. Es gelingt Will, Paul davon zu überzeugen, sein Leben zu verschonen und ihn samt Ehefrau Kim (Riley Keough) und Sohn Andrew (Griffin Robert Faulkner) bei sich aufzunehmen. Obwohl sich die beiden Familien gut verstehen, sorgt die Angst vor Krankheit und der reine Überlebensinstinkt bald für erste Missstimmungen. Eine Eskalation scheint unvermeidlich.

Kritik: Nachdem Trey Edward Shults mit „Krisha“ ein äußerst eigenwilliges Debüt, das sich zum Festival-Liebling entwickelte, hingelegt hat, schlägt der Autor und Regisseur für seinen zweiten Spielfilm deutlich dunklere Töne an. Nachdem die ersten Reaktionen auf Festivals nahezu euphorisch waren, wuchs diese Mini-Produktion zu einem der meist erwarteten Genre-Beiträge des Jahres. Ähnlich wie „The Witch“ im vergangenen Jahr entpuppt sich auch „It Comes At Night“ tatsächlich die erhoffte Entdeckung. Dabei bleibt aber auch hier die Frage, ob der Film auch Mainstream-kompatibel ist. Statt großen Zombie-Herden, die einen großen Cast massiv ausdünnen, setzt Shults ein Szenario um, das wohl auch auf einer Theaterbühne stattfinden könnte. Eine vergleichbare Geschichte war zuletzt in „Into the Forest“ ausgesprochen dröge umgesetzt worden. Hier gelingt es, mit Minimalismus Hochspannung zu erzeugen. Der Film wirft den Zuschauer in die Handlung, lässt ihn rätseln und beantwortet nur Fragen, wenn er das wirklich muss.

Die beiden Familien wollen einen ruhigen Moment für ein gemeinsames Essen nutzen (© Universum Film)

Die beiden Familien wollen einen ruhigen Moment für ein gemeinsames Essen nutzen (© Universum Film)

Die Verlorenheit und Verwirrung, die das Publikum empfindet, sorgt hier tatsächlich für die gewünschte atmosphärische Dichte und macht den Film noch effektiver. Ohne große Ereignisse entsteht so einer der spannendsten Genrefilme der letzten Zeit. In jeder Minute nagt die unangenehme Stimmung am Nervenkostüm. Die Albträume von Travis, das Rätselraten über die wirklichen Beweggründe der Neuankömmlinge im Haus und die Krankheit als große Unbekannte führen das beengende Szenario an die Grenzen der Erträglichkeit. Damit ein derart karges Konzept so aufgeht, sind natürlich interessante Charaktere essenziell. Hier liefert der Film bei allen Mitgliedern des zentralen Sextetts. Gerade Joel Edgerton, der als Familienvater Paul die unliebsamen Entscheidungen treffen muss und sich dabei einen erschreckenden Pragmatismus bewahrt, sticht hierbei besonders hervor.

Der junge Kelvin Harrison deutet als traumatisierter Teenager an, dass er eine große Karriere vor sich haben könnte. Carmen Ejogo ist eine wunderbare Schauspielerin, was sie hier mit ihrem ruhigen, einfühlsamen Auftritt erneut zeigt. Christopher Abbott und Riley Keogh präsentieren sich zwar sehr sympathisch, sind aber dabei genau doppeldeutig genug, um für ein weiteres Spannungsmoment im Film zu sorgen. Selbst Cast-Küken Griffin Robert Faulkner fällt nicht ab.

„It Comes At Night“ ist keinesfalls die typische Unterhaltung, die den Sehgewohnheiten von Horror-Fans entspricht. Mit karger, minimalistischer Kulisse erzeugt Trey Edward Shults einen extrem atmosphärischen Film, der zwischen seinem abrupten Anfang und Ende mit erzählerischer Konsequenz und handwerklichem Geschick nachhaltig verstört.

4 von 5 Punkten


Quelle: Universum Film, LeinwandreporterTV, YouTube

It Comes At Night

Originaltitel:It Comes At Night
Regie:Trey Edward Shults
Darsteller:Joel Edgerton, Riley Keough, Christopher Abbott, Carmen Ejogo
Genre:Thriller, Horror, Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:Universum Film
Länge: 92 MinutenFSK: ab 16 Jahren
Kinostart:18.01.2018
Facebook-SeiteIt Comes At Nights

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 15.09.2017
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