Film Festival Cologne: Certain Women

Das Plakat von "Certain Women" (© Film Science)

Das Plakat von “Certain Women” (© Film Science)

Inhalt: Laura Wells (Laura Dern, „Der große Trip – Wild“) ist eine gut angesehene Anwältin und kümmert sich voller Hingabe um ihre Klienten. Aktuell nimmt der Fall des sympathischen, aber anstrengenden Fuller (Jared Harris, „Poltergeist“) viel Zeit in Anspruch, der aufgrund eines Arbeitsunfalls schwere Nervenschäden erlitten hat. Als es sich abzeichnet, dass er keine Entschädigung für seine Dienstunfähigkeit bekommt, rastet Fuller aus und nimmt eine Geisel. Nun ist es an Laura, die Wogen zu glätten. Gina (Michelle Williams, „My Week with Marilyn“) und ihr Mann Ryan (James Le Gros) planen seit langem den Bau eines eigenen Hauses. Eigentlich möchten sie nur ein paar Sandsteine bei einem älteren Herrn erwerben. Daraus entsteht aber eine große Sinnkrise. Seit kurzem gibt Beth (Kristen Stewart, „Still Alice – Mein Leben ohne gestern“) Abendkurse über Schulrecht. Eher zufällig landet die Farmarbeiterin Jamie (Lily Gladstone) in ihrem Unterricht. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine enge Freundschaft. Doch eines Tages taucht Beth nicht mehr auf.

Kritik: Kelly Reichardt gehört zu den großen Hoffnungen des amerikanischen Independent-Kinos. Mit einem gewissen Pragmatismus bis Minimalismus, wundervollen Bildern und Melancholie trugen fast alle ihre Arbeiten eine klare Handschrift. Mit Filmen wie „Meek’s Cutoff“ und „Wendy and Lucy“ (jeweils mit Michelle Williams in der Hauptrolle) schuf sie sich eine große Fan-Szene. Wie schnell ihr zurückhaltender Stil aber zu Langeweile führen kann, zeigte zuletzt der eher enttäuschende „Night Moves“. Hier hat sie sich drei Kurzgeschichten aus dem Buch „Both Ways Is the Only Way I Want It” von Maile Meloy für ihren wieder einmal ruhigen Film ausgesucht. Wie so oft in Episodenfilmen ist die Qualität schwankend. Die zuerst erzählte Geschichte um die Anwältin Laura wird von Tragikomik. Als Zuschauer verspürt man Mitleid mit dem von Jared Harris gespielten Fuller. Genau so dürfte jeder verstehen, aus welchem Grund seine Mitmenschen so an ihm verzweifeln. Es ist wunderbar, dass Laura Dern wieder eine wirkliche Karriere hat. Wie einfühlsam und witzig sie die leidgeprüfte Anwältin spielt ist große Klasse.

Beth fängt einen neuen Job als Lehrerin an (© Film Science)

Beth fängt einen neuen Job als Lehrerin an (© Film Science)

Danach folgt der deutlich schlechteste Teil des Films. Auch nach längerem Nachdenken will sich nicht wirklich erschließen, um was es in der Geschichte von Gina und Ryan geht. Ein Ehemann, das ab und zu Meinungsverschiedenheiten hat (soll vorkommen), unterhält sich mit einem älteren Herrn über Probleme des Lebens und Vogelgezwitscher, damit sie einen Haufen Steine kaufen können, die in dessen Garten liegen. Damit ist alles gesagt, was es über die Handlung zu wissen gibt. Erstaunlicherweise ist der Unterhaltungswert dieser Episode begrenzt. Für den finalen Teil steigert sich „Certain Women“ dann wieder und erzählt eine zarte Liebesgeschichte. Kristen Stewart, die sich wohl endgültig von ihrem „Twilight“-Image verabschiedet hat, und vor allem die talentierte Lily Gladstone tragen diese kleine Story rund um Seelenverwandtschaft.

Zu zwei Dritteln ist „Certain Women“ eine ruhiger, schön erzählter Film, der mit guten Darstellern und starken Bildern gefällt. Da ist es wirklich ärgerlich, dass der Mittelteil mit bleierner Schwere die 107 Minuten gefühlt deutlich verlängert und so einen deutlich besseren Film verhindert.

3 von 5 Punkten


Quelle: Movieclips Trailers, YouTube

Certain Women

Originaltitel:Certain Women
Regie:Kelly Reichardt
Darsteller:Kristen Stewart, Michelle Williams, Laura Dern
Genre:Drama, Biographie
Produktionsland/-jahr:USA, 2016
Verleih:---
Länge:107 Minuten
FSK:---

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 10.10.2016
Film Festival Cologne: Certain Women

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